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VI

Alles muss so. Hat seine Richtigkeit. Seinen Grund. Es zeichnete sich ab und du hast es mit Farbe gefüllt. Die Konturen gestärkt und den letzten Strich gezogen. Jetzt liegt es da – ein Skizzenmeer. Jede Welle zog einen von uns beiden weiter hinaus. Kribbeln an den Händen. Den Füßen. Am Rücken. Manchmal orientierungslos. Manchmal einfach nur losgelöst. Vom Ufer und seinen scharfkantigen Tatsachen. Steine verschwinden nicht einfach so. Müssen weggetragen werden. Stück für Stück. Deshalb reizt das Meer. Reizt alles Neue, das einen leicht fühlen lässt. 

Liege wieder am Ufer. Die Haare noch nass. Salzige Lippen. Hände wieder leer, dafür das Gefühl noch da. Wird irgendwann weniger. Wird irgendwann anders. Zum Aufstehen zu schwach, aber spüre Wärme auf meiner Haut. Sie war immer da. Hat manchmal still beobachtet – und manchmal gewarnt. Heute ist sie einfach nur da.  Steht hoch oben. Erhaben. Zweifellos.

Ich will doch nur ans Meer. Hatte ich dir gesagt. Daraus wurde mehr. Meterhohe Versprechen gefolgt von erwartungsvoller Stille. Jetzt ist da nur noch Stille. Und irgendwann kommt wieder die Flut. Doch dann ist jeder von uns woanders. Ganz oben oder ganz unten. Aber wieder am Schwimmen. Füße fern ab vom Grund. Denn alles muss so.

I

Bekomme die Augen kaum auf. Nicht geschlafen und es auch nicht versucht. Alles graurot verschwommen. Mag mich nicht drehen. Nicht aufsetzen. Erst recht nicht aufstehen. Lieber alles sacken lassen, was die letzten Stunden in mir aufgewühlt haben. Gedanken, Ängste, Wut. Ineinander verschoben lassen sie mich taumeln. Das Gefühl zu Stolpern. Beim Einschlafen begonnen, noch nicht aufgehört. Bekomme alles zurück. Vor den Latz geknallt. Probleme gerade noch da gewesen – jetzt ausgelöscht. Mit Allem daran hängenden. Schnitt. Leinen los. Davon.

Will dass man mich versteht. Rufe sie an. Dann ihn. Dann eine Nachricht an sie. Liebe Worte. Die selben wie immer. Verständnislosigkeit. Kann mich selbst nicht erklären. Alles gleicht dem Vortag. Einzig ich selbst spüre alles doppelt. Wie ein Kater, nur ohne Feiern. Tanzen. Rauch im Haar. Diesmal alles ganz geordnet. Zu starr um einzuknicken. Falle im Ganzen. Aufschlag mit dem Gesicht voraus. Spüre es. Spüre mich. Spüre die Blicke der anderen. Gehöre hier nicht hin. Nicht in diesen Spalt zwischen Lieben und Lassen.

Immer noch ich.

Der nächste Schritt.

Seit ein paar Tagen ist Perspective Daily online und möchte mit konstruktivem Journalismus einen neuen Weg gehen. Ich finde diesen Ansatz klasse, da er auch offen die Objektivität von Medien in Frage stellt. Nach welchen Kriterien wird entscheiden, welches Thema relevant ist? Wer entscheidet darüber, dass eine Quelle oder ein Gesprächspartner die Wahrheit sagt? Was ist überhaupt die Wahrheit bzw. wo hört Objektivität auf? Diese Fragen wird jeder anders beantworten – das sollte man sich bewusst machen. Und so sollten sachliche Fakten weiterhin im Mittelpunkt einer Betrachtung stehen, aber wir benötigen unterschiedliche Meinungen. Differenzierte Sichtweisen, die einem dabei helfen wiederum eine eigene Meinung bilden zu können. Hierfür braucht es Experten und Persönlichkeiten, die sich nicht zu schade sind auch schwierige Standpunkte zu vertreten. Keine Auseinandersetzung fürchten. Auch XING hat dieses Problem erkennt und vor über einem halben Jahr das Format Klartext gestartet. Ein Diskussions-Angebot, das sich Themen rund um die Wirtschaft annimmt. Diese Debatten werden immer wieder durch neue Meinungen ergänzt – jedes Mitglied kann ebenfalls an der Diskussion teilnehmen. Und so wird dem Leser geholfen auch vielfältige Themen zu verstehen. Seinen eigenen Standpunkt entwicklen zu können. 

Warum schreibe ich über konstruktiven Journalismus und XING Klartext? Weil ich seit langer Zeit diesen Ansatz verfolge und nun die Möglichkeit habe XING Klartext mitzugestalten. Seit dem ersten Juli arbeite ich im Produktmanagement bei XING. Nach knapp fünf Jahren Beratung und Projektgeschäft habe ich mich dazu entschieden meine ganze Energie für ein neues Vorhaben zu nutzen. Mich reizt Journalismus und ich diskutiere von Herzen gerne. Schreibe seit Jahren meine Geschichten und möchte nun dabei helfen, dass noch mehr Menschen sich für Themen aus aller Welt interessieren. Sich darüber unterhalten und offen für unterschiedliche Sichtweisen werden. Deshalb habe ich diesen Job angetreten. Und er bedeutet für mich gleichzeitig auch eine Verschiebung der Verantwortlichkeiten. Vom UX-Design hin zum Produktmanagement. Darüber werde ich sicher auch in Zukunft erzählen. Ich freue mich riesig und bin gespannt, was die nächsten Monate bringen. Genau so wie ich dankbar bin über das was war. Fast 8 Jahre IBM. Ein Umzug nach Hamburg. Ein neues IBM Design Studio. Und ein Team, das mir sehr ans Herz gewachsen ist. Danke ? 

Neben einem neuen Job werde ich auch Anfang September in Berlin auf der Z2X-Konferenz sein. ZEIT ONLINE feiert Geburtstag und lädt junge Menschen dazu ein über Grenzen hinaus zu denken. Zu diskutieren und Ideen zu spinnen: “Zwei Tage und eine Nacht zusammen denken, planen, streiten, abheben.“ Eine Mischung aus Fachkonferenz und Barcamp. Die Anmeldung ist noch offen und ich würde mich freuen auch ein paar bekannte Gesichter zu sehen.

Zurück aus Prag

Zurück aus Prag. Der letzte Kurztrip meiner Auszeit. Eine wunderschöne Stadt mit einzigartigen Gebäuden. Lief wieder nur staunend durch die Gassen – wenn ich nicht gerade am Essen war (Trdelník!). Freundliche Menschen und (im Gegensatz zu Barcelona) etwas günstiger. Neben Touristenmagneten wie der Karlsbrücke oder der Prager Burg kann man sehr viel Zeit mit ziellosen Spaziergängen oder Lesepausen im Park verbringen. Deshalb habe ich diesmal ein paar Artikel zusammengestellt, die mich in letzter Zeit beeindruckt haben:

Kuscheln ist etwas Schönes. Es schenkt Geborgenheit und Zufriedenheit. Doch was tun, wenn niemand zum Umarmen da ist? Die New York Times hat mit einer professionellen “Cuddlerin” gesprochen. Sie spricht über Preise und die mitschwingende Ausgelassenheit. Während ich auf der einen Seite sehr irritiert war, finde ich das Konzept dennoch schön. So gibt es ja auch Kuschelparties, bei denen Menschen einfach nur Hände halten. Sich in die Augen schauen. Und einfach nur irgendwie Distanz abbauen wollen.

Startup-Gründer Tariq Krim lebte im Internet. Er hat Jahre lang die Vorteile verteidigt und u.a. auch Plattformen entwickelt um viele Inhalte zusammengefasst konsumieren zu können (Netvibes). Doch mittlerweile sehnt er sich nach Entschleunigung. Auf ZEIT ONLINE beschreibt er seine Beobachtung, dass Eigentum verschwindet. Wir haben alles digital. Und nach wenigen Stunden ist die Aufmerksamkeit und Wertschätzung weiter gewandert. Systeme empfehlen Inhalte und täglich wird mehr Content generiert, als wir verdauen können.

“Es geht um Zufallsfunde und Ratschläge unter Freunden. Es geht um all die kleinen Dinge, die Technik in Zukunft unmöglich machen will.”

Ich hatte bereits öfters darüber geschrieben, dass ich auch den Überblick verliere. Und gleichzeitig bedauere, dass man nur noch Informationshappen zu sich nimmt. Ich lese weniger Blogs, kommentiere kaum und suche ebenfalls nach einer Möglichkeit, wieder mehr Spaß am Entdecken von Inhalten zu haben. Ideen?

Natürlich sprechen gerade alle über den Brexit. Und so wird es in den kommenden Wochen sicher ausführliche Betrachtungen geben – bis dahin möchte ich einen guten Artikel der FAZ teilen. Er fordert eine neue Rebellion. Junge Menschen sollen sich wehren. Politik gestalten. Denn schaut man sich die Statistiken an, so wollten die jungen Menschen in der EU bleiben. Sie haben keine Pensionspläne im Rücken und hatten auch nie den Aufschwung oder fetten Jahre erlebt.

“Sie sind die neue Generation „Nein Danke“, eine Generation, in der sich die Furcht um die Zukunft mit einer eigenartigen Sorge um die Reinheit der Heimat zu einem Cocktail aus Verzagen und Abgrenzen mischt.”

Stattdessen müssen sie jetzt mit einer Entscheidung leben, die (in meinen Augen) zur Sicherung der Vergangenheit dienen soll. Das ist aber nicht einfach so möglich, indem man sich abkapselt…

Barcelona ☀️

Hab das Grinsen weiterhin im Gepäck – die Wanderschuhe aber in die Ecke gestellt. So eine Auszeit verrinnt schneller als man es möchte. Hake liegengebliebene Aufgaben ab. Endlich blüht es wieder auf dem Balkon. Gespräche zwischen Elbe und Rhein. Hab mir ein ordentliches Mikrofon fürs Aufzeichnen gekauft. Und endlich geschrieben. Gedanken geordnet. Und meinen Hunger gefunden wieder Dinge erschaffen zu wollen. Rumkruschteln. Große Kisten zusammenklappen und kleine Verstecke ausheben. Hände dreckig. Blätter vollgekritzelt.


Ich war in Barcelona. Mit vier Worten, zwei Büchern und keiner richtigen Vorstellung von dem, was mich erwarten wird. Ein kleines Zimmer zwischen Bodegas und prunkvollen Fassaden. Habe lange nicht mehr so eine schöne Stadt gesehen. Den Bauch voller Tapas staunte ich über die Baukunst von Antoni Gaudí. Durchforstete Buchläden nach Comics, durfte Cheesecake- und Baklava-Eis probieren, am Strand die Füße plantschen lassen und abends in Menschenmassen tauchen gehen. Ich wurde nicht beklaut – auch die meisten teuren Sehenswürdigkeiten (und davon gibt es viele) lies ich aus. Dafür fast 90 Kilometer zu Fuß. Querfeldein. Auf dem Markt die buntesten Fische entdeckt – auch wie sie dann von innen aussehen. Tauben, die sich über mir entleerten und Touristen, die auf mich einschlugen. Beides aus Versehen, so hoffe ich jedenfalls. Stand auf einem Bunker mit Blick über tausende Dächer. Immer ein komisches Gefühl, stellt man sich die vielen parallel verlaufenden Leben vor. Menschen, die lachen und weinen. Und man selbst ist nur ein kleiner Teil, der sich oft zu wichtig nimmt. Mag sehr gerne wieder kommen. Nochmal der Sagrada Familia beim Wachsen zuschauen. Nochmal heimlich aus Restaurants schleichen, weil man die Karte nicht versteht und die Tapas an der nächsten Ecke sowieso besser schmecken. Hier ein paar schöne Flecken:

Um nur ein paar Orte zu erwähnen. Wie in den Bergen gilt auch hier: Sonnencreme sollte man mitnehmen und regelmäßig nutzen.


Es ist schön zu sehen, wenn Menschen kreativ sind. Einen Weg finden andere zum Lachen, Nachdenken oder Weinen zu bringen. Durch Texte, Musik, Gesten oder investierte Zeit. Fabian ist jemand, der es immer wieder schafft. Mit kleinen Texten, Gedichten, Postkarten, Hörbüchern, … Seit einigen Tagen hat er gemeinsam mit Freunden ein Crowdfunding-Projekt gestartet: #Incommunicado als Hörbuch. Dabei handelt es sich um einen Roman von Politiker Michel Reimon. Thematisch geht es um das Urheberrecht – den Ursprung, die Entwicklung, seine Grenzen und wie es heute aussehen könnte. Fabian begann einen Podcast einzusprechen, in dem er die Geschichte erzählte. Sie wurde nämlich unter Creative Commons Lizenz freigegeben. So ein Unterfangen braucht aber Zeit, Energie und eine gute Ausstattung, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Deswegen schlief das Projekt ein und soll nun wieder erweckt werden. Dies braucht Geld – Unterstützer erhalten das Hörbuch als Sofortdownload, persönliche Aufnahmen oder auch einen Studiobesuch. Was ich toll finde, ist der Plan nach abgeschlossener Aufzeichnung das gesamte Hörbuch als Podcast schrittweise zu veröffentlichen. Also der Gemeinheit zur Verfügung zu stellen. So unterstützt man ein Vorhaben, das allen zugutekommt. Bam! Worauf warten? Unterstützen!