Andreas Spiegler

Schreiben. Stolpern. Schluckauf.

Ach du schönes Hamburg 🚢

Seit 10 Jahren wohne ich in Hamburg. Ein Schwabe, den es nie in die Hauptstadt zog. Dafür in die Hansestadt. Helm auf, Vollgas, Elbtunnelblick. Noch immer kein großer Fan vom Regen-Grau und Wind, doch sehr dankbar für diese schöne Stadt. Kommt Besuch, führe ich diesen gerne durch die Viertel. Vorbei an bekannten Ecken zu meinen Lieblingsorten. Dabei trage ich immer eine kleine große Liste mit mir herum. Anlässlich meines Hamburg-Jubiläums will ich diese teilen.

Empfehlungen sind immer noch willkommen. Und danke Svenja, Nadine, Johannes, Nicolas und Peter für Tipps & Ergänzungen.

Hamburg 101 – die Standards

Rauf auf die Michaeliskirche („Michel“) und runterschauen. Spazieren an den Landungsbrücken mit Blick auf den Hafen und seine Kräne. Gisbert auf den Ohren. Zu Fuß oder mit dem Rad durch den alten Elbtunnel und auf der anderen Seite mit einer Spezi sitzen und schauen.

Abstecher durch die Speicherstadt. Klinker-Fassaden. Durch die HafenCity rüber zur Elbphilharmonie – einmal auf die Plaza.

Mit dem Rad durch die Altstadt zum Jungfernstieg. Eis in die Hand und auf die Binnenalster schauen. Wer Zeit hat, genießt die Außenalster (7,4km langer Rundweg). Vorsicht vor Fahrrädern und Sportskanonen.

Vor dem Rathaus stehen und staunen. Kann man auch reingehen. Kleiner Abstecher zum Neuen Wall und breite Schränke vor teuren Läden angrinsen. Danach eine kleine Zeitreise ins Gängeviertel.

Zum Schluss durchatmen im Planten un Blomen. Da gibt es neben viel Grün auch Wasserspiele, Schaugewächshäuser, Minigolf und eine Rollschuhbahn. Wer es bunt und dreckig mag, schlendert nochmal über die Reeperbahn, wenn die Sonne untergeht. Gute Nacht.

Blick auf die Binnenalster am Abend

Kleine Ausflüge

Wer Sand unter den Füßen haben möchte, fährt zum Elbstrand. Hin geht es mit der Hafenfähre 62 von den Landungsbrücken bis Övelgönne. Dann einfach am Wasser oder der Promenade entlang. Etwas ruhiger ist es am Rissener Ufer mit Leuchtturm und einem schönen Campingplatz – lecker Pommes und Superhelden. 🦸‍♀️

Verwinkelte Gassen mit Blick auf die Elbe gibt es im Treppenviertel Blankenese. Hirschpark und Süllberg laden zum Durchatmen ein.

Bei spontaner Lust auf Grillen oder Minigolf wird man im Stadtpark glücklich. Ein Naturbad und eine Verleihstation für Boote bringen Abwechslung in sonnige Tage. Regnet es, kann man sich im Planetarium zurücklehnen – hier gibt es neben dem Blick in die Sterne auch vertonte Hörspiele und Musikreisen.

Sind die Beine müde, so setze ich mich in die U3 und fahre im Kreis. Sie fährt durch das schöne Eppendorf, am Stadtpark entlang, über den Osten zum Hafen und der Reeperbahn. Jederzeit kann man rausspringen und auf Entdeckung gehen. Die Runde dauert etwa 40 Minuten.

Lange nicht gekannt, ist der Jenischpark mittlerweile einer meiner Lieblingsorte. Das ehemalige Privatgut (einer sehr reichen Familie) ist zu Teilen Naturschutzgebiet und eine kleine Oase in Hamburg. Ein schönes Café und Museum laden zum Verschnaufen ein.

Wer lieber am Wasser sitzt oder Lust auf einen Sprung in die Elbe hat, schnappt sich das Rad und fährt zur Dove Elbe. Von der Speicherstadt führt der Weg am Kanal entlang – vorbei am Deich und Wasserpark.

Eine Runde mit der U3

Schöne Orte

Der für mich wichtigste Grund in einer Stadt zu wohnen. An jeder Ecke ein neues Café und neue Geschmäcker. Kulinarische Vielfalt. Treffpunkt mit Freunden. Menschen-Beobachtungs-Orte.

Restaurants 🍕

  • Trattoria 500 – ein toller Italiener in St. Pauli.
  • Slim Jims – Pizzabude direkt auf der Sternschanze.
  • O-ren Ishii – Vietnamesische Küche, die immer etwas ausprobiert.
  • Ottos Burger
  • Zum Spätzle – wenn das Heimweh groß ist: Kässpätzle und Maultaschen.
  • Delikatessen des Meeres – toller Mittagstisch bei Lust auf Fisch.
  • Via Vai – Pizza. Pizza. Auf die Hand.
  • Klinker – gehobene Deutsche Küche. Als Tapas.
  • Lawaii Poké Powl
  • Ramen Bar Zipang
  • Leche de Tigre – Cevicheria & Peruanische Küche.
  • Das Peace – Türkische Küche. Ordentlich Fleisch.
  • Corfu Grill – Fleisch. Fleisch. Ouzo.
  • Azeitona – vegane Küche zum Reinlegen.
  • Happenpappen – nochmal vegan. Nochmal lecker.
  • raw like suhsi – Sushi. Überraschung. Probieren viel aus.
  • Ban Canteen – Vietnamesisch. Burger und Bun Bo.
  • Matsumi – Japanische Küche. Sehr authentisch.
  • Maharaja – Indisch. Trubelig. Freundlich.
  • NENI – schöner Laden mit Israelischem Essen & tollem Cheesecake.
  • Karlsons –leckere Köttbullar und Gurkensalat.

Immer wieder neue Tipps teilt DIE ZEIT.

Cafés & Eisdielen 🍦

  • Pastelaria Transmontana – Menschen beobachten und lecker Toast essen.
  • Luicella’s Ice Cream
  • AENDRÈ – nachhaltig und regional. Vegan.
  • Klippkroog
  • Oehlers Eispatisserie – das beste Eis in Hamburg.
  • Elbgold – Startpunkt für jeden Schanzen-Spaziergang.
  • Balz & Balz – Kuchen. Kaffee. Magazine.
  • Lüttliv
  • Entenwerder1 – direkt an der Elbe.
  • Nasch – veganer Kuchen. Und Mittagstisch.
  • Lowinsky’s NY Coffee – lecker Cheesecake.
  • Eclair au café – tolle Französische Bäckerei.
  • Frau Larrson – Schwedische Kuchen.
  • hejpapa
  • Strandperle – Füße im Elbstrand und Weinschorle in der Hand.
  • Milch – beste heiße Schoki.
  • Glück und Selig

Bars & Kneipen 🍺

  • Boilerman Bar – Highballs und Musik. Nicht mehr. Nicht weniger.
  • Drilling – tagsüber Café und abends Bar. Heimat des Clockers Gin.
  • Altes Mädchen – Wer Bier mag, wird es hier lieben.
  • Sofabar – es gibt Sofas und Getränke. Gut oder?
  • Ponybar – direkt im Univiertel. Mit Kicker und kleiner Bühne.
  • Möwe Sturzflug – gute Auswahl an Getränken. Zum Versacken.
  • Saal II – direkt auf dem Schulterblatt und trotzdem charmant.
  • Central Congress – auf den ersten Blick ein Konferenzraum der 70er.
  • Knust – auch ohne Konzerte eine schöne Bar.
  • Berliner Betrüger – laut und lebendig.
  • Aurel – direkt in Ottensen Leute beobachten oder bisschen tanzen.

Ein bisschen Kultur und laute Musik 👩‍🎤

  • Savoy Kino – schönstes Kino in Hamburg. Viele Filme im Original.
  • Deichtorhallen – Kunst und Ausstellungen. Nicht abgehoben.
  • Kampnagel – unterschiedlichste Kultur-Veranstaltungen.
  • Thalia Theater
  • Bucerius Kunstforum – Kunschd.
  • Museum für Kunst und Gewerbe
  • Laeiszhalle – wunderschönes Gebäude. Und gute Veranstaltungen.
  • Bernsteinbar – Rap. RnB. Soul.
  • Molotow – schöne Konzertlocation.
  • Übel&Gefährlich – Lärm im Bunker.
  • Nachtasyl – Theaterbar.
  • Mojo – legendäre Location an der Reeperbahn.
  • Frau Hedi – schwimmendes Tanzkaffee.
  • Prinzenbar – Indie, Rock und Techno.
Klein und Groß auf der Sternschanze

Zugabe für ein Lächeln im Gesicht

Nicht alles lässt sich in Schubladen einordnen. Macht das Leben in Hamburg aber nochmal ein Stückchen schöner:

Mit gebrannten Mandeln über den DOM spazieren. Vorbei am Autoscooter und den Banden aus der Vorstadt.

Tanzen auf dem Dockville. Egal ob große Bühne, unter Bäumen oder vor dem easy Kisi.

Mit dem Kanu oder Tretboot durch die Alsterkanäle.

Die Zeit der Kirschblüte an der Alster. Entweder am Ufer oder vom Wasser.

Spezi und Pommes am Altonaer Balkon mit Blick über den Hafen.

Auch wenn ich kein großer Fan der Reeperbahn bin – das Reeperbahn Festival treibt mich auch auf die sündige Meile. Überall Musik und Essen. Was will man mehr? ❤️

Durchatmen im Stadtpark

Du bist auf der Suche nach Empfehlungen? Geheimtipp Hamburg, Mit Vergnügen Hamburg und kiekmo versorgen dich mit Nachschub, sobald meine Liste abgearbeitet ist. Viel Spaß in Hamburg ✌️

Fragmente 👨‍🦲 Juli 2021

Ich war noch nie ein Morgenmensch. Bin lieber bis in die Nacht wach. Lichter in Altbauwohnungen. Kopfhörer auf. Mich in Themen graben und irgendwann ins Bett kriechen. In den letzten 1,5 Jahren hat sich das leider verändert. Denn ich werde regelmäßig zwischen 4 und 5 Uhr wach. Liege dann (mit viel zu wenig Schlaf) hellwach im Bett. Schaue an die Decke. Werde irgendwann genervt von der Situation und stehe auf.

Das war lange Zeit in Ordnung. Schob es auf Stress in der Arbeit. Oder eine spannende Idee, die mich beschäftigt. Redete es mir positiv. Irgendwann blickten mich morgens aber nicht nur große Augenringe im Spiegel an, sondern eine kleine kahle Stelle im Haar. Ich schenkte dem Ganzen nicht viel Beachtung. Wird schon wieder. Wurde es aber nicht. Die Stelle wurde größer. Eine zweite Stelle kam dazu. Immer mehr Haare verschwanden. Mittlerweile habe ich eine faustgroße Lücke, die ich nicht mehr verbergen kann. Diagnose: Alopecia Areata. Eine Autoimmunkrankheit. Der eigene Körper fängt an gegen sich selbst vorzugehen.

Allein diese Vorstellung macht mir zu Schaffen. Ja, es sind auch die fehlenden Haare. Der Blick in den Spiegel. Und die Blicke der anderen Menschen. Finger, die auf mich zeigen. Ein Gefühl, das ich so nicht kannte. Ich fühle mich unwohl in meiner eigenen Haut. Bis jetzt konnte man gegen Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper immer etwas tun. Jetzt sagt jeder Arzt das Gleiche: „Sie müssen abwarten“. Schwerelosigkeit. Scham.

Mir nahe Menschen fangen mich auf. Geben mir ein gutes Gefühl. Was bleibt, ist aber das bröckelnde Selbstwertgefühl. Hab ich es mit der Arbeit übertrieben? Schenke ich mir zu wenig Aufmerksamkeit? Achte ich zu wenig auf mich und meinen Körper? Am Ende wird es eine Mischung sein. Genau deshalb beschäftige ich mich gerade sehr viel mit mir und der Traditionellen Chinesischen Medizin. Suche nach Wegen, wie ich wieder ins Gleichgewicht komme. Ernährung, Bewegung, Achtsamkeit.

Vielleicht viel zu lange ignoriert oder zu skeptisch gewesen. Meinen Fokus auf das außen gelenkt. Nach Bestätigung von anderen gesucht, dabei aber meine Bedürfnisse aus dem Blick verloren. Die kleinen Warnzeichen ignoriert. Nun bimmelt der ganze Körper. 🚨

Warum ich das hier öffentlich teile? Weil es auch zu mir gehört. Und weil es vielleicht viel zu lange versteckt wurde. Unsicherheit. Der Vergleich mit anderen und daraus resultierender Druck. Daraus entstehen nicht nur „beeindruckende Lebensläufe“ sondern auch Belastungen. Krankheiten. Darüber reden und diese Einblicke zu teilen – das scheint ein guter Weg. Für mich.

Passt auf euch auf. Hört euch zu. Schenkt euch Zeit. Ich war darin nie wirklich gut. Und muss es nun lernen. Schritt für Schritt. 🤗

Fragmente 😌 Juni 2021

Es ist alles eine Phase…

Alle jungen Eltern. Gefühlt.

Diesen Spruch höre ich oft von befreundeten Eltern, deren Kind die unterschiedlichsten Gefühle durchlebt. Und oft mit der dessen Auseinandersetzung für Fragezeichen sorgt. Momentan frage ich mich, ob diese Betrachtung nicht auch für uns Erwachsene gilt. Schaue ich in mein Tagebuch, so schwanke auch ich gerade stark hin und her. Sonnenschein und Spaziergänge. Projekterfolge. Dann ein Wochenende im Bett, weil mich Fragen, Selbstzweifel oder die Aufgaben der Woche nicht schlafen lassen.

Ertappe mich immer wieder bei der Frage: Wozu? Viele Jahre dachte ich, es geht um das Erfüllen von Aufgaben. In der Schule. Im Studium. Bei der Arbeit. Eine Stufe nach der Anderen. Level für Level. Und mit jeder weiteren Etappe wird mir klar, dass die nächste Etappe bereits verlockend winkt. Aber wozu? Was ist das Ziel? Und viel schlimmer: Was ist, wenn es da kein Ziel gibt? Wenn es gar kein richtig und falsch gibt, wie ich das immer dachte?

Versuche mir das alles über Graustufen näher zu bringen. Es gibt kein gut und schlecht. Aber ganz viel dazwischen. Kann nur einzelne Schritte machen. Und dann in mich hören. Das muss diese Achtsamkeit sein, die viele auf ihre Produkte und Angebote schreiben. Was nicht auf der Verpackung steht: Achtsamkeit bedeutet nicht nur Antworten, die man findet. Oft zeigt sie mir, dass dort Leere ist. Stillstand. Den ich versuche mit all diesen Dingen zu füllen, die ich hier immer wieder teile. Erinnerung: Das ist nicht gut und auch nicht schlecht. Aber es ist ein Mechanismus, den sicher jeder und jede kennt. Nichtstun hat eine negative Konnotation. Außer es passiert auf einer Yogamatte. Oder einem SUP-Board auf der Alster.

Bemerke ich Leere, dann wandert mein Blick zum Smartphone. Oder in meine Aufgabenliste. Ich fülle die Leere. Mit Dingen wie Schokolade. Und bin ich ganz ehrlich, ist die Leere dann zwar stiller – das Gefühl aber nicht gerade besser. Keiner kann und wird mir sagen, was dagegen zu tun ist. Es gibt keine Anleitungen. Keine Best Practices, One Pager oder Frameworks, die mit einem Beispiel und drei Fragen die innere Erleuchtung entzünden.

Und so atme ich durch. Streife durch die Tage. Lasse diese Leere zu. Aushalten. Es ist alles eine Phase. Auf die eine nächste Phase folgt. 😌


Maeckes geht sehr offen mit seinen Phasen um. Nicht nur deswegen ist er einer meiner Lieblingskünstler. Seine Musik zeigt, wie bunt Leben ist. Und wie schmerzhaft, wenn es endet. Schon auf seinem ersten Album KIDS klang ein Verlust heraus. Auf TILT wurde er lauter. Sein neues Album POOL macht den Schmerz für mich als Hörer greifbar. Er verlor seine Freundin. Schon so lange her – doch der Schmerz immer irgendwo dabei. ♠️


Was Ablehnung und das Gefühl der Außenseiterrolle mit einem Menschen machen, kann man gerade im tollen Podcast Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen? hören. Der Radiomoderator Jebsen begeisterte seine Zuhörerinnen und Zuhörer lange Zeit mit seinen mutigen Formaten. Bis sich sein Sender von ihm distanzierte. Und er einen anderen Weg einschlug. Sechs Folgen erzählen seine Veränderung und zeigen auf, was Verschwörungstheorien mit uns machen. Und weshalb wir ihnen genau deshalb neugierig lauschen. 🍕


Diesmal also ein eher persönlicher Eintrag. Warum ich das mache? Weil es mir gut tut diese Gedanken zu ordnen. Und wenn nur eine Person diese Zeilen liest und sich in einem der Gefühle wiederfindet, dann ist das alles was ich mir wünschen kann. Die ganzen strahlenden Fassaden bröckeln. Sie provozieren einen unrealistischen Vergleich. Und ich spiele dieses Spiel zu Teilen mit, wenn ich von Projekten erzähle oder Ausflugsbilder teile. Deshalb ist mir wichtig, die anderen Phasen festzuhalten.

Hazel Brugger und ihr Mann Thomas machen das schon seit langer Zeit auf ihre ganz eigene Art. Ihre Videos von Begegnungen und Reisen sind unaufgeregt ehrlich. Und ihr neuer Podcast folgt dieser Ruhe.

Alles hat seine Seiten. Und es sind mehr als nur zwei. Habt einen schönen Juli und passt auf euch auf 🤗

Fragmente 💉 Mai 2021

Endlich wieder Sonnenbrand im Gesicht. Eis auf der Hand. Und die Erstimpfung im Körper. Es stellt sich Zuversicht ein. Eine Woche Urlaub und Krafttanken. Das Umland von Hamburg entdecken. Mit WeShare oder dem Fahrrad. Letzteres macht mir aber immer wieder Probleme. Entweder schaltet es sich während der Fahrt ab und startet neu. Oder aber die Hinterbremse möchte nicht so wie ich. Verliert ihre Bremskraft. Schleift. Spricht man dann mit Fahrradwerkstätten, so blickt man oft in freundliche aber verneinende Gesichter: Keine guten Erfahrungen bei der Reparatur der Teile und ein sehr langsamer Support. Das musste ich leider auch feststellen. Zwei Wochen lautlos. Aber demnächst soll in Hamburg ein offizieller Partner Store eröffnen. Also abwarten. Die Anfangseuphorie hat sich mittlerweile leider gelegt… 😥


Dafür weckte ein anderes Thema gerade wieder großes Interesse bei mir. Ende 2017 wurde ich von Kollegen bei XING in den Krypto-Strudel gezogen. Doch Unwissenheit und Zögern führte dazu, dass ich mir ordentlich die Finger verbrannte. Mittlerweile kreuzt das Thema immer wieder meinen Weg. Dezentralität für alle(s). Hin zu einem verteilten (vielleicht gerechteren) Internet und Finanzsystem. Das Thema ist so unfassbar komplex, dass ich irgendwann meine Notizen hier veröffentlichen werde. Ist ja alles noch in den Kinderschuhen – und genau das macht es so spannend. So viele neue Themen, in die man sich gräbt. So viel Neuland und Neugierde. Innovation, wie sie nicht spürbarer sein könnte. 💎


Als Innovationsmanager bei brand eins beschäftige ich mich täglich damit, wie man neue Produkte in einer bestehenden Organisation mit ergänzenden Partner:innen entwickelt: Wie muss sich die Kultur verändern und wie bewahrt man die Stärken und Erfolge der letzten Jahre? Dennis Horn beschäftigt sich mit diesen Fragen seit 20 Jahren und ist im Team einer meiner Lieblingspodcasts „Was mit Medien“. Seine eigene Podcastreihe „Innovationstheater“ zeigt konstruktive und reale Beispiele, wie Innovation bereits heute im Medienumfeld gelingt. Große Empfehlung! 📚


Der Innovationskatalysator Corona hat bekanntlich alles einmal durcheinander gewirbelt. Auch die Beziehung zur Freizeit. Homeoffice und Kurzarbeit führten dazu, dass man Normen hinterfragte und auch neue Ansätze probieren konnte. Wo man in kleinen getesteten Gruppen wieder zusammenkommt und über die kommende Form der Zusammenarbeit spricht, kommen unterschiedlichste Optionen auf den Tisch. Persönlich freue ich mich auf mehr Flexibilität. Workshops und Zusammenarbeit vor Ort. Abarbeiten und Denken daheim. Dazwischen flexible Pausen um wieder zu Energie zu gelangen. Und ja, vielleicht auch irgendwann die Reduzierung der Arbeitszeit für Seitenprojekte. 🧳


Apropos Seitenprojekte. Vor einem Jahr mit lautlos.hamburg begonnen und die ersten Schritte Elektromobilität festgehalten. Mittlerweile im Team leider Zeit und Lust verloren. Deshalb findet ihr meine Artikel nun in diesem Blog integriert. Hat Spaß gemacht – aber alles hat seine Zeit.

Dafür habe ich ein altes Projekt aus der Schublade gegraben: #Einweggedanken. Sätze und Geschichten, die ich über die letzten Jahre in mir angestaut haben. Denn zu oft sieht man nur ausgewählte Seiten eines Menschen. Oft diejenigen, auf die man stolz ist. Daneben herrscht aber auch Schmerz, Chaos, Trauer, Kummer. Gehört alles dazu. Und fühlt sich am nächsten Tag wieder komplett anders an. Die Texte sind ebenfalls hier im Blog verstreut. Ausgewählte Bruchstücke gibt es jetzt auf Instagram. 🎉


Es wird also nicht langweilig. Gut so. Dieser Blog hilft mir als kleines Notizbuch. Und auch als Pausetaste – zum Ausspeichern und Reflektieren. Wenn du (wie ich) solche Gedankensammlungen gerne per Newsletter liest, dann ist das nun auch möglich. Einfach unten im Footer eintragen.

Habt einen schönen Juni 🍦

Fragmente 🦸‍♂️ April 2021

Den März hatte ich mit einem Gefühl zusammengefasst: Müdigkeit. Und damit scheine ich nicht alleine zu sein. Es tut verdammt gut, dass wir mittlerweile deutlich ehrlicher über diesen Zustand sprechen. Mit Freunden, aber auch auf der Arbeit. Wo zu oft eine Fassade aufrecht erhalten wird: Wir müssen abliefern und Leistung erbringen. Dafür erhalten wir ein Gehalt. Schwächen zeigen macht angreifbar. Ersetzbar. Auch ich habe lange Zeit nicht begriffen, wieviel Energie dieser Automatismus frisst. Diese Leere am Feierabend – ausgelaugt vom Überspielen.

Mittlerweile habe ich viel mehr Respekt vor Ehrlichkeit im Job. Wenn ich das Gefühl habe, jemand gibt sich Mühe – hat aber wie alle seine bzw. ihre Phasen, in denen es schwer fällt. Ein klarer Weg nicht wirklich erkennbar ist. Dieses Gefühl möchte ich aushalten. Nicht direkt Lösungen und Strategien entwickeln, sondern akzeptieren. Gehört alles dazu. 🤗


Kurt Krömer ist auch nur eine Fassade. Eine Kunstfigur von Alexander Bojcan. Umso schöner finde ich es, wie er in den letzten Folgen von Chez Krömer mich als Zuschauer hinter diese Rolle blicken lässt. Im Gespräch mit Torsten Sträter erzählt er von seiner Depression. Seiner stationären Behandlung in einer Zeit, wo jeder daheim mit sich ringt. Er lässt Nähe zu, konfrontiert dann aber in der nächsten Folge Frauke Petry oder wundert sich über Thomas Hornauer. Ein Wechselbad aus Gefühlen 🙃


Ähnlich wechselhaft erlebte ich Roman „Immer noch wach“ von Fabian Neidhardt. Der Protagonist erhält eine Diagnose. Eine von diesen Diagnosen, die alles verändert. Die in einem Hospiz enden soll. Also den Tod bedeutet. Die Geschichte packte mich von Anbeginn – riss mich durch unterschiedlichste Gefühle. Links. Rechts. Oben. Unten. Kurz grinst man, um nur wenige Seiten später wieder tieftraurig aus dem Fenster zu starren. Ich mag das. Und ich mag Fabian, den ich persönlich kenne. Ich mag die Vorstellung, wie er die Idee nach und nach ausgearbeitet hat. Und nun durfte ich sie für mich entdecken. Sie in meiner Färbung durchleben. ♟


Überhaupt braucht es mehr Geschichten, die uns überfluten. Uns so zwingen darüber nachzudenken, was ein Ereignis mit uns persönlich oder als Gemeinschaft machen würde. Ein Artikel bei 1E9 geht noch einen Schritt weiter und fordert mehr Dystopien. Was wäre, wenn wir viel öfter auch schlimme Szenarien im Kopf, auf dem Bildschirm oder im Theater durchspielen würden? Wenn wir bereits im Vorfeld spüren könnten, was das mit uns machen würde. Eine Art Simulation in unseren Gedanken. Und bestenfalls ein Weckruf, der uns ins Handeln bringt.

„Junge Erwachsene beschrieben, wie das ‚wirklich rebellische Gefühl‘ dystopischer Fiktion sie wütend und bereit zum Handeln machte und ihnen das Gefühl gab, dass auch normale Menschen ‚den Status quo herausfordern‘ und ‚gegen das System rebellieren‘ können“

Calvert W. Jones und Celia Paris 

Keine Dystopien, sondern leider reale Begebenheiten erzählt der Podcast Darknet Diaries. Ich persönlich bin kein großer Fan von True Crime. Möchte nicht ständig von Mord und Habgier lesen oder hören. Anders ist dies bei virtuellen Verbrechen – wer einmal gehackt wurde oder sich sowieso mit der Materie IT beschäftigt, weiß wie schnell Systeme zweckentfremdet werden können. Aber auch ohne direkten Bezug zum Thema sind die Folgen überaus spannend und eindringlich erzählt. Sie zeigen, wie fragil Systeme sind, welchen Wert Daten haben und was Cyberkriminelle antreibt. 👾


Sodela. Geschafft. Wieder ein Monat rum. Wir alle im Wartemodus. Musik macht diesen ein bisschen erträglicher. Trotz Handbremse.

Noch mehr gute Musik? Gibt es in meiner Spotify-Playlist. ✌️