Andreas Spiegler

Schreiben. Stolpern. Schluckauf.

Alles wird gut.

In mir brodelt es. Merke, wie jeder Tag ein Schwanken zwischen Zufriedenheit und Wut ist. Würde gerne anders auf das reagieren, was um uns herum passiert. Anders reagieren auf das, was es mit mir anstellt. Muss es aushalten. Mich dazu zwingen, Dingen aus dem Weg zu gehen. Und akzeptieren, dass ich auch verzweifelt sein darf. Traurig sein muss.

Gehört alles dazu. Gehört alles zu mir. Zu uns.

Ich wär gerne voller Zuversicht.
Jemand, der voll Hoffnung in die Zukunft blickt.
Der es schafft, all das einfach zu ertragen.

Kummer

Fragmente 😌 September 2021

Es ist Feiertag. Draußen rauscht der Wind und drinnen trocknen die Wanderschuhe. Es ist unser erster richtiger Urlaub in diesem Jahr. Zehn Tage Rügen. Verwuschelte Haare. Pommes auf die Hand. Endlich wieder Meer. 🌊

In Hamburg stapeln sich währenddessen die Umzugskartons, denn nach 10 Jahren steht endlich eine Veränderung an. Wir bleiben Hamburg und Eimsbüttel treu – fanden aber ein bisschen mehr Platz. Die Vorfreude steigt genau wie die Nervosität. Aber bis dahin sind es noch ein paar Tage.


Die Ruhe in Rügen tut verdammt gut, waren die letzten Tage doch unfassbar aufregend. Zum ersten Mal durfte ich als Wahlhelfer unterstützen und in den Messehallen Hamburg ein Briefwahlbezirk auszählen. Es fühlte sich ein bisschen wie Klausurenphase in der Schule an. Alle aufgeregt und darauf bedacht, alles richtig zu machen. Ja, es gibt einiges nachzubessern: Wer darf wählen? Wozu alles auf Papier? Ist der Bundestag nicht viel zu groß? Warum wählen Menschen die AfD oder dieBasis? Trotzdem bin ich froh in einer solchen Demokratie zu leben. Und ich bin auch froh, dass die große Koalition ein Ablaufdatum hat. 🚦


Für eine Autoimmunerkrankung wie Alopecia Areata gibt es kein greifbares Ablaufdatum, aber auch hier geschehen kleine Veränderungen. Nach der Einsicht, dass dieser Warnschuss ernstgenommen werden muss, habe ich einige Dinge angestoßen. So war ich die letzten Wochen regelmäßig in einer Praxis für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und bekam einen anderen Blick auf meine Situation: Haare fallen aus, wenn die Körpermitte leidet. Wenn der Körper erschöpft ist und nicht die richtigen Dinge erhält. So änderte sich meine Ernährung (drei warme Mahlzeiten, kaum Süßigkeiten dafür frisches Obst, gedünstetes Gemüse, viel Reis und Getreide anstatt Nudeln, wenig tierische Produkte, Defizite durch Nahrungsergänzung ausgleichen) und Yin Yoga zum Ausgleich nach anstrengenden Tagen. Überhaupt: Bewegung und Natur tun mir verdammt gut!

Eine regelmäßige Akupunktur hilft zudem die Kopfhaut zu durchbluten. Und tatsächlich bilden sich an manchen Stellen wieder neue Haare. Ich bin mitten im Prozess, verliere zum Beispiel gerade eine Augenbraue, aber ich versuche die Phase zu akzeptieren, die verwunderten Blicke zu ignorieren und offen mit dem Thema umzugehen. 👨‍🦲


Offen mit unterschiedlichsten Phasen und Gefühlen umzugehen, das genieße ich bei guten Podcasts. Hazel Brugger spricht mit ihrem Mann Thomas Spitzer in „Nur Verheiratet“ über ihre Beziehung, die Arbeit und ihre Liebe. Sehr ehrlich und liebevoll.

Bei Patreon haben die Beiden bereits seit langer Zeit einen Podcast und teilen dort auch fleißig Videos aus ihrem Leben. Damit sind sie sehr erfolgreich – und können nebenbei die Formate umsetzen, auf die sie Lust haben. Ganz ohne großen Sender im Hintergrund.

So stolperte ich auch über ein Gespräch mit Richard David Precht aus dem September 2020. Die beiden sprechen über nachhaltiges Glück, das nicht ohne Melancholie und Humor entstehen kann. Über die Kunst des Lebens sich beschränken zu können. Und darüber, dass die Digitalisierung sich um das Lösen von Problemen dreht – das Leben aber so nicht funktioniert.

Und wo wir bei Podcasts sind: Richard David Precht spricht mit Markus Lanz. Denkt man, es gibt bereits genug Podcasts, so zeigt auch dieser: Da ist noch verdammt viel Potential für kluge Gespräche. 🎙


Müsste ich Musik für eine einsame Insel auswählen, so wäre Casper auf jeden Fall dabei. Seine Musik begleitet mich bereits viele Jahre – irgendwas zwischen Melancholie, Aufbruch und Adrenalin. Im Februar 2022 kommt sein neues Album. Die erste Single ist bereits veröffentlicht. Gänsehaut.

Wie gut Melodien und Texte die eigene Wirklichkeit begleiten können. Oder Unterschlupf bieten – ein kleines Rettungsboot. Und jedes Boot sieht anders aus. Olli Schulz kennt sich mit Musik (und Booten) aus. Er war für den NDR in Deutschland unterwegs, um Musikgeschmäcker und die Beziehung zu Musik zu dokumentieren: Sounds of Germany. Sehr sehenswert! 🎧


Nicht nur wegen der Bundestagswahl war Twitter in den letzten Monaten das Netzwerk, welches ich sehr intensiv nutze. Ja, ich habe mich schon oft über die Schnelligkeit, den Spott und die Dynamiken aufgeregt. Aber Ausmisten und aktives Blockieren machte daraus einen überraschend-guten Stream. Ich fühle mich wohl in meiner Blase, auch wenn sie mich manchmal schüttelt. Lache über gute Beobachtungen und entdecke spannende Artikel.

Einzig die Masse an Tweets kann überfordern, weshalb ich zukünftig meine persönlichen Twitterperlen des Monats sammeln werde. Als kleine Zugabe.

Habt einen schönen Oktober 🍂 Wir gehen jetzt ans Wasser.

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Ach du schönes Hamburg 🚢

Seit 10 Jahren wohne ich in Hamburg. Ein Schwabe, den es nie in die Hauptstadt zog. Dafür in die Hansestadt. Helm auf, Vollgas, Elbtunnelblick. Noch immer kein großer Fan vom Regen-Grau und Wind, doch sehr dankbar für diese schöne Stadt. Kommt Besuch, führe ich diesen gerne durch die Viertel. Vorbei an bekannten Ecken zu meinen Lieblingsorten. Dabei trage ich immer eine kleine große Liste mit mir herum. Anlässlich meines Hamburg-Jubiläums will ich diese teilen.

Empfehlungen sind immer noch willkommen. Und danke Svenja, Nadine, Johannes, Nicolas und Peter für Tipps & Ergänzungen.

Hamburg 101 – die Standards

Rauf auf die Michaeliskirche („Michel“) und runterschauen. Spazieren an den Landungsbrücken mit Blick auf den Hafen und seine Kräne. Gisbert auf den Ohren. Zu Fuß oder mit dem Rad durch den alten Elbtunnel und auf der anderen Seite mit einer Spezi sitzen und schauen.

Abstecher durch die Speicherstadt. Klinker-Fassaden. Durch die HafenCity rüber zur Elbphilharmonie – einmal auf die Plaza.

Mit dem Rad durch die Altstadt zum Jungfernstieg. Eis in die Hand und auf die Binnenalster schauen. Wer Zeit hat, genießt die Außenalster (7,4km langer Rundweg). Vorsicht vor Fahrrädern und Sportskanonen.

Vor dem Rathaus stehen und staunen. Kann man auch reingehen. Kleiner Abstecher zum Neuen Wall und breite Schränke vor teuren Läden angrinsen. Danach eine kleine Zeitreise ins Gängeviertel.

Zum Schluss durchatmen im Planten un Blomen. Da gibt es neben viel Grün auch Wasserspiele, Schaugewächshäuser, Minigolf und eine Rollschuhbahn. Wer es bunt und dreckig mag, schlendert nochmal über die Reeperbahn, wenn die Sonne untergeht. Gute Nacht.

Blick auf die Binnenalster am Abend

Kleine Ausflüge

Wer Sand unter den Füßen haben möchte, fährt zum Elbstrand. Hin geht es mit der Hafenfähre 62 von den Landungsbrücken bis Övelgönne. Dann einfach am Wasser oder der Promenade entlang. Etwas ruhiger ist es am Rissener Ufer mit Leuchtturm und einem schönen Campingplatz – lecker Pommes und Superhelden. 🦸‍♀️

Verwinkelte Gassen mit Blick auf die Elbe gibt es im Treppenviertel Blankenese. Hirschpark und Süllberg laden zum Durchatmen ein.

Bei spontaner Lust auf Grillen oder Minigolf wird man im Stadtpark glücklich. Ein Naturbad und eine Verleihstation für Boote bringen Abwechslung in sonnige Tage. Regnet es, kann man sich im Planetarium zurücklehnen – hier gibt es neben dem Blick in die Sterne auch vertonte Hörspiele und Musikreisen.

Sind die Beine müde, so setze ich mich in die U3 und fahre im Kreis. Sie fährt durch das schöne Eppendorf, am Stadtpark entlang, über den Osten zum Hafen und der Reeperbahn. Jederzeit kann man rausspringen und auf Entdeckung gehen. Die Runde dauert etwa 40 Minuten.

Lange nicht gekannt, ist der Jenischpark mittlerweile einer meiner Lieblingsorte. Das ehemalige Privatgut (einer sehr reichen Familie) ist zu Teilen Naturschutzgebiet und eine kleine Oase in Hamburg. Ein schönes Café und Museum laden zum Verschnaufen ein.

Wer lieber am Wasser sitzt oder Lust auf einen Sprung in die Elbe hat, schnappt sich das Rad und fährt zur Dove Elbe. Von der Speicherstadt führt der Weg am Kanal entlang – vorbei am Deich und Wasserpark.

Eine Runde mit der U3

Schöne Orte

Der für mich wichtigste Grund in einer Stadt zu wohnen. An jeder Ecke ein neues Café und neue Geschmäcker. Kulinarische Vielfalt. Treffpunkt mit Freunden. Menschen-Beobachtungs-Orte.

Restaurants 🍕

  • Trattoria 500 – ein toller Italiener in St. Pauli.
  • Slim Jims – Pizzabude direkt auf der Sternschanze.
  • O-ren Ishii – Vietnamesische Küche, die immer etwas ausprobiert.
  • Ottos Burger
  • Zum Spätzle – wenn das Heimweh groß ist: Kässpätzle und Maultaschen.
  • Delikatessen des Meeres – toller Mittagstisch bei Lust auf Fisch.
  • Via Vai – Pizza. Pizza. Auf die Hand.
  • Klinker – gehobene Deutsche Küche. Als Tapas.
  • Lawaii Poké Powl
  • Ramen Bar Zipang
  • Leche de Tigre – Cevicheria & Peruanische Küche.
  • Das Peace – Türkische Küche. Ordentlich Fleisch.
  • Corfu Grill – Fleisch. Fleisch. Ouzo.
  • Azeitona – vegane Küche zum Reinlegen.
  • Happenpappen – nochmal vegan. Nochmal lecker.
  • raw like suhsi – Sushi. Überraschung. Probieren viel aus.
  • Ban Canteen – Vietnamesisch. Burger und Bun Bo.
  • Matsumi – Japanische Küche. Sehr authentisch.
  • Maharaja – Indisch. Trubelig. Freundlich.
  • NENI – schöner Laden mit Israelischem Essen & tollem Cheesecake.
  • Karlsons –leckere Köttbullar und Gurkensalat.

Immer wieder neue Tipps teilt DIE ZEIT.

Cafés & Eisdielen 🍦

  • Pastelaria Transmontana – Menschen beobachten und lecker Toast essen.
  • Luicella’s Ice Cream
  • AENDRÈ – nachhaltig und regional. Vegan.
  • Klippkroog
  • Oehlers Eispatisserie – das beste Eis in Hamburg.
  • Elbgold – Startpunkt für jeden Schanzen-Spaziergang.
  • Balz & Balz – Kuchen. Kaffee. Magazine.
  • Lüttliv
  • Entenwerder1 – direkt an der Elbe.
  • Nasch – veganer Kuchen. Und Mittagstisch.
  • Lowinsky’s NY Coffee – lecker Cheesecake.
  • Eclair au café – tolle Französische Bäckerei.
  • Frau Larrson – Schwedische Kuchen.
  • hejpapa
  • Strandperle – Füße im Elbstrand und Weinschorle in der Hand.
  • Milch – beste heiße Schoki.
  • Glück und Selig

Bars & Kneipen 🍺

  • Boilerman Bar – Highballs und Musik. Nicht mehr. Nicht weniger.
  • Drilling – tagsüber Café und abends Bar. Heimat des Clockers Gin.
  • Altes Mädchen – Wer Bier mag, wird es hier lieben.
  • Sofabar – es gibt Sofas und Getränke. Gut oder?
  • Ponybar – direkt im Univiertel. Mit Kicker und kleiner Bühne.
  • Möwe Sturzflug – gute Auswahl an Getränken. Zum Versacken.
  • Saal II – direkt auf dem Schulterblatt und trotzdem charmant.
  • Central Congress – auf den ersten Blick ein Konferenzraum der 70er.
  • Knust – auch ohne Konzerte eine schöne Bar.
  • Berliner Betrüger – laut und lebendig.
  • Aurel – direkt in Ottensen Leute beobachten oder bisschen tanzen.

Ein bisschen Kultur und laute Musik 👩‍🎤

  • Savoy Kino – schönstes Kino in Hamburg. Viele Filme im Original.
  • Deichtorhallen – Kunst und Ausstellungen. Nicht abgehoben.
  • Kampnagel – unterschiedlichste Kultur-Veranstaltungen.
  • Thalia Theater
  • Bucerius Kunstforum – Kunschd.
  • Museum für Kunst und Gewerbe
  • Laeiszhalle – wunderschönes Gebäude. Und gute Veranstaltungen.
  • Bernsteinbar – Rap. RnB. Soul.
  • Molotow – schöne Konzertlocation.
  • Übel&Gefährlich – Lärm im Bunker.
  • Nachtasyl – Theaterbar.
  • Mojo – legendäre Location an der Reeperbahn.
  • Frau Hedi – schwimmendes Tanzkaffee.
  • Prinzenbar – Indie, Rock und Techno.
Klein und Groß auf der Sternschanze

Zugabe für ein Lächeln im Gesicht

Nicht alles lässt sich in Schubladen einordnen. Macht das Leben in Hamburg aber nochmal ein Stückchen schöner:

Mit gebrannten Mandeln über den DOM spazieren. Vorbei am Autoscooter und den Banden aus der Vorstadt.

Tanzen auf dem Dockville. Egal ob große Bühne, unter Bäumen oder vor dem easy Kisi.

Mit dem Kanu oder Tretboot durch die Alsterkanäle.

Die Zeit der Kirschblüte an der Alster. Entweder am Ufer oder vom Wasser.

Spezi und Pommes am Altonaer Balkon mit Blick über den Hafen.

Auch wenn ich kein großer Fan der Reeperbahn bin – das Reeperbahn Festival treibt mich auch auf die sündige Meile. Überall Musik und Essen. Was will man mehr? ❤️

Durchatmen im Stadtpark

Du bist auf der Suche nach Empfehlungen? Geheimtipp Hamburg, Mit Vergnügen Hamburg und kiekmo versorgen dich mit Nachschub, sobald meine Liste abgearbeitet ist. Viel Spaß in Hamburg ✌️

Fragmente 👨‍🦲 Juli 2021

Ich war noch nie ein Morgenmensch. Bin lieber bis in die Nacht wach. Lichter in Altbauwohnungen. Kopfhörer auf. Mich in Themen graben und irgendwann ins Bett kriechen. In den letzten 1,5 Jahren hat sich das leider verändert. Denn ich werde regelmäßig zwischen 4 und 5 Uhr wach. Liege dann (mit viel zu wenig Schlaf) hellwach im Bett. Schaue an die Decke. Werde irgendwann genervt von der Situation und stehe auf.

Das war lange Zeit in Ordnung. Schob es auf Stress in der Arbeit. Oder eine spannende Idee, die mich beschäftigt. Redete es mir positiv. Irgendwann blickten mich morgens aber nicht nur große Augenringe im Spiegel an, sondern eine kleine kahle Stelle im Haar. Ich schenkte dem Ganzen nicht viel Beachtung. Wird schon wieder. Wurde es aber nicht. Die Stelle wurde größer. Eine zweite Stelle kam dazu. Immer mehr Haare verschwanden. Mittlerweile habe ich eine faustgroße Lücke, die ich nicht mehr verbergen kann. Diagnose: Alopecia Areata. Eine Autoimmunkrankheit. Der eigene Körper fängt an gegen sich selbst vorzugehen.

Allein diese Vorstellung macht mir zu Schaffen. Ja, es sind auch die fehlenden Haare. Der Blick in den Spiegel. Und die Blicke der anderen Menschen. Finger, die auf mich zeigen. Ein Gefühl, das ich so nicht kannte. Ich fühle mich unwohl in meiner eigenen Haut. Bis jetzt konnte man gegen Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper immer etwas tun. Jetzt sagt jeder Arzt das Gleiche: „Sie müssen abwarten“. Schwerelosigkeit. Scham.

Mir nahe Menschen fangen mich auf. Geben mir ein gutes Gefühl. Was bleibt, ist aber das bröckelnde Selbstwertgefühl. Hab ich es mit der Arbeit übertrieben? Schenke ich mir zu wenig Aufmerksamkeit? Achte ich zu wenig auf mich und meinen Körper? Am Ende wird es eine Mischung sein. Genau deshalb beschäftige ich mich gerade sehr viel mit mir und der Traditionellen Chinesischen Medizin. Suche nach Wegen, wie ich wieder ins Gleichgewicht komme. Ernährung, Bewegung, Achtsamkeit.

Vielleicht viel zu lange ignoriert oder zu skeptisch gewesen. Meinen Fokus auf das außen gelenkt. Nach Bestätigung von anderen gesucht, dabei aber meine Bedürfnisse aus dem Blick verloren. Die kleinen Warnzeichen ignoriert. Nun bimmelt der ganze Körper. 🚨

Warum ich das hier öffentlich teile? Weil es auch zu mir gehört. Und weil es vielleicht viel zu lange versteckt wurde. Unsicherheit. Der Vergleich mit anderen und daraus resultierender Druck. Daraus entstehen nicht nur „beeindruckende Lebensläufe“ sondern auch Belastungen. Krankheiten. Darüber reden und diese Einblicke zu teilen – das scheint ein guter Weg. Für mich.

Passt auf euch auf. Hört euch zu. Schenkt euch Zeit. Ich war darin nie wirklich gut. Und muss es nun lernen. Schritt für Schritt. 🤗

Fragmente 😌 Juni 2021

Es ist alles eine Phase…

Alle jungen Eltern. Gefühlt.

Diesen Spruch höre ich oft von befreundeten Eltern, deren Kind die unterschiedlichsten Gefühle durchlebt. Und oft mit der dessen Auseinandersetzung für Fragezeichen sorgt. Momentan frage ich mich, ob diese Betrachtung nicht auch für uns Erwachsene gilt. Schaue ich in mein Tagebuch, so schwanke auch ich gerade stark hin und her. Sonnenschein und Spaziergänge. Projekterfolge. Dann ein Wochenende im Bett, weil mich Fragen, Selbstzweifel oder die Aufgaben der Woche nicht schlafen lassen.

Ertappe mich immer wieder bei der Frage: Wozu? Viele Jahre dachte ich, es geht um das Erfüllen von Aufgaben. In der Schule. Im Studium. Bei der Arbeit. Eine Stufe nach der Anderen. Level für Level. Und mit jeder weiteren Etappe wird mir klar, dass die nächste Etappe bereits verlockend winkt. Aber wozu? Was ist das Ziel? Und viel schlimmer: Was ist, wenn es da kein Ziel gibt? Wenn es gar kein richtig und falsch gibt, wie ich das immer dachte?

Versuche mir das alles über Graustufen näher zu bringen. Es gibt kein gut und schlecht. Aber ganz viel dazwischen. Kann nur einzelne Schritte machen. Und dann in mich hören. Das muss diese Achtsamkeit sein, die viele auf ihre Produkte und Angebote schreiben. Was nicht auf der Verpackung steht: Achtsamkeit bedeutet nicht nur Antworten, die man findet. Oft zeigt sie mir, dass dort Leere ist. Stillstand. Den ich versuche mit all diesen Dingen zu füllen, die ich hier immer wieder teile. Erinnerung: Das ist nicht gut und auch nicht schlecht. Aber es ist ein Mechanismus, den sicher jeder und jede kennt. Nichtstun hat eine negative Konnotation. Außer es passiert auf einer Yogamatte. Oder einem SUP-Board auf der Alster.

Bemerke ich Leere, dann wandert mein Blick zum Smartphone. Oder in meine Aufgabenliste. Ich fülle die Leere. Mit Dingen wie Schokolade. Und bin ich ganz ehrlich, ist die Leere dann zwar stiller – das Gefühl aber nicht gerade besser. Keiner kann und wird mir sagen, was dagegen zu tun ist. Es gibt keine Anleitungen. Keine Best Practices, One Pager oder Frameworks, die mit einem Beispiel und drei Fragen die innere Erleuchtung entzünden.

Und so atme ich durch. Streife durch die Tage. Lasse diese Leere zu. Aushalten. Es ist alles eine Phase. Auf die eine nächste Phase folgt. 😌


Maeckes geht sehr offen mit seinen Phasen um. Nicht nur deswegen ist er einer meiner Lieblingskünstler. Seine Musik zeigt, wie bunt Leben ist. Und wie schmerzhaft, wenn es endet. Schon auf seinem ersten Album KIDS klang ein Verlust heraus. Auf TILT wurde er lauter. Sein neues Album POOL macht den Schmerz für mich als Hörer greifbar. Er verlor seine Freundin. Schon so lange her – doch der Schmerz immer irgendwo dabei. ♠️


Was Ablehnung und das Gefühl der Außenseiterrolle mit einem Menschen machen, kann man gerade im tollen Podcast Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen? hören. Der Radiomoderator Jebsen begeisterte seine Zuhörerinnen und Zuhörer lange Zeit mit seinen mutigen Formaten. Bis sich sein Sender von ihm distanzierte. Und er einen anderen Weg einschlug. Sechs Folgen erzählen seine Veränderung und zeigen auf, was Verschwörungstheorien mit uns machen. Und weshalb wir ihnen genau deshalb neugierig lauschen. 🍕


Diesmal also ein eher persönlicher Eintrag. Warum ich das mache? Weil es mir gut tut diese Gedanken zu ordnen. Und wenn nur eine Person diese Zeilen liest und sich in einem der Gefühle wiederfindet, dann ist das alles was ich mir wünschen kann. Die ganzen strahlenden Fassaden bröckeln. Sie provozieren einen unrealistischen Vergleich. Und ich spiele dieses Spiel zu Teilen mit, wenn ich von Projekten erzähle oder Ausflugsbilder teile. Deshalb ist mir wichtig, die anderen Phasen festzuhalten.

Hazel Brugger und ihr Mann Thomas machen das schon seit langer Zeit auf ihre ganz eigene Art. Ihre Videos von Begegnungen und Reisen sind unaufgeregt ehrlich. Und ihr neuer Podcast folgt dieser Ruhe.

Alles hat seine Seiten. Und es sind mehr als nur zwei. Habt einen schönen Juli und passt auf euch auf 🤗