Schreiben. Stolpern. Schluckauf.

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Menschen brauchen Gemeinschaften

Wie Medienmarken geschützte Räume gestalten können

Als wir zu Beginn der Corona-Pandemie mit den Nutzerinnen und Nutzern von brand eins sprachen, lernte ich von einem wachsenden Wunsch: Die Suche nach Gleichgesinnten und geschützten Räumen. In einer solchen Krise braucht es weniger neue Inhalte und Formate, sondern mehr Dialog. Eine Gemeinschaft, die moderiert miteinander wächst.

Und so begann ich mich damit zu beschäftigen, wie Medienmarken geschützte Räume gestalten können.

Dieser Artikel sammelt Gedanken und Beispiele, die ich bei meinem Impulsvortrag für nextMedia.Live vorgestellt habe.

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5 schöne Dinge

Über Fabian bin ich auf ein „Spiel“ gestoßen – ein „Stöckchen“ sagte man früher™ in der Blogosphäre. Fünf schöne Dinge. Weil wir uns viel zu selten bewusst werden, was gut ist. Und gut tut.

Hier folgen fünf schöne Dinge, ungeordnet:

  1. Radfahren. Als Kind bin ich jede Straße im Dorf abgefahren. Mit dem Mountainbike durch die Wälder. Heute lautlos durch die Straßen Hamburgs – mit der selben Neugierde. Beobachte Menschen. Entdecke Straßenzüge und vervollständige die Karte im Kopf. Das sind Momente, an denen ich nicht viel nachdenke. Mich nur aufs Rollen konzentriere.
  2. Natur. Alleine oder mit Lieblingsmenschen. Durch Wälder spazieren oder am Wasser entlang. Feldwege im Nirgendwo. Die Sonne im Gesicht, frische Luft, querfeldein. Mag Hawaii oder die Ostalb. Hauptsache raus.
  3. Musik. Begleitet mich in jeder Situation. Wenn ich gut gelaunt durch die Stadt spaziere oder am Schreibtisch sitze. In der Dusche. Beim Kochen. Meist deutschsprachiger Hip Hop wie Fatoni, Maeckes und Chefket. Aber auch Bosse, Von Wegen Lisbeth oder Bilderbuch. Musik gibt mir Halt und Orientierung. Schenkt mir ein Grinsen im Gesicht.
  4. Schokolade. Geht immer. Als Belohnung, zur Motivation oder als Stimmungsaufheller. M&M’s machen die Finger bunt. Ritter Sport, die man sich schön einteilen kann und doch am Stück verdrückt. Oreo – ohne Aufdrehen und Milch. Manche definieren Schokolade an Hand vom Kakaogehalt. Da bin ich eher Kind geblieben: Hauptsache süß.
  5. Rumalbern. Meist über flache Witze und Belanglosigkeiten. Aus der Situation gegriffen. Lautes Lachen bis der Schluckauf kommt.

Und du so?

Lautlos durch Hamburg

Seit ich mit meinem Umzug nach Hamburg den geliebten Audi 80 verkauft habe, genieße ich den Luxus einer Großstadt und seiner unterschiedlichen Mobilitätskonzepte. Der Hamburger Verkehrsbund (HVV) stellt die Grundausstattung mit U-Bahn, S-Bahn und Bus – aber Anbieter wie mytaxi und car2go schenkten völlig neue Freiheiten. Plötzlich fuhr ich die Strecke zum Badminton mit einem Smart, holte mir ein Stadtrad für die Fahrt zum anschließenden Grillen und das Taxi nach Hause wurde per App bestellt. Elektro-Scooter stehen (und liegen) mittlerweile an jeder Ecke, Autos hängen an der Steckdose und mein neues Fahrrad beschleunigt per Knopfdruck auf 25 km/h. Ich finde das grandios 🙌

Deshalb war die Zeit gekommen für ein neues Nebenprojekt. Gemeinsam mit zwei Freunden haben wir lautlos.hamburg gestartet. Wir schreiben über unterschiedlichste Mobilitätsformen und wie es sich anfühlt mit E-Auto, E-Roller und E-Bike in Hamburg unterwegs zu sein. So erzähle ich über meine sich ändernde Haltung zu E-Bikes, wie vielfältig der Markt für E-Bikes ist und wie sich die Probefahrt mit dem VanMoof S3 anfühlte.

Unser neues Projekt lautlos.hamburg

Ich liebe solche Projekte. Sie starten mit einer Idee und einem Thema, das man durchdringen möchte. Und dann beginnt man einfach. Beim Hosting haben wir uns für Uberspace entschieden – einem Hoster, der ohne viel Schnickschnack einen Server mit vollem SSH-Zugang anbietet. Der Preis ist frei wählbar und die Dokumentation umfangreich – was für Boris ein Traum war. Beim CMS entschieden wir uns absichtlich gegen WordPress und für Ghost. Die Performance überzeugte uns, denn das System konzentriert sich auf den Kern: Inhalte und das Ausspielen an Nutzer:innen. Kein umständliches Konfigurieren von Plugins, dafür praktische Integrationen für wichtige Dienste wie Unsplash, Buffer oder Google Analytics.

Wir bauten ein eigenes Theme. Stürzten uns ins Schreiben und Gestalten. Und sind seit dem 10. Juli online 🥳 Ein bisschen erinnert mich der Prozess an noRECESS – eine Schülerzeitung, die ich vor 18 Jahren digital publizierte. Nur hat man mittlerweile so viel dazu gelernt. Und es hat sich so viel verändert. Der Spaß ist aber geblieben. Internet und Blogs 💙

Mein schmerzhafter Vergleich mit Fynn Kliemann

Ich besitze kein Haus. Habe keine eigene Firma. Kann auf dem Klavier nicht mehr als einen Flohwalzer. Singen eher so mittel. Handwerken wenn es muss. Vergleiche ich mich mit Fynn Kliemann, so könnte man denken: Da geht noch mehr. Ich kenne ihn leider nicht persönlich – nur seine Videos, Musik und Fragmente im Netz. Eines Tages stolperte ich über ihn, während er über eine Mauer stolperte. Auf seine ganz eigene Art baut er Dinge. Im Haus. Im Web. Anderswo. Probiert rum. Regt sich auf. Flucht. Genau wie ich. Vielleicht öfter. Er macht einfach.

Ehrlich beschreibt seine Kunst für mich am ehesten. Verfolgt man ihn auf den sozialen Medien, so wird man von seiner Neugierde angesteckt. Warum nicht mal einen Hof mit unterschiedlichsten Menschen füllen? Ein Album selbst produzieren, weil der normale Weg nicht geht oder sich falsch anfühlt? Wieso eigentlich nicht?

Gebe alles, was ich hab‘ für alles, was ich will. Ich will ’ne ganze Menge, also geb‘ ich ganz schön viel.

Alles was ich hab

Mittlerweile arbeitet Fynn Kliemann am zweiten Album. Hat ein Mode– und ein Platten-Label. Er ist der größte Produzent von Masken. Und Webseiten baut er weiterhin. Gerade lief seine erste Dokumentation, die während der Produktion des ersten Albums entstand. Hab sie mir angeschaut und 80 Minuten mit mir selbst gerungen. Ich merke, wie ein Gefühl von Neid in mir aufsteigt. Warum kann ich das alles nicht? Warum bin ich nicht so produktiv wie er? So erfolgreich und voller Energie?

Dieser Vergleich tut weh. Er passiert ständig. Kann ihn nur schwer verstummen lassen. Fange an, mich innerlich zu rechtfertigen. Entschuldigungen für etwas zu suchen, das mir nie vorgeworfen wurde. Sinn macht das keinen. Aber das ist meinem Kopf egal. Treibt mich an manchen Tagen an. Und zieht mich an anderen Tagen wieder runter.

Dieser Blog war für mich schon immer ein Raum zum Ausspeichern. Loswerden. Eine Projektionsfläche um zu verstehen, was mich bewegt. Eine Art Abbild von dem, was mich ausmacht. Vielleicht macht Fynn Kliemann nichts Anderes mit seiner Kunst. Seinen Projekten. Er versucht seinen Platz zu finden. Und vielleicht geht das nicht ohne Vergleich – auch wenn es wehtut?

Fynn Kliemann: Der Typ von nebenan
Fynn Kliemann

Raus aus den Streams

Ich bin müde geworden. Wo ich mich früher™ noch mit strahlenden Augen durch RSS-Feeds oder den Pownce-Stream gegraben habe, fühlen sich Streams heute nur noch langweilig an. Egal auf welcher Plattform. Noch nie bin ich so vielen Menschen gefolgt, die so spannende Berufe haben und dennoch alle das Gleiche teilen: Die selben Artikel, die gleiche Kritik, ähnliche Empfehlungen und Bilder, die alle an den selben Orten aufgenommen wurden. Ich bin nicht anders. Mein Instagram-Stream zeigt Sonnenuntergänge. Auf LinkedIn teile ich Artikel, die mich strukturiert wirken lassen – auch wenn mein Alltag teilweise ganz schön planlos verläuft. Und auf Facebook finde ich mehr Veranstaltungen interessant als es Tage gibt, an denen ich die Wohnung verlassen werde.

Digitale Inhalte verschwimmen und zerlaufen und sind zu sehr angereichert mit Irrelevantem. Das Dilemma ist, dass man nur durch Quantität an der Oberfläche bleibt, und da ist Überflüssigkeit folglich vorprogrammiert.

Vorbei die Zeit, in der ich lange Blogartikel lese und darüber Menschen kennenlerne. Mich selbst ein bisschen besser verstehe und das schöne Gefühl empfinde, nicht alleine zu sein. Heute lerne ich nur noch wenig dazu. Werde selten überrascht. Die meisten Einblicke sind geschönt. Alles wird professionalisiert. Und dadurch so unfassbar öde.

Die praktischen Vorteile sind allerdings nahezu verpufft. Keine neuen Freunde, keine neuen Einblicke auf ganz andere Bereiche der Welt. Nur anhaltend mehr vom gleichen. Zumindest in Relation zum Aufwand und den negativen Aspekten des Always-On-Lifestyles.

Jetzt könnte man denken: Das ist doch super 🙌 Endlich Zeit für sinnvolle Dinge. Doch leider verbringe ich weiterhin viel zu viel Zeit in diesen Streams. Lasse mich treiben. Völlig anteilnahmslos. Das macht mich langsam wütend. Wo sind die Orte, an denen man wieder überrascht wird? Wo lernt man Menschen kennen, die auch mal über ihre Ängste sprechen und ihre Gedanken teilen? Und dafür keinen eigenen Podcast produzieren und 90-Minuten-Monologe führen…

Bin offen für jeden Hinweis. Und bis dahin denke ich ernsthaft darüber nach, mich aus den ganzen Streams zurück zu ziehen. Und eine gehörige Portion Schlaf nachzuholen. Nachdem ich diesen Blogbeitrag in allen Streams geteilt habe. 😶