Andreas Spiegler

Schreiben. Stolpern. Schluckauf.

Fragmente 🪷 Januar 2023

Bei gefühlten 20 Grad stehe ich am ersten Tag des Jahres in Stuttgart, blicke über die Kanten des Kessels und freue mich auf dieses Jahr. Es fühlt sich an wie ein Neuanfang. Genau wie vor 15 Jahren, als ich aus dem Kinderzimmer zum Studium in den Stuttgarter Westen gezogen bin.

Der Hauptgrund für dieses Gefühl ist mein Wechsel in die Selbstständigkeit. Jetzt bin ich mein eigener Chef und muss jeden Tag für mich selbst entscheiden: investiere ich noch eine Stunde in ein mögliches Projekt, nutze die Lücke zur Weiterbildung oder doch für einen Spaziergang durch die Kleingärten? So sehr ich diese Freiheit genieße, manchmal fühle ich mich unsicher. Irgendwie allein. Kann nicht genau vorhersagen, welche die richtige Entscheidung ist. Und das ist wohl völlig normal. Jedenfalls erzählen mir das befreundete Selbstständige. Ich mag diese Freiheiten, auch wenn mir noch ein Raum zum Teilen dieser Gefühle fehlt.

Aus diesem Grund werde ich auch an dieser Stelle immer wieder Momentaufnahmen teilen. Sei es von Projekten oder neuen Erfahrungen. Oder einfach meinem Setup, denn das habe ich nun in einer ersten Version für mich gefunden. Wie so oft: Es ist ein Arbeitsstand und befindet sich im Fluss. Manchmal ändern sich Anforderungen und mit ihnen auch die Tools.

Mein digitaler Mittelpunkt in Form von Mails, Kalender und Dateiablage lebt bei Google Workspace. Die Anwendungen kenne ich seit vielen Jahren, sie sind gut miteinander verknüpft und leben im Browser, wo ich sowieso den ganzen Tag verbringe. Einzig mit Google Meet bin ich immer wieder unzufrieden – für Workshops fehlen Funktionen und die Videoqualität scheint auch tagesabhängig zu sein. Deshalb kommt hier Zoom zum Einsatz.

Um einfach und schnell Termine vereinbaren zu können, habe ich cal.com im Einsatz. Das erspart mühsame Mail-Dialoge mit Kundinnen oder Bekannten. Egal ob kurzes Meeting oder ein gemeinsames Mittagessen.

Für die kreative Arbeit in Form von Prototypen, Mockups oder Skizzen nutze ich Figma. Auch FigJam hat mich überzeugt und wird für Workshops und Mindmapping eingesetzt.

Konzepte, Gedanken und Notizen landen aktuell noch in Notion. Hier läuft aber gerade ein Parallelversuch mit Obsidian und der Zettelkasten-Methode – nach dem Vorbild von Niklas Luhmann. Ich bin nämlich auf der Suche nach einem System, mit dem sich das Gelesene und das Gedachte besser in Beziehung setzen lassen. Aber dazu ein andermal mehr…

Meine Aufgaben laufen in Asana zusammen. Vielleicht etwas zu mächtig für mich und meine Verhältnisse, aber ich habe mich in den letzten Jahren so daran gewöhnt, dass ich es nicht mehr missen möchte. Ein kurzer Ausflug zu Todoist war deshalb auch schnell wieder vorbei.

Meine Nachrichten und Newsletter konsumiere ich weiter über Reeder, der an Feedbin angebunden ist. Dieser Dienst erlaubt das Abonnieren von RSS-Feeds, aber auch Twitter- und YouTube-Kanälen. Zudem werden auch alle Newsletter dort eingespeist. So bleibt mein E-Mail-Postfach übersichtlich und ich kann dediziert Zeit für den Konsum der Inhalte einplanen.

Am Mac nutze ich Raycast wohl am häufigsten. Sei es, um Dateien zu finden, Aufgaben jederzeit anzulegen, Umrechnungen durchzuführen oder meine Notizen zu durchsuchen. Und ständig entdecke ich neue Erweiterungen, die meine Arbeit vereinfachen.

Für die Zeiterfassung verwende ich aktuell Tyme, eine schön gestaltete Anwendung direkt aus Hamburg. Sie gibt mir einen Überblick über alle Projekte, erlaubt den direkten Export von Stundenzetteln und ist nicht so überladen wie andere Angebote.

Mein Geschäftskonto liegt bei Kontist, die sich auch um meine Buchhaltung und Steuern kümmern. Das klappt sehr gut, denn alles wird bequem über die App geregelt. Fragen laufen über einen Chat und ich muss mich nicht mit Anfängerproblemen herumschlagen.

Da fast alle meine Projekte inzwischen remote sind, arbeite ich oft aus dem Arbeitszimmer. Oder ich fahre ins betahaus Schanze, wo ich gerne mit Menschen ins Gespräch komme oder ständig die Arbeitsumgebung wechseln kann. Es fehlt an ruhigen Ecken für Workshops und Meetings, aber das geht auch bequem von daheim.

So sieht mein aktuelles Setup aus. Jedenfalls heute. Ich probiere viel zu gerne neue Dinge aus, weshalb es bestimmt einige Veränderungen in den nächsten Monaten geben wird. So habe ich gerade erst das wichtigste Tool ausgewechselt: Arc ist mein neuer Browser.


Egal ob Recherche, Konzepterarbeitung oder Workshops – sie alle laufen mittlerweile über Webanwendungen. Das ist eine wahnsinnige Entwicklung, wenn ich mir meine ersten Webseiten aus dem Jahr 2000 zwischendurch anschaue. Der Browser hat sich in dieser Zeit oberflächlich recht wenig verändert. Suchleiste, Lesezeichen und immer mehr Erweiterungen. The Browser Company möchte dies ändern und hat Arc entwickelt. Seit mehreren Monaten hat dieser bei mir Google Chrome ersetzt.

Doch was macht diesen Browser besser? Das Interface ist klug aufgebaut, denn es platziert die offenen Tabs am linken Rand. Sie verhalten sich dabei wie Lesezeichen, lassen sich umbenennen und in Gruppen sortieren. So habe ich eine private und eine berufliche Umgebung. Wird ein offener Tab über längere Zeit (bei mir 24 Stunden) nicht verwendet, so wird er archiviert. Das sorgt für Übersichtlichkeit. Außerdem lassen sich Seiten parallel im Split View anschauen, was ideal für Research-Phasen oder während Web-Konferenzen ist. Das Design ist schick und dennoch verspielt, der Fullscreen-Modus blendet alle Bedienelemente aus und es lässt sich jede Chrome-Erweiterung verwenden. Außerdem: Es gibt einen tollen Miniplayer, der Videos auch auf anderen Tabs oder sogar anderen Mac-Anwendungen anzeigt.

Völlig neuartig sind Boost und Easel. Bei einem Boost handelt es sich um eine Veränderung an einer Seite. So kann ich z.B. auf jeder Seite Objekte entfernen, Schriften verändern oder Reihenfolgen verschieben. Das klappt ganz ohne Programmierkenntnisse und wird sicher in Zukunft noch prominenter zugänglich gemacht – vielleicht über eine Art Store. Ein Easel hingegen ist eine Art Whiteboard, auf dem sich Webseiten und Ausschnitte platzieren lassen. So kann die Suche nach Ferienwohnungen oder die nächste Einkaufsliste visuell passieren und einfach geteilt werden.

So fühlt sich das Internet irgendwie frisch an. Es macht wieder richtig Spaß, die ganzen kleinen Details zu entdecken (wie zum Beispiel clevere Tastenkombinationen, die eine URL direkt kopieren). Falls du Arc testen möchtest – ich habe noch ein paar Einladungen. ✌️


Es passiert leider immer noch, dass mich Menschen fragen: Was machst du eigentlich beruflich? Das Schöne an dieser Frage ist, dass sie mir die Freiheit gibt, meinen Job zu beschreiben. Schwieriger wird es, wenn man mit einem festen Bild konfrontiert wird.

Auf LinkedIn und Twitter sehe ich immer wieder Memes, die sich über die Aufgabe eines Produktmanagers amüsieren. Er oder sie aktualisiert Excel-Tabellen und hält das Team mit sinnlosen Meetings von der eigentlichen Arbeit ab. Teilweise wird man auch direkt per Mail angefragt: „Wir brauchen jemanden, der unseren Backlog pflegt.“

Das ist aber nur eine der Kernaufgabe eines Produktmanagers. Für mich deuten diese Ansichten darauf hin, dass ein Team kein Produkt baut, sondern Features kloppt. Und oft kommen die Ideen für diese aus dem Management. Ich würde behaupten, dieses Vorgehen macht weder die Kundinnen glücklich, noch das Team.

Vielmehr bin ich davon überzeugt, dass ein Team selbstbestimmt Produkte entwickeln sollte. Das braucht eine nachvollziehbare Strategie und ein gemeinsames Verständnis über den Markt, den Wettbewerb und vor allem die Nutzerinnen und Käufer. Nur dann kann gemeinsam an Lösungsansätze gearbeitet werden.

Während also Entwicklerinnen sicherstellen, dass ein Produkt realisierbar ist, verantworten die Designer die Produkterfahrung. Und der Produktmanager bzw. die Produktmanagerin? Sie stellen sicher, dass alle im Team das notwendige Wissen haben und sie den Rückhalt von der Geschäftsleitung erfahren. Am Ende verantwortet ein Produktmanager den Wert des Produktes – sowohl für die Endkunden als auch das Unternehmen.

Das mache ich, liebe Menschen im Internet und liebe Familie. 🙃

P.S.: Den Backlog kann bestenfalls jeder im Produktteam pflegen, wenn man sowieso gemeinsam an einer Lösung baut. Natürlich kann ich diese Aufgabe übernehmen. Aber für gutes Produktmanagement braucht es noch andere Fertigkeiten. Ravi Metha hat sie aufgelistet. 💼


📚 Der Gesang der Flusskrebse erzählt die Geschichte von Kya Clark, dem Marschmädchen. Sie lebt außerhalb und ausgegrenzt. Und trotzdem arrangiert sie sich mit diesem Leben. Bis sie plötzlich Hauptverdächtige in einem Mordfall wird. Ich kam erst nicht richtig in die Geschichte, doch irgendwann vereinnahmte mich die Stimmung. Die Beschreibungen der Natur und den Kampf, welchen Kya mit sich selbst führt. Für mich kein Meisterwerk (obwohl es oft so genannt wird), aber eine dramatische und bedrückend intensive Erzählung.

📨 Chain of Thought ist ein Newsletter, der von every-Autor Dan Shipper veröffentlicht wird. Er setzt sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen auf unterschiedlichste Bereiche unseres Lebens auseinander. So trainiert er GPT-3 mit seinem Tagebuch oder seinem Lieblingspodcast.

🍿 The White Lotus ist eine dieser Serien, die mich sofort mit ihrem Humor und den Protagonisten begeisterte. Die Serie spielt mit jeder Staffel in einem anderen Resort, wo sich fremde Menschen begegnen, verlieben, töten. Es macht großen Spaß beim Kippen der Stimmung zuzuschauen. Eine tolle Serie!

🍿 Triangle of Sadness ist ebenfalls eine schwarze Komödie, aber ganz anders aufgebaut. Sie erzählt vom Leben der Reichen und Schönen. Wie sie auf einem Luxusschiff mit den Angestellten umspringen. Und was passiert, wenn diese plötzlich ihre einzige Rettung sind. An manchen Stellen sehr derbe und plakativ – ich mochte den Film dennoch.

🎧 Teurer Wohnen beschäftigt sich mit dem Wohnungsmarkt in Deutschland. In sieben Folgen geht es den Fragen nach, warum bezahlbarer Wohnraum so selten geworden ist und wieso das System trotzdem für einige Menschen funktioniert. Interessanter Podcast von detektor.fm, die ebenfalls den brand eins Podcast produzieren.


Ihr merkt, diesmal war ich in Schreiblaune. Danke, dass du meine Fragmente liest. 🤗

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Rückblick. 2022.

Das Jahr begann mit dem Vorsatz endlich auszumisten. War zu müde von den ganzen Diskussionen und brauchte Abgrenzung. Wollte Schlachtfelder hinter mir lassen und akzeptieren, dass ich nicht alles in mir aufsaugen kann. Doch leider hatte auch dieses Jahr einen anderen Plan.

Es sollte ein Jahr der Eskalationen werden. Die Natur gibt uns zu spüren, dass es so nicht weitergehen kann. Waldbrände in Europa. Schneestürme in den USA. Hungersnot in Afrika. Die Wissenschaft warnt seit Jahren, aber der Veränderungswille in allen Schichten scheint spärlich. Zu komplex die Herausforderung. Zu unübersichtlich die Abhängigkeiten von politischen Handlungsfeldern und gesellschaftlichen Faktoren. Ein Gefühl der ständigen Überforderung – verstärkt durch einen Kriegsverbrecher, der die Ukraine überfallen hat und täglich die Ängste der Menschen in Europa schürt. Tote Zivilisten und Soldaten, eine Energiekrise und erneut Flüchtende auf der Suche nach Sicherheit. Während im Iran unter Lebensgefahr für grundlegende Frauenrechte gekämpft werden muss. Es scheint, als hält die Vergangenheit an ihrem Einfluss und Status fest: „Halt stopp! Das bleibt alles so, wie es hier ist!“ Wir müssen uns aber verändern, auch wenn das ein Ende von Sicherheit und Wohlstand im Jetzt bedeutet. Denn einfach Weitermachen wie bisher ist keine Option mehr.

Das macht (auch mir) Angst. Und kostet Kraft. Weshalb es für mich in diesem Jahr um das Finden von Gleichgewicht ging. Hab mich tief in Themen eingearbeitet, um mich dann bewusst auch wieder zu lösen. Wie bei einem Sommerregen. Ein bewusstes Wechselspiel, bei dem ich immer wieder Halt in kleinen Momenten suchte. Ob morgens auf dem Tennisplatz, mittags auf dem Rad oder abends am Kanal mit Blick ins Grüne. Merke, wie mein Körper langsam wieder zu sich findet. Meine Haare kommen zurück und mein Schlaf normalisiert sich – Schritt für Schritt für Schritt. 💪

Durchatmen im Niendorfer Gehege

Ich war das vergangene Jahr viel unterwegs. Stand am Strand der Flensburger Förde, stolperte durch Südkorea und schlemmte in Wien. Konnte mit Svenja endlich wieder Kultur aufsaugen: singend bei Maeckes und Danger Dan, staunend in der Elbphilharmonie und Laeiszhalle, aber auch fasziniert im Theater bei Harry Potter und den Drei Fragezeichen. Es brauchte aber nicht immer große Bühnen und Publikum, denn mit lieben Menschen durch Kiel, Potsdam, Lübeck, Stuttgart oder Brandenburg zu spazieren reicht vollkommen aus. 🥰

Spazieren durch unser kleines Bullerbü

Diese Ausflüge schenken Kraft. Und geben mir Halt in einer Zeit, wo sich so viel neu ordnet. Hab als Mentor und Coach spannende Projekte der Hamburg Media School und Kreativgesellschaft begleitet. Gleichzeitig habe ich nach über vier Jahren brand eins die Entscheidung getroffen, mich selbstständig zu machen. Etwas Neues auszuprobieren – mit einem stolzen Gefühl beim Blick auf das Erreichte und einigen Tränen beim Abschied von einem tollen Team. Ich entdeckte meine Begeisterung für AI und verlor das letzte Interesse an Kryptowährungen. Hab mir zwei Monate Zeit gegeben, in den Tag zu leben, ein Buch zu veröffentlichen und den besten Kuchen Hamburgs zu suchen. Offizielles Ergebnis: Apfelkuchen bei geen, Cheesecake bei Kropka und Salzkaramelltorte bei Liebes Bisschen. 🍰

Kuchen, Cappuccino und Magazine

So sehr ich Zeit mit Menschen genieße, so wichtig sind mir Momente, in denen ich alleine bin. Meist mit Kopfhörern auf den Ohren. Dieses Jahr begleitete mich viel alte Musik – ganz vorne Maeckes und Casper, in deren Texte ich mich nur zu gerne verliere. Aber auch Neuentdeckungen wie OG Keemo, Alli Neumann oder Schmyt gingen mit mir spazieren. Insgesamt 431 Stunden mit Grinsen im Gesicht.

Noch nie war meine Podcast-App so voll wie in diesem Jahr, trotzdem hörte ich aber oft die gleichen Formate: Fest & Flauschig und Baywatch Berlin zur Unterhaltung. Bei Hotel Matze lerne ich noch immer spannende Menschen kennen und mit Cui Bono: Wer hat Angst vom Drachenlord? schaffte es die zweite Staffel erneut in meinen Jahresrückblick. Besonders stolz bin ich auf den brand eins Podcast Planetary, den wir gemeinsam mit Planet A und der BMW Foundation ins Leben riefen.

Dass serielle Erzählungen an Beliebtheit gewinnen, zeigt sich auch bei mir: Serien wie Severance, Dopesick, I May Destroy You und Watchmen haben mich gefesselt. Heartstopper ist wunderschön erzählt, die zweite Staffel Kranitz erneut lustig und Chez Krömer endet mit einem großen Finale. Einzig ein Film bleibt in Erinnerung: Everything Everywhere All at Once war eine Achterbahn, ganz ohne Übelkeit.

Es gab eine Zeit, in der ich sehr viel gelesen habe. Ich vermisse diese Abende auf dem Sofa und so meldete ich mich während meiner Auszeit in den Bücherhallen Hamburg an. Der große Sommer und Marianengraben waren wunderschöne Geschichten. Unsere Welt neu denken schenkte mir Zuversicht und Antrieb, dass wir die Klimakrise angehen müssen. Zuletzt berührte mich Sprache und Sein mit einem Perspektivenwechsel. 🙏

Wir beide und das Meer

Es fühlt sich so an, als käme ich langsam innerlich zur Ruhe. Obwohl es im Außen immer lauter wird. Damit einher geht eine Spannung zwischen persönlichem Glück und gesellschaftlichen Krisen. Dem Gefühl, mehr Zeit für das Richtige investieren zu wollen und aktiver zu werden. Möchte im neuen Jahr genau das ausprobieren – sowohl im Privaten als auch in der Selbstständigkeit. Teil einer Lösung und nicht Teil einer Ohnmacht sein.

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Fragmente 🤝 November 2022

So langsam kribbelt es wieder in den Fingern. Die Auszeit tat gut und hat meinen Akku vollständig aufgeladen. Liebe Worte erreichen mich zu meinem Buch und der Schreibtisch möchte wieder mit neuen Projekten geflutet werden. Ich freue mich auf die nächste Etappe 💪


Schon immer war ich jemand, der sich für unterschiedlichste Themen begeistern kann und mit klugen Menschen an Problemen arbeiten möchte, die es wert sind, gelöst zu werden. Dabei bin ich gerne Teil eines Teams, mache mir die Finger schmutzig und bin nah am Produkt und seinen Nutzerinnen. Ich probiere einfach gerne Dinge aus.

In den letzten Jahren kreuzte mein Weg immer wieder den von Selbstständigen, die ihrer Leidenschaft nachgehen und Arbeit täglich neu definieren. Grenzen ausreizen, Netzwerke spinnen und ihr Wissen in unterschiedlichsten Branchen teilen. Mich begeistert, wie tief sie in Problemstellungen abtauchen und jederzeit zum Ende eines Projektes den Kurs anpassen. Von der Dienstleistung für Kunden bis hin zum eigenen Produkt. Sie machen ihr Ding. Suchen ihren Weg.

Ich bin dankbar für die vielen Erfahrungen, die ich in Festanstellung sammeln durfte. Für die Menschen, die mich beeinflusst haben und von denen ich so viel gelernt habe. Nun ist der Moment gekommen, eigenständig das Nest zu verlassen. Seit dem 1. Dezember bin ich nicht nur 35 Jahre alt (🙈), sondern auch selbstständiger Produktmanager und Business Designer – und könnte nicht aufgeregter sein 🥳 Ich freue mich auf den neuen Abschnitt und die Menschen, die ich treffen werde.

Falls du also mit mir arbeiten möchtest oder ein Team kennst, das eine Schnittstelle zwischen Design, Business und Technologie sucht, dann denk an mich. Denn ich übernehme gerne folgende Tätigkeiten:

💛 Produktmanagement & UX-Design

💛 Business-Design & Innovationsmanagement

💛 Mentoring & Leadership

💛 Projektmanagement

Mehr zu meiner Motivation, meinen Erfahrungen und meinem Angebot gibt es unter „Was machst du?“ oder jederzeit bei einem persönlichen Gespräch. Und falls du selbst als Freelancer unterwegs bist, schreib mir gerne. Ab Mitte des Monats kann man mir auch im betahaus Sternschanze begegnen.

Ich werde diesen Blog und meinen Newsletter weiterhin als Orte nutzen, um Gedanken und Beobachtungen zu ordnen. Dazu zählen dann zukünftig auch die Herausforderungen bzw. hoffentlich auch Erfolge der Selbstständigkeit.


Strategie ist ein großes Wort. Und ihm wird viel Gewicht zugesprochen. Gelingt etwas nicht, war die Strategie schlecht. Ist etwas erfolgreich, muss die Strategie genial gewesen sein. Ich bin in den letzten Wochen über zahlreiche Artikel gestolpert, die sich mit strategischer Arbeit beschäftigen. Und einen ganz wichtigen Punkt ansprechen: Sie geschieht nicht einmalig im Quartal oder am Ende des Jahres. Sondern ständig. Denn ohne sie verliert ein Team schnell den Fokus.

So beschreibt Kristina Bonitz in einer Blogserie, das bewusste Entscheidungen notwendig sind, um Ziele zu erreichen. Denn Menschen sind komplex, lassen sich gerne beeinflussen und brauchen Zusammenhalt. Diesen Zusammenhalt stärkt ein gemeinsames Ziel. Einen Zustand, den man erreichen möchte. Eine Strategie hilft bestenfalls jeden nächsten Schritt – und ist er auch noch so ungewiss – nachvollziehbar zu machen. Für das Team, aber auch das Management oder Sponsoren, die an das Team glauben.

To work strategically means that you are able to make conscious and consistent decisions that help create desired outcomes. It’s making tough and bold decisions in the sight of complexity and knowing why you made them.

Kristina Bonitz

Dieses klare Ziel (eine Vision), das man gemeinsam verfolgt, muss motivieren. Denn alle Beteiligten investieren ihr wichtigstes Gut: Zeit. Aus eigener Erfahrung bedeutet das aber auch, sich zu wiederholen. Solange darüber zu sprechen, bis alle Fragen geklärt sind. Und da dies nie passieren wird (durch ständig neue Informationen), ist Strategiearbeit nie beendet.

Sie muss vielmehr Bestandteil des Alltags werden. Gewohnheit. Lena Reinhard sammelt Tätigkeiten und Fragen, die durch den Tag, die Woche oder das Quartal führen. Diese sollen helfen, Prioritäten zu setzen, Risiken frühzeitig zu reduzieren und Aktionen zu definieren. Und fast noch wichtiger: klar darstellen, was nicht gemacht wird und weshalb.

Auszug aus Lenas Cheat Sheet

Wie so oft braucht Veränderung Zeit, Routine und ein gemeinsames Verständnis. Dies geschieht nur im Dialog. Und durchgehend.

We look to strategy for direction, and our tactics and actions are the paths we take to get there. We may have a very long-term vision that we’re going towards – in this case, we’re embarking on more of a thru-hike. 

Lena Reinhard

No-Code-Plattformen begeistern mich seit langer Zeit. Sie erlauben Produktideen schnell zu skizzieren und zu verproben, um sie dann schrittweise weiter zu entwickeln. Außerdem können die unterschiedlichen Dienste oft einfach miteinander verknüpft werden, um Automatisierungen zu ermöglichen. Perfekt, wenn man schnell loslegen und lernen möchte.

Webflow erlaubt die Umsetzung von Webseiten – von einfachen Landingpages bis hin zu Portalen mit Shopfunktionalitäten oder Mitgliederbereichen. Die Community (sehr UX-/UI-getrieben) liefert zahlreiche Templates und Apps, was den Einstieg deutlich vereinfacht. Doch nun geht es einen Schritt weiter: Auf der Webflow Conference wurde DevLink vorgestellt. Eine Möglichkeit, Elemente direkt aus Webflow in eine Anwendung zu übernehmen (im ersten Schritt wird React unterstützt). Umgekehrt werden visuelle Anpassungen in Echtzeit zurückgespiegelt 🤯

Warum ist das spannend? Weil ich hoffe, dass so der Graben zwischen den Ansätzen überwunden wird. No-Code-Lösungen sind nicht minderwertig oder zum Wegwerfen gedacht. Sie können Hand in Hand mit bestehenden Entwickler-Teams professionalisiert werden. Der Fokus kann auf dem Ergebnis liegen, nicht der Technologie. Und das gesamte Produktteam kann von Anfang an zusammenarbeiten ✌️


Mit sinkenden Temperaturen steigt die Zeit auf dem Sofa exponentiell. Deshalb ein paar Dinge, die ich genossen habe:

🎧 Cui Bono: Wer hat Angst vorm Drachenlord? erzählt die Geschichte von YouTuber Rainer Winkler, seine Liebe zu Metal und den Hass, dem er zuerst virtuell, dann vor seiner Tür ausgesetzt war. Es ist der größte Fall von Cybermobbing in Deutschland und wurde wieder einmal beeindruckend packend von Studio Bummens produziert.

🍿 1899 ist die neue Serie der Macher meiner aktuellen Lieblingsserie Dark. Sie begleitet das Auswandererschiff Kerberos auf der Überfahrt nach Amerika, als plötzlich ein vermisstes Schiff auftaucht. Und die Stimmung kippt. Visuell sehr hochwertig und auch der düstere Soundtrack passt – doch leider fesselte mich die Geschichte erst gegen Ende der ersten Staffel wieder. Hoffentlich erleidet die Serie keinen Schiffbruch.

📚 Barfuß durch Hiroshima war mein erster Manga, den ich gelesen habe. Ein Genre, das nicht erst seit Corona enorme Wachstumszahlen in Deutschland erreicht. Der erste Band spielt in Japan zum Ende des zweiten Weltkriegs und beschreibt den Druck auf politische Gegner im eigenen Land. Und den atomaren Angriff am 6. August 1945. Ich mochte die Form, denn sie lässt viel Raum für Fantasie. Auch wenn die kurzen Dialoge ungewohnt sind, macht es Spaß zu lesen – einzig die hohe Dichte von Gewalt fand ich irgendwie abschreckend. Ich bleibe neugierig und bin offen für weitere Empfehlungen.

🍿 The Playlist hat mich überrascht, denn ich hatte die Serie beim Wühlen entdeckt. In sechs Episoden wird die Entstehung von Spotify aus verschiedenen Perspektiven beschrieben. Von Daniel Eks Vision über die Kämpfe mit Partnern bis hin zur Kritik der Künstlerinnen. Schnell erzählt und gut gespielt, ist sie perfekt für ein Wochenende.

📚 Sprache und Sein von Kübra Gümüşay sollte auf keinen Fall nebenbei gelesen werden. Dafür ist das Thema zu wichtig und ihre Ausführungen zu detailliert. Denn sie schildert die Folgen von Sprache für Menschen – was löst sie aus? Wie beeinflusst sie unsere Sicht auf die Welt? Und welche Macht geht mit ihr einher? Es ist kein wissenschaftlicher Text, sondern ein Perspektivenwechsel, der nachklingt.

Wir spüren die Mauern und Grenzen der Sprache erst, wenn sie nicht mehr funktioniert, wenn sie uns einengt. Uns die Luft zum Atmen nimmt.

Kübra Gümüsay – Sprache und Sein

Während diese Zeilen entstehen, geht draußen schon wieder die Sonne unter. Hier läuft Musik und Spekulatius liegen neben mir. Ich bin dankbar für das, was ich habe. Das Dach über meinem Kopf und die Menschen an meiner Seite. Fühle mich voller Energie und bereit für das nächste Kapitel 💪

Habt einen schönen Dezember. Lasst euch nicht stressen von Geschenken oder anderen Normen. Lieber eine Runde mehr um den Block spazieren mit lieben Menschen ❄️

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Fragmente 📚 Oktober 2022

So eine Auszeit fühlt sich verdammt ungewohnt an. Muss lernen, in den Tag hinein zu leben. Ohne To-Do-Listen und Status-Calls. Dafür mit ziellosen Spaziergängen, Büchern und Mittagsschlaf. Vergesse die Zeit um mich herum und suche nach Dingen, die ich ganz aus Vergnügen machen möchte: „aus Lust an der Freude“. Gar nicht so einfach, da ich mich sonst oft an Ergebnissen messe. Sport, um fit zu bleiben. Lesen, um mitzureden. Oder Fotografieren, um Aktivitäten zu demonstrieren.

Und so probiere ich mich aus. Wie ein Kind, das durch den Tag taumelt.


Zum ersten Mal stolperte ich durch Asien. Seoul war eine spontane Entscheidung – getroffen bei Bibimbap in der Altstadt. Wurde von Eindrücken überschwemmt. Teilweise bekannt aus asiatischen Filmen und Serien. Und teilweise sehr unerwartet. Unfassbar viele Menschen, die doch respektvoll und geordnet durch die Straßenschluchten und U-Bahn-Gänge marschierten. Den Blick aufs Smartphone oder in die Leere gerichtet. Eine ungewohnte Stille und Sauberkeit. Selfie-Studios und Tarot. Irgendwo zwischen Tempeln und Wolkenkratzer. Diese Stadt wächst ungebremst in alle Richtungen. Und zwischendurch fragt man sich, ob das alles vielleicht auf Kosten der Menschen passiert, die wie Zombis zur Arbeit pendeln. 🧟

Viel zu oft Fleisch gegessen. Und teilweise keinen Bissen runterbekommen, weil es einfach zu scharf war. Dafür aber auch tolle Ramen im Hinterhof entdeckt und an einer traditionellen Teezeremonie teilgenommen. Über Märkte gebummelt und durch Spielhallen geirrt.

Auf der Vulkaninsel Jeju den Spätsommer überschätzt und eine Corona-Erkrankung unterschätzt. Viel Zeit im Bett verbracht, auf das Meer geschaut und nach einem ordentlichen Frühstück gesucht. So sehr ich den Kulturclash genossen hab, so fremd kam ich mir teilweise vor: Das ungewohnte Gefühl ignoriert zu werden und nicht dazu zu gehören. Sei es wegen der Sprache oder meinem Aussehen. Eine Tatsache, die wiederum für andere Menschen zur Normalität gehört. Rollentausch am anderen Ende der Welt. 🇰🇷


Vielleicht merkt man es beim Lesen meiner Blogbeiträge: Schreiben ist ein wertvolles Ventil für mich. Es hilft, mir zu verstehen, was in mir vorgeht. Was mich berührt. Dann sind meine Sätze wie ein Schatten – sie zeigen mir meine eigenen Grenzen auf und schenken mir ein Versteck.

Und mit jedem Schritt sammelst du neue Steine. Glatt. Schräg. Spitz. Hinterlassen ihre Spuren, wie du deine. Stimmen im Hintergrund. Dein Blick sucht Halt in bekannten Kannten, während rotes Licht dein Herz flutet.

Ich habe meine Beobachtungen lange auf Tumblr geteilt. Habe aus diesen Satzstücken ganze Geschichten gebaut. Jene nannte ich Einweggedanken. Gefühle in Schockstarre, die sich vielleicht morgen ganz anders anfühlen.

Lese ich heute in den Texten, so erinnern sie mich an ein sehr emotionales Kapitel – irgendwo zwischen Stuttgart und Hamburg.

So sehr ich dieses Kapitel brauchte, so oft dachte ich über einen richtigen Abschluss nach. Ein Buch, das ich ein für alle mal ins Regal stellen kann.

Cover

Und das ist es geworden: ein Taschenbuch 🥳 Meine Lieblingsgeschichten und ein paar Satzfetzen, die am Ende übrig bleiben.

Bestellbar beim tredition Verlag oder im Buchhandel.
Sowie bei Thalia, Hugendubel, Stories oder Amazon.

Alle Autoreneinnahmen werden vollständig an die Stiftung Deutsche Depressionshilfe gespendet. Danke Seda, Nadine und Johannes für eure Hilfe bei der Umsetzung. ✌️


Wer schreibt oder zeichnet, kennt vielleicht die Angst vor dem weißen Papier. Der leeren Arbeitsfläche. Ich beschäftige mich momentan immer wieder mit KI-Content-Generatoren wie copy.ai, DALL-E oder Stable Diffusion. Und täglich erscheinen neue Modelle, die auf Basis von neuronalen Netzwerken kreative Aufgaben meistern sollen. So können Texte, Bilder oder Musik generiert werden – z.B. durch die Eingabe einer Aufforderung und die Anpassung verschiedener Parameter.

Wo man jetzt das Ende von Kreativberufen prophezeien könnte, sehe ich eine Möglichkeit der Inspiration. Die Tools erlauben es, in kurzer Zeit Ideen zu generieren und sich daran auszutoben. Tools wie Lex versprechen Unterstützung beim Schreiben und Brainstorming. Ich finde das sehr aufregend – vor Allem weil die Technologie in so vielen Bereichen genutzt werden könnte. (Hörtipp: Richard Socher, was denken Maschinen?)

AI Application Landscape by @sequoia

Mit der Veröffentlichung von Stable Diffusion ging man sogar einen Schritt weiter, denn die Anwendung ist einfach zu bedienen und Open Source. So kann jeder nachvollziehen, was passiert. Und interessierte Menschen können ohne Einstiegshürden damit spielen – was für neue Technologie entscheidend sein kann.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie sich die Technologie entwickelt und wie neugierig Branchen damit experimentieren. Völlig losgelöst von zentralen Fragestellungen zu Rechten und Datenqualität, die natürlich auch diskutiert werden müssen. Erstmal: spielen und ausprobieren 👾


Bei einem Langstreckenflug über 13 Stunden hat man genug Zeit, um neue Filme und Serien anzuschauen oder in Musik reinzuhören:

🍿 Heartstopper hat mich sehr berührt. Die Serie begleitet zwei Schüler dabei, wie sie sich ineinander verlieben. Eine liebevolle Coming-Out-Geschichte. Und auch wenn ich nur mutmaßen kann, gibt sie einen schönen Blick auf die Herausforderung und den inneren Kampf, den queere Menschen mit sich und der Umwelt ausfechten.

🍿 Meine Stunden mit Leo erzählt die Geschichte einer Witwe, die ihre Sexualität entdeckt – gemeinsam mit einem jüngeren Callboy. Ehrlich werden Erwartungen von außen und innen thematisiert. Es geht um Sexarbeit und die Annäherung zwischen zwei Generationen.

🍿 Everything Everywhere All at Once ist ein Film, den ich in keine Kategorie stecken kann. Irgendwas zwischen Action, Komödie und Trash. Michelle Yeoh sucht ihre Bestimmung im Multiversum. Eine absurde Bilderflut, die ich sehr mochte, weil sie mich völlig überraschte.

🎧 Bartek hat sein zweites Soloalbum veröffentlicht. Hört sich stark nach einer verarbeiteten Trennung an. Irgendwas zwischen einer Clubnacht und Ruinen – „Sehe mich überall, nur ich sehe mich gerade nicht unter Leuten.“

🎧 Peter Fox und sein Stadtaffe begleitete mich durch das Abitur und Studium. Seine Texte und Melodien haben sich tief eingebrannt. Und nun ist er zurück. Ich mag das neue Lied schon sehr – „Elon Musk: Fick dein Marsprojekt. Scheiß kalt und arschweit weg!“


Hui. War doch ganz schön viel los im Oktober. Und ich wollte doch eigentlich durchatmen… 🙃 Habt einen schönen November!

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Fragmente ☀️ Sommer 2022

Das war ein guter Sommer. Fühlt sich so an, als ordne sich gerade einiges neu. Von außen (noch) kaum erkennbar. Innen aber umso intensiver. Probiere Dinge aus und etabliere neue Gewohnheiten. Nebenbei: Apfelverkostung auf dem Wochenmarkt. Pommes mit Mayo. Endlich offiziell Maeckes-Ultra. Ausflüge nach Kiel, Bremen und Brandenburg. Sonnenbrand im Gesicht. Kurze Hose und Vanille-Pistazien-Eis. Mit offenem Verdeck ans Meer. Ein „sogenanntes Musical“ im Thalia Theater. Und nach langer Zeit wieder in der Heimat gewesen – mit den Gefühlen irgendwo zwischen Kindheit und Frührente.

Entdecke immer wieder neue Strecken im Niendorfer Gehege und der angrenzenden Feldmark. Stolpere durch die vielen Kleingärten. Leben bedeutet, sich immer wieder zu verfranzen. Denke übers Rausziehen nach. Und über einen Hund. Einen Großen zum Kuscheln. 🐶


Hatte meinen letzten Tag bei brand eins. Über vier Jahre durfte ich mit dem Team nach neuen Wegen suchen. Haben Produkte entwickelt, branchenübergreifende Partnerschaften angestoßen und unsere Arbeit hinterfragt. Ein Umzug, viel Eis und eine Verschwörung. Strukturen geschaffen und eigene Grenzen überschritten. Durfte lernen und wachsen. Ein letzter Apfelkuchen und ein Buch voller lieber Worte. Dankbar.

Jetzt steht eine Pause an. Durchatmen. Durchschlafen. Und den besten Kuchen in Hamburg finden. Die nächste Etappe darf warten. 🏖


Nutze die gewonnene Zeit für Dinge, die liegengeblieben sind. Cafés und Ausflüge. Aber auch Serien, Musik und Bücher. Eine kleine Auswahl:

🎬 Woodstock 99. Hatte bis jetzt noch nie von diesem Festival gehört. Die Dokumentation zeigt, was passiert, wenn auf einer alten Militäranlage durstige Menschen unter Drogen aggressive Musik hören. Und irgendwann ausrasten. Verstörend, aber interessant. Erinnerte mich an das Fyre Festival.

🎬 Barry. Was passiert, wenn sich ein Auftragsmörder in die Schauspielerei und eine Spielpartnerin verliebt? Kluge Geschichte, die mich mit ihrem schwarzen Humor überzeugt. Und mit jeder Staffel emotionaler wird.

🎵 weine jetzt, lache später. Guter Rap ist für mich eine Mischung aus Arroganz, Beobachtungsgabe und Selbsttherapie. 3Plusss fängt sehr gut ein, was um uns passiert: Fremdenhass, Polizeigewalt, Depression. Es macht einen verrückt. Alles scheiße. Aber wir funktionieren. Lieblingslied: Dinge.

🎵 Haben oder Sein. Über Fremde und Depressionen sprach Amewu schon in seinem letzten Album. Jetzt gibt es endlich Nachschub. Auch ihn beschäftigt das Ungleichgewicht in dieser Welt und die Frage, wie simpel er sein muss, um nicht daran kaputt zu gehen. Lieblingslied: Plastikstrand.

📚 Der große Sommer. Eine typische Coming-of-Age-Geschichte. Ewald Arenz erzählt mit einem liebevollen Blick für Momente die Erlebnisse von Friedrich, der die Sommerferien daheim bei seinem Großvater verbringt. Zum Glück: „Es war dieser eine Sommer, wie es ihn wahrscheinlich nur ein Mal im Leben gibt. Dieser eine Sommer, den hoffentlich jeder hatte; dieser eine Sommer, in dem sich alles ändert.“

📚 Marianengraben. Hab viel zu lange gebraucht, um dieses Buch von Jasmin Schreiber endlich zu lesen. Die Protagonisten Paula verliert zuerst einen wichtigen Teil ihres Lebens und dann fast sich selbst. Sie lernt Helmut kennen, der ebenfalls alleine ist. Und so brechen sie gemeinsam auf. Eine wunderschöne Geschichte über Schmerz, der „nur so intensiv war, weil da so viel Liebe war, ohne die ich nicht so traurig sein könnte. Und sie war immer noch in mir, genau wie all die Erinnerungen an dich.“


Rückblick: Meine erste eigene Wohnung. Stuttgart-West. Tief in der Nacht. Ich war alleine in der Großstadt. Voller Selbstzweifel und Gefühle, die ich nicht richtig einordnen konnte. Begegnungen hinterließen Spuren, Kratzer und Schrammen. Schrieb nachts Texte, um tagsüber mein Innenleben zu verstehen. Meine Sätze waren wie ein Schatten – er zeigte mir meine eigenen Grenzen auf und schenkte mir ein Versteck.

Hab noch lange geschrieben. Satzfetzen, Gedichte und lange Texte. Einweggedanken sind Gefühle in Schockstarre, die sich vielleicht morgen ganz anders anfühlen. Und diese Momente möchte ich besser greifen können. Deshalb arbeite ich an etwas…

Dazu bald mehr. Ich bin sehr aufgeregt! Habt einen schönen Oktober. 🍂

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