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Fragmente 🦸‍♂️ April 2021

Den März hatte ich mit einem Gefühl zusammengefasst: Müdigkeit. Und damit scheine ich nicht alleine zu sein. Es tut verdammt gut, dass wir mittlerweile deutlich ehrlicher über diesen Zustand sprechen. Mit Freunden, aber auch auf der Arbeit. Wo zu oft eine Fassade aufrecht erhalten wird: Wir müssen abliefern und Leistung erbringen. Dafür erhalten wir ein Gehalt. Schwächen zeigen macht angreifbar. Ersetzbar. Auch ich habe lange Zeit nicht begriffen, wieviel Energie dieser Automatismus frisst. Diese Leere am Feierabend – ausgelaugt vom Überspielen.

Mittlerweile habe ich viel mehr Respekt vor Ehrlichkeit im Job. Wenn ich das Gefühl habe, jemand gibt sich Mühe – hat aber wie alle seine bzw. ihre Phasen, in denen es schwer fällt. Ein klarer Weg nicht wirklich erkennbar ist. Dieses Gefühl möchte ich aushalten. Nicht direkt Lösungen und Strategien entwickeln, sondern akzeptieren. Gehört alles dazu. 🤗


Kurt Krömer ist auch nur eine Fassade. Eine Kunstfigur von Alexander Bojcan. Umso schöner finde ich es, wie er in den letzten Folgen von Chez Krömer mich als Zuschauer hinter diese Rolle blicken lässt. Im Gespräch mit Torsten Sträter erzählt er von seiner Depression. Seiner stationären Behandlung in einer Zeit, wo jeder daheim mit sich ringt. Er lässt Nähe zu, konfrontiert dann aber in der nächsten Folge Frauke Petry oder wundert sich über Thomas Hornauer. Ein Wechselbad aus Gefühlen 🙃


Ähnlich wechselhaft erlebte ich Roman „Immer noch wach“ von Fabian Neidhardt. Der Protagonist erhält eine Diagnose. Eine von diesen Diagnosen, die alles verändert. Die in einem Hospiz enden soll. Also den Tod bedeutet. Die Geschichte packte mich von Anbeginn – riss mich durch unterschiedlichste Gefühle. Links. Rechts. Oben. Unten. Kurz grinst man, um nur wenige Seiten später wieder tieftraurig aus dem Fenster zu starren. Ich mag das. Und ich mag Fabian, den ich persönlich kenne. Ich mag die Vorstellung, wie er die Idee nach und nach ausgearbeitet hat. Und nun durfte ich sie für mich entdecken. Sie in meiner Färbung durchleben. ♟


Überhaupt braucht es mehr Geschichten, die uns überfluten. Uns so zwingen darüber nachzudenken, was ein Ereignis mit uns persönlich oder als Gemeinschaft machen würde. Ein Artikel bei 1E9 geht noch einen Schritt weiter und fordert mehr Dystopien. Was wäre, wenn wir viel öfter auch schlimme Szenarien im Kopf, auf dem Bildschirm oder im Theater durchspielen würden? Wenn wir bereits im Vorfeld spüren könnten, was das mit uns machen würde. Eine Art Simulation in unseren Gedanken. Und bestenfalls ein Weckruf, der uns ins Handeln bringt.

„Junge Erwachsene beschrieben, wie das ‚wirklich rebellische Gefühl‘ dystopischer Fiktion sie wütend und bereit zum Handeln machte und ihnen das Gefühl gab, dass auch normale Menschen ‚den Status quo herausfordern‘ und ‚gegen das System rebellieren‘ können“

Calvert W. Jones und Celia Paris 

Keine Dystopien, sondern leider reale Begebenheiten erzählt der Podcast Darknet Diaries. Ich persönlich bin kein großer Fan von True Crime. Möchte nicht ständig von Mord und Habgier lesen oder hören. Anders ist dies bei virtuellen Verbrechen – wer einmal gehackt wurde oder sich sowieso mit der Materie IT beschäftigt, weiß wie schnell Systeme zweckentfremdet werden können. Aber auch ohne direkten Bezug zum Thema sind die Folgen überaus spannend und eindringlich erzählt. Sie zeigen, wie fragil Systeme sind, welchen Wert Daten haben und was Cyberkriminelle antreibt. 👾


Sodela. Geschafft. Wieder ein Monat rum. Wir alle im Wartemodus. Musik macht diesen ein bisschen erträglicher. Trotz Handbremse.

Noch mehr gute Musik? Gibt es in meiner Spotify-Playlist. ✌️

Fragmente 😴 März 2021

Ich bin verdammt müde. Ein Gefühl, das seit Monaten in mir nach Raum greift. Vakuum. Immer wieder schaffe ich es mich aufzuraffen. Um dann wenige Wochen später wieder antriebslos im Bett zu liegen.

Kann die Nachrichten nicht mehr lesen ohne wütend zu werden. In Stuttgart marschieren zehntausend Menschen ohne Masken oder Abstände. Steine fliegen. Die Polizei schaut zu. Ist das euer Ernst?

Eine dritte Welle rollt. Schulen und Büros bleiben offen. Wir bekommen es als selbsternanntes Vorzeige-Land nicht hin, die Gemeinschaft zügig zu impfen. Jedes Bundesland sucht eine eigene Lösung zur Vergabe von Terminen. Digitalisierung die Königsdisziplin. Während die (noch) stärkste Partei sich in Korruptionen verstrickt. Alles schreit nach Hilflosigkeit.

Ich bin müde und antriebslos. Damit bin ich nicht alleine – was es noch schlimmer macht. Schlafe schlecht und träume noch schlechter. Rituale und Strukturen tragen durch den Tag. Augenringe strahlen in der Nacht. Hab ein wenig die Hoffnung verloren. Neben meinen Haaren.

Auch das gehört dazu. Auch das ist mein Leben. Alles eine Phase.

Fragmente 👊 Februar 2021

Vielleicht liegt es an der Sonne. Vielleicht an der Tatsache, dass die Eisdielen wieder offen haben. Und ich auf dem Rad durch Hamburg streife. Der Februar war gut. Und ich habe die große Hoffnung, dass die nächsten Monate noch besser werden. Dass Selbsttests kleine Runden mit Freunden erlauben. Wochenendurlaube wieder möglich werden. Bis dahin sind es kleine Ausflüge an die Elbe. Oder ins Naherholungsgebiet Klövensteen, das ich jetzt erst nach 10 Jahren Hamburg entdeckt habe. Vogelgezwitscher. Bäume, die ihre Schatten auf uns werfen. Nichts als Natur. 🌳


Diese Auszeiten tun gut, denn im Februar habe ich viel angestoßen. Bin mit dem ID.3 von WeShare durch Hamburg gefahren und hab meine Erfahrungen auf lautlos.hamburg geteilt. Auf der Arbeit dreht sich viel um Communities und Formate für Begegnungen. Virtuell durfte ich dann bei nextMedia.Live erzählen, weshalb diese Gemeinschaften speziell für Medienmarken interessant sind – eine Mitschrift findest du hier. Und zuletzt sprach ich mit der Hamburg Media School über meinen Beruf. Die nächsten Wochen dürfen gerne etwas leiser werden. 🤫


Denn so gerne ich neue Menschen kennenlerne und über Interessen spreche, so gerne bin ich auch für mich. Probiere Dinge aus. Versuche sie zu durchdringen, wie man es früher schon als Kind machte. Tür zu und spielen. Momentan ist es der Kosmos NoCode und LowCode, den ich spannend finde. Er umfasst Tools, die es ermöglichen komplexe Anwendungen über eine visuelle Oberfläche zu entwickeln. Ein Verständnis über Architekturen und Programmiersprachen ist sinnvoll – dominiert aber nicht. Und so kann man schnell Lösungsansätze verproben. Für den Start empfehle ich die #100daysofnocode oder Makerpad. Webseiten baue ich in Webflow, Daten landen in Airtable und Anbindungen geschehen leicht über Zapier.

Aber: Das nächste Projekt wird dann analog. Zum Anfassen. 📓


Im letzten Monat schwärmte ich ein bisschen über BookBeat. Neben Podcasts höre ich mittlerweile immer lieber auch Hörbücher – gerade von Sibylle Berg: Der Tag, als meine Frau einen Mann fand. Immer wieder verstörend, aber auch in ganz vielen Momenten nur allzu bekannt.

Musikalisch hat mich in den letzten Monaten leider nur wenig überrascht. Aber eine Person schafft es seit Jahren: Maeckes. Er begleitet mich seit meiner Stuttgart-Zeit. Ob mit den Orsons oder alleine. Seine unperfekte Art. Ein Loser, den ich sehr mag. Nun ist er zurück am Pool. Ganz einfach. 🥳

Einfach ist es auch für Menschen wie mich. Weiß und privilegiert. Aufgewachsen auf dem Dorf. Als Mann. Durfte studieren. Mich immer frei bewegen. Oft ist mir das nicht bewusst. Gut, wenn man darauf aufmerksam gemacht wird, dass wir alle in einem Happyland leben. Audio88 & Yassin haben schon immer versucht mit zeitgeistigen Alben zu provozieren. Auch wenn sie den Zeitgeist nicht mögen. Ihr Album „Todesliste“ ist voller Wut und Verzweiflung. Deswegen nicht ganz leicht, aber genau deswegen gut. 👊


Weniger an sich denken. Und verstehen, was in den anderen vorgeht. Zuhören. Und Wege finden, dass es uns als Gemeinschaft besser geht. Das wäre doch mal was. Kommt gut durch den März.

Mit WeShare vollkommen elektrisch durch Hamburg

WeShare

Am 25. Februar haben sich lautlos 350 ID.3 des Herstellers VW in Hamburgs Straßen verteilt. Der Carsharing-Anbieter WeShare ermöglicht so flexibel und emissionsfrei die Stadt zu entdecken, denn die Autos sind alle elektrisch mit Ökostrom angetrieben – bis jetzt fand man nur vereinzelt E-Autos wie den BMW i3 bei den bekannten Anbietern. Im Laufe des Jahres sollen 800 Fahrzeuge zur Verfügung stehen.

Mieten statt besitzen

Das Prinzip kennen wir bereits: Ein eigenes Auto lohnt sich im Stadtkern nur noch für wenige Menschen. Monatlich fallen einige direkte und versteckte Kosten an. Die Parkplatzsuche kann die Stimmung zum Feierabend ruinieren. Und niemand braucht Abgase und Lärm eines Autos, das von einer Person gefahren wird. Ich selbst besitze ebenfalls kein Auto – fahre dafür E-Bike, Nahverkehr und leihe mir nur bei Bedarf ein Auto. Es gibt bereits einige Anbieter, die es mit ihren Apps total einfach machen: Auto reservieren, direkt losfahren und irgendwo im Geschäftsgebiet wieder abstellen. Bezahlt wird nach Fahrtzeit (Free NowSixt oder cambio) oder teilweise nach gefahrenen Kilometern (Miles).

Fahrzeug

Auf den ersten Blick weiß der VW ID.3 zu gefallen. Keine futuristischen Formen wie beim BMW i3 und trotzdem modern. Der Innenraum ist übersichtlich und die indirekte Beleuchtung sorgt für eine angenehme Atmosphäre. Ansonsten ist alles recht rudimentär. Die Verarbeitungsqualität ist okay und wird mit der Zeit sicher durch die Mietvorgänge in Anspruch genommen. Das Entertainment-System hatte ich nur kurz ausprobiert. Es funktioniert und tut, was es soll. Das eigene Telefon lässt sich ebenfalls koppeln um Musik oder ordentliche Navigations-Apps zu nutzen.

Während der Fahrt liegt das Auto gut auf der Straße, die Geräuschkulisse ist ruhig, der Wendekreis schön klein und die Übersetzung flüssig. Die Beschleunigung ist völlig okay – laut Hersteller sind es 7,3 Sekunden auf 100km/h. Was in der Stadt völlig nichtssagend ist. Mir machte die Testfahrt in Hamburg Spaß.

Laut Hersteller liegt die Reichweite bei 425 Kilometern – in der App werden Akkuladungen für 150 bis 250 Kilometer angezeigt. Die Fahrzeuge lassen sich über Partnerschaften mit der Schwarz-Gruppe bei Lidl und Kaufland laden. Dies dauert 35 Minuten, wenn es schnell gehen soll.

Runden am Hafen (Quelle: WeShare)

Kosten

WeShare geht den gewohnten Weg und kostet 0,29€ pro Minute – egal ob fahrend oder parkend. Der Tagespreis liegt bei 58€ inkl. 100 Kilometer. Besonders ist das Angebot WeShare+. Für 9,90€ im Monat reduziert sich der Fahrpreis auf 0,19€ und ein Zwischenstop auf 0,05€ pro Minute. Auch der Tagespreis fällt auf 48€ bei 150 Kilometer. Es gibt auch hier einen Gratis-Monat.

Geschäftsgebiet

Von Beginn an lassen sich die Autos relativ weit durch Hamburg fahren. Über 100 Quadratkilometer erstreckt sich das Geschäftsgebiet von Osdorf bis ins Marienthal. Der Flughafen schließt den Norden ab, im Süden kommt man bis in die Hafen-City – leider nicht südlich der Elbe.

Nachhaltigkeit und Fazit

Auf der Webseite wirbt der Anbieter mit „Nachhaltigkeit“ und dem Ziel, das Autofahren in Zeiten des Klimawandels zu verändern. Ja, emissionsfreier Verkehr und Oköstrom sind gute Schritte. Natürlich ist das Prinzip Autofahren in der Stadt aber diskussionswürdig – bei Alternativen wie dem Fahrrad. Aber jeder Schritt in Richtung Veränderung ist wichtig. Deshalb freuen wir uns, dass es einen neuen Carsharing-Anbieter in Hamburg gibt.


Dieser Artikel erschien auf lautlos.hamburg

Moofer schaltet versteckte VanMoof-Funktionen frei

Hiroshi Kimura | Unsplash
Mit dem Firmware-Update 1.8.1 hat VanMoof eine Schnittstelle in der Software angepasst, wodurch Moofer die Geschwindigkeit nicht über 25km/h setzen kann. 

Neben der Motorunterstützung schätze ich die technischen Features beim VanMoof S3. Über die App können verschiedene Unterstützungsstufen ausgewählt und die Schaltmomente verändert werden.  Das reicht aber nicht allen Fahrerinnen und Fahrern – und so veröffentlichte ein Niederländer die App Moofer, die versteckte Funktionen freischaltet und das Fahren noch angenehmer gestalten soll.

Hinweis / Disclaimer

Die App nutzt Schnittstellen, die eigentlich nur für Entwicklerinnen und Entwickler bereitstehen. So können Änderungen an der Konfiguration vorgenommen werden. VanMoof rät von der Nutzung ab, da die Leistung der Komponenten (Akku, Motor, Schaltung) beeinflusst wird. Außerdem darf auf einem VanMoof (wie auch jedem anderen E-Bike) nicht schneller als 25km/h auf öffentlichen Straßen gefahren werden.

Funktionsumfang

Auf Reddit meldete sich der Entwickler zu Beginn des Jahres und stellte eine Beta-Version der App Moofer vor. Seitdem gab es bereits einige Updates, die spannende Anpassungen erlauben:

  • Smart Speed kontrolliert die Motorunterstützung auf Basis der Durchschnittsgeschwindigkeit. So soll die Fahrweise interpretiert werden, um den manuellen Wechsel der Unterstützung zu verhindern.
  • Es lässt sich eine fünfte Unterstützungsstufe aktivieren, die dem Boost-Button entspricht. Also durchgehend auf voller Leistung beschleunigt – was Spaß macht, aber auch ordentlich den Akku und Motor beansprucht.
  • Es lassen sich Änderungen an der Regionseinstellung vornehmen. Dies wurde erst vor wenigen Monaten durch VanMoof verhindert, da ein E-Bike in Deutschland nicht mehr als 25km/h fahren darf – und auch keine entsprechende Option in der App zugänglich sein darf. Mit Moofer lässt sich der Motor auf bis zu 37km/h beschleunigen. Somit erlischt aber auch die Straßenzulassung.
  • Das VanMoof S3 hat eine Automatikschaltung, die nicht immer das tut, was sie soll. Über die App lässt sich das manuelle Schalten aktivieren. Über die Buttons am Lenker kann dann hoch- und runtergeschaltet werden.
  • Außerdem sind auch alle bekannten Funktionen (Sounds, Licht, etc.) der VanMoof App zugänglich.

Geplante Funktionen

Damit aber nicht genug. Der Entwickler plant noch weitere Funktionen, die den Fahrspaß steigern sollen. Die Unterstützung soll dynamisch über KI-Algorithmen angepasst werden. Der Lautsprecher soll für eine Navigation genutzt werden können. Und die App soll über GPS Strecken aufzeichnen.

Fazit

Ich finde es spannend, wie immer wieder Wege gesucht werden, um alle Funktionen von Gadgets zugänglich zu machen. Was beim iPhone schon immer ein Wettlauf zwischen Entwickler und Apple war (Jailbreak), könnte hier auch passieren. Denn VanMoof hat sicher Gründe, weshalb die Funktionen momentan nicht öffentlich zugänglich sind.

Viel kritischer sehe ich die Gefahr für Fahrerinnen, Fahrer und deren Umfeld. Es hat einen Grund, dass 25km/h das Limit in Deutschland ist. Wenige Radwege, rücksichtslose Verkehrsteilnehmer und die Gefahr der Selbstüberschätzung. Mit 37km/h durch Städte zu fahren, kann schnell übel enden.

Somit bewegt sich die App Moofer in einer rechtliche Grauzone, die aber gut aufzeigt, was Fans wollen: Immer wieder neue Funktionen. Jetzt auch bei E-Bikes.

Die App gibt es im Apple App Store und im Google Play Store. Sie kostet 9,90€.


Dieser Artikel erschien auf lautlos.hamburg