Andreas Spiegler

Schreiben. Stolpern. Schluckauf.

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Kategorie: Rückblick (Seite 1 von 2)

Rückblick. 2019.

Versuche wieder meine Geschwindigkeit zu finden.“ – mit diesen Worten stolperte ich in das Jahr 2019. Ein Podcast-Experiment und drei Dinge. Zahlreiche Experimente auf der Arbeit. Vom Pressehaus in eine Marzipanfabrik umgezogen. Strukturen geschaffen. Rollen definiert. Wände eingerissen. Und irgendwann eingestehen müssen, dass ich dieses Tempo nicht halten kann. Meine Geschwindigkeit unterschätzt. Notbremse. Zwei Wochen Auszeit. Die eine Hälfte im Bett, die andere im Wald. Durchatmen. Bewusst wahrnehmen, was ich brauche. Grenzen eingestehen. Habe die Messlatte zu hoch gehängt. Zu wenig auf meinen Körper gehört. Und Menschen verletzt, die mich eigentich beschützen wollten. Konnte mich teilweise selbst nicht wieder erkennen.

Merke immer mehr, wie wichtig Einsamkeit und Zweisamkeit für mich sind. Stand mit dir in der Sagrada Familia. Blick nach oben. Bunte Farben flackern auf unseren Wangen. Auf Usedom lassen wir uns die Haare zerzausen. Verbringen die Nacht auf einem Boot. Den Tag am Meer. Kuchen gibt es in kleinen Gärten. Auf wackligen Stühlen. Es braucht nicht viel, haben wir gemerkt. Und trotzdem in Istanbul alles aufgesaugt. Çay und Simit. Mein Arm um deine Hüfte. Das blaue Kleid und dein Grinsen. Durch die Wälder von Hawaii gerutscht. Auf Berge geklettert. In Wellen gesprungen. Das erste Mal schnorcheln. Das letzte Mal Z2X. Brauche diese Auszeiten. Egal wie weit entfernt – solange ich entscheiden kann, wohin der nächste Schritt mich trägt.

Oft haben mich Podcasts bei meinen Schritten im letzten Jahr begleitet. Verfolge beigeistert StartUps, lache im Podcast Ufo und lausche an der Bar vom Hotel Matze. Kann nur schwer beschreiben, was mir an diesem Medium so gefällt. Es erinnert mich an meine Jugend, in der ständig bigFM und DASDING liefen. Ich baue eine Bindung zu den Stimmen auf. Freue mich auf neue Folgen, wie auf Gespräche mit Freunden. Und ich glaube, dass Audio noch so viel mehr kann, wenn es um Geschichten geht.

Weitere 377 Stunden des letzten Jahres gehörten der Musik. Über mein Grinsen im Gesicht habe ich bereits geschrieben – auch wenn ich deutlich mehr ernste Musik hörte. Kummer hat deutschen Rap endlich wieder traurig gemacht. Auch meine Liebe zu Fatoni ist kein Geheimnis mehr: Er schafft es ohne elitären Zeigefinger oder schmierige Phrasen auf den ganzen Dreck da draußen zu reagieren. Genau wie Trettmann, Yassin oder Dendemann. Momentan verstricke ich mich vielleicht zu oft in wirren Gedanken. Und die Musik hilft mir dann diese difsusen Gefühle zu ordnen. Ihnen kleine Kategorien einzuheften. Mich ein bisschen besser verstanden zu fühlen.

Dieses Muster erkenne ich auch bei Serien und Filme wieder. After Life ist eine traurige Komödie, die Verlust und Hass so wunderbar vereint. Die zweite Staffel Dark hat mich in ihren Bann gezogen – auch wenn ich mittlerweile einen Spickzettel brauche, um die Stränge überblicken zu können. Im Zug nach Süddeutschland habe ich The End of the F***ing World und Fleabag begonnen. Beide ebenfalls voller Sarkasmus, um das normale Leben zu verarbeiten. Für die gute Stimmung: Silicon Valley, Brooklyn Nine-Nine und Modern Familiy.

Ein Jahr voller Gegensätze liegt hinter mir. Vollgas. Vollbremsung. Lachen. Weinen. Tanzen. Springen. Schubsen. Musste auf die harte Weise lernen, wieviel Kraft es braucht, nichts zu bewegen. Wahrzunehmen. Zu reflektieren. Das hört sich alles so erwachsen an. Komme mir aber mehr vor wie ein Kind, das lernen muss. Spricht man über solche Phasen? Teilt man seine Schwächen? Welchen Filter braucht man für den Alltag und in welche Kategorie des Lebenslaufs kommt das Gefühl Müdigkeit? Was antworte ich auf die großen Fragen? Mache mir Gedanken über meinen Job und Lieblingsserien, während anderswo die Lebensgrundlage ausgelöscht wird. Hänge in stylischen Cafés und anderswo produzieren Kinder gläntzende Gegenstände. Beschwere mich über hohe Mieten und S-Bahn-Ausfälle, nebenan nehmen Stürme und Fluten einfach alles weg. Was kann ich machen? Wie kann ich andere mitnehmen? Braucht es Trotz oder Verständnis?

Und auch mit dem ganzen Lärm in mir drin, bin ich dankbar für jeden Schritt. Gemeinsam oder allein. Für jedes liebe Wort. Für jede neue Bekanntschaft und jede bekannte Umarmung. Ich möchte im kommenden Jahr noch ehrlicher sein. Zu mir. Und zu Menschen, die mir wichtig sind. 🤗

Rückblick. 2017.

Mein Gesicht spiegelt sich im Fenster des Zugabteils. Für einen Moment Stillstand – während draußen alles an mir vorbei fliegt. Auf dem Weg nach Hamburg. Abschied genommen. Wollte nicht. Musste. Nun bist du bei ihr. Freude. Trauer. Habe dieses Jahr so viel gewonnen, während du dein Lächeln verloren hast. Dankbar.

Dankbar für ein volles Jahr. Ein buntes Jahr. Hab in Mallorca deine Hand genommen. Wir uns jeden freien Moment. Zukunftspläne. Snowboarden in Garmisch. Getanzt auf Hochzeiten und meinem 30. Geburtstag. Das erste Mal Ballett. Der erste eigene Tannenbaum. Keksgeruch in unserer eigenen Wohnung. Portugal. Die Füße im Sand und ein Wohnwagen mitten im Wald. Strahlen. Zahlreiche Fahrten nach Süddeutschland. Überraschend viele Kindheitserinnerungen. Erwachsenwerden. Ein letztes Mal Z2X. Ein erstes Mal The Conference. Mit dem Rad durch Malmö. Zu Fuß durch Föhr. ⛵️

Zu wenig gute Filme gesehen. Dafür bei La La Land mitgewippt. Bei Blade Runner 2049 gestaunt und bei Dark durch die Zeit gesprungen. Viel mehr Zeit mit Podcasts verbracht. Spazierend durch Hamburg. Oder beim Kochen. Neue Dinge ausprobiert. Den alten Bands treu geblieben. Im Modus (Fatoni) gefeiert und Lang lebe der Tod (Casper) bewundert. Abneigung gegen den aktuellen Rap. Das neue Album von Cro verflucht, nur um es Wochen später tru zu finden. Jazz. Klassik. Ein bisschen Rock. 🤘

Seit über einem Jahr als Produktmanager bei XING. Einen Podcast an den Start gebracht. Über 200 Experten teilen nun ihr Wissen. Selbst hingegen weniger geschrieben. Weniger gelesen. Die Facebook-App gelöscht, dafür begeistert von Refind. Jeder ausgegebene Euro wird nun mit YNAB ausgewertet und jeder Besuch mit Swarm aufgezeichnet. Mir mit Bitcoins die Finger verbrannt. In Hamburg isst man nun Poke Bowls – doch nichts kommt an Maultaschen heran.

Bin zufrieden. Bin glücklich. Bin verliebt. 2017 war schön. Mit dir. Mit euch.

Rückblick. 2016.

Fliegen & Fallen. Das beschreibt ganz gut das zurückliegende Jahr. Auch wenn ich ein paar Tage zu spät bin. Die letzten Monate waren laut. Bunt. Und irgendwie genau richtig so. Musste mir eingestehen, dass am Ende nur das Herz und der Bauch entscheiden. Dass Menschen gehen, wenn der Schmerz zu groß wird. Habe sie wieder lachen gesehen. Und still mitgegrinst. Ich fand mich. Zwischen ausgeträumten Ansichten und viel zu vielen Worten.

Ich habe meinen Job gewechselt. Eine Auszeit genommen. Viel geschrieben. Nur wenig davon geteilt. Stelle momentan lieber Fragen und höre zu. Bin dankbar für die vielen Gespräche. Mitternachts. Nebeneinander oder kilometerweit entfernt. Bin gelaufen. Mit so viel wunderschöner Musik auf den Ohren. Getanzt. Gestolpert. Geweint. Getraut. Geküsst. Habe mich durch Hamburg treiben lassen⛵️. Stuttgart besucht. Am Bodensee geträumt. Endlich wieder Berge erklommen. Die Gassen von Barcelona entdeckt. An der Ostsee getanzt. Mit Lieblingsmenschen durch Berlin gestolpert. Lissabon. Prag. Belek. Weimar. Die Schuhe grau. Breites Grinsen. Neue Pläne im Hinterkopf. Noch mehr Farbe zwischen die Linien. Heute bin ich hier. Endlich angekommen. Hallo 2017. 🤗

Anders. Doch irgendwie gleich.

Dieses Jahr war irgendwie anders. Doch irgendwie gleich. Weniger gerannt erhofft und mehr angekommen bekommen. Sehr viel nachgedacht, doch einst nie wirklich aufgehört. Zu Oft die selben Fragen mit verbitterten sich ständig ändernden Antworten. Habe Dinge akzeptiert, die mich und andere ausmachen. Dinge, die ich heute wertschätzen kann. Jedenfalls in den meisten manchen Momenten. Trümmer mussten verschwinden geschehen, weil sie Situationen mich verletzt haben. Menschen mussten verschwinden, weil ich sie verletzt habe. Ohne es mir einzugestehen. Menschen haben mich zurückgelassen, weil man zu verschieden war. Habe mich selbst angelogen.

Eine dritte Chance zu jeder Zeit in der Hinterhand. Doch irgendwann aufgebraucht. Heute trägt man die Narben hinter lustigen Sprüchen. Bin deutlich öfter heftiger gefallen, öfter aufgestanden, öfter umgekehrt. Habe Momente erlebt, auf die ich gerne verzichtet hätte. Sie deswegen so sehr achte. Worte gesagt, Sätze vorgelesen und Lippen berührt. Habe Bücher verschlungen vernachlässigt und sie als Geschenk vor deiner Tür in viel zu großen Schubladen abgelegt. Der Hunger hat sich gelegt kommt erneut. Die Hektik ist nur noch selten immer wieder zu Besuch. Hab mein Tempo gefunden, das so anders ist als zuvor. Doch brauche auch das Chaos. Die Zerstreuung. Kann dir mir wieder in die Augen blicken. Mit einem Grinsen im Gesicht. Kann über Vergangenes reden und von Zukünftigem träumen. Und auch wenn ich manchmal einsamer als zuvor bin die selben wichtigen Menschen mich begleiten, fühle ich mich aufgehobener als die letzten Male.

Dieses Jahr war irgendwie anders. Doch irgendwie gleich. In seinen Farben und Melodien. Mehr leise Dröhnung als laut Versöhnung. Die Augenringe noch etwas tiefer, den Blick wieder weiter nach oben vorne gerichtet. Betrachte Sterne nur noch bei Mitternacht während ich tagsüber von dir uns träume. Hast Erkenntnisse haben mich zum Tanzen gebracht. UnBekannter Schritt zu lautlosem Takt. Alles etwas anders. Doch irgendwie gleich. Anders gedacht als erhofft. Doch ich mag das. Irgendwann. Mag das, was da ist. Und das was kommt. Auch an den Tagen, an denen da nichts ist als Schweigen Schreien. Nicht mehr als ein Versprechen zwischen Zweien Zeilen. Stolpere durch ein Meer an Satzanfängen. Die Enden nicht absehbar. Die Nebensätze nur angedeutet. Freue mich auf das nächste Wort. Wie bereits damals. Nur irgendwie anders. Doch irgendwie gleich.

Ich wünsche euch allen schöne Weihnachten. Und einen guten Rutsch in das neue Jahr. Danke fürs Zuhören. 

Hallo 2014.

Der Kamin knistert während draußen Regen das Gras zu Boden drückt. Unter Decken eingekuschelt sitzt man am Fenster. Blickt ins dunkle Schwarz. Neuartige Melodien in diesem kleinen Haus. Irgendwo in Dänemark. Bekannte Stimmen halten das Geschehene der letzten Stunden fest. Ich halte an meinem Becher fest und lasse das vergangene Jahr ziehen.

Ich wünsche euch einen schönen Start in das neue Jahr. Auf das es euch Momente bringt, die ihr euch wünscht. Aber auch Dinge geschehen lässt, die ihr so nicht geplant hattet.