Ich verdanke meiner Therapie sehr viel. Hatte Glück bei der Suche. Und beim Gegenüber. Das könnte in Zukunft noch seltener werden. 142 Tage Wartezeit im Schnitt zwischen Erstgespräch und Therapiebeginn. Eine Ausbildung, die schlecht bezahlt, intensiv und teuer ist. Jetzt Honorarkürzungen. Die Psychotherapie ist gefährdet. Und England ist das negatives Lehrstück: Fließbandtherapie, sechs bis zwölf Stunden, Fragebögen statt Verstehen. Psyche als Apparat. Störung als Funktionsfehler. Therapie als Reparatur, damit die Arbeitskraft wieder läuft. Akutstation Psychiatrie zeigt den Alltag, wenn Wartezeit zur Krise wird. Zwischen Psychosen, Alkoholabhängigkeit und Suizidgedanken. Und was übrig bleibt, wenn das System längst am Limit läuft.
Blog / Framente
Wir sind nicht erschöpft auf Grund der Menge. Sondern weil wir die Beziehung zur Welt verlieren. Alles ist immer verfügbar. Und damit beliebig austauschbar. Hartmut Rosa unterscheidet bei Hotel Matze zwischen situativem Handeln und Vollziehen. Wer nur noch vollzieht – Kapsel in die Maschine, Prompt ins Fenster – hat am Wochenende nichts mehr auszudrücken. Wir schließen unsere Hüllen immer dichter. Hoodie, Kopfhörer, SUV, Zaun, Grenze. Und fühlen uns dabei unsicherer. Nicht sicherer. Resonanz ist unverfügbar. Sie lässt sich nicht erzwingen, nur zerstören. Erschöpfung ist strukturell. Heilung passiert in Beziehung, nicht in Optimierung.
Teddy ist Hobbyimker, Lagerarbeiter und überzeugt: Die Chefin des Pharmariesen Auxolith ist ein Alien aus der Andromeda-Galaxie. Also entführt er sie in seinen Keller. Es folgt ein psychologisches Duell. Kühl, absurd, böse komisch. Bugonia ist Yorgos Lanthimos' fünfte Zusammenarbeit mit Emma Stone. Man weiß nie ganz, wer hier verrückt ist und wer Recht hat. Darunter eine Prise Gesellschaftskritik: Pharmakonzerne, Bienensterben, Verschwörungsdenken. Wer sind hier eigentlich die bösen Aliens?
Musik ordnet meine Gefühle. Verstärkt sie. Treibt mich durch den Tag. Gibt mir ein Zugehörigkeitsgefühl. Denn Drama endet nie. Fatoni veröffentlicht bald sein neues Album. Ich mag seine Haltung. Mag den Zweifel und die Überheblichkeit. Und die Wut in seinen Zeilen.
Wir wissen so viel. Verstehen die Klimakrise. Sehen Demokratien zerbrechen. Brauchen nicht noch mehr Analysen. Aber einen ersten Schritt. Doch dieser bleibt aus. Es ist ohnehin zu spät. Und was soll ich schon verändern können? Das Ergebnis: Rückzug und Resignation.
Johannes Kleske beschreibt in Anti-Dystopia, dass weder Optimismus noch Pessimismus wirklich weiterhelfen. Utopien lässt Menschen die Augen verdrehen. Dystopien lassen uns die Augen verschließen. Beide gehen davon aus, dass die Zukunft feststeht. Die Anti-Dystopie ist ein dritter Weg. Die Realität einer Krise annehmen und trotzdem was machen. Auch wenn es nicht perfekt ist. Auch wenn es nicht sicher ist. Auch wenn es nicht garantiert ist. Denn ohne Handlung gibt es keine Veränderung.
Anti-Dystopie fordert uns auf, Verantwortung zu übernehmen. Und trotz Unsicherheiten für Gerechtigkeit und Gemeinschaft einzutreten. Kleine Schritte. Damit sich etwas bewegt.
Was bleibt, wenn der Alltag alles verschluckt? Wenn Paare sich aus den Augen verlieren. „Dann küsst euch lieb und küsst euch wild“. So einer der Tipps im ZEIT Magazin. Kommt der Partner nach Hause, dann lass alles liegen. Tägliche Spaziergänge. Umarmungen. Am besten nackt. Kleine Rituale. Kleine Momente. Humor und Neugierde. Miteinander. Füreinander.