Persönlicher Blog von Andreas Spiegler. Selbstständiger Produktmanager, Service Designer und systemischer psychologischer Coach in Hamburg. Fragmente und Einweggedanken. Schreiben. Stolpern. Schluckauf.
OpenClaw ausprobiert. Claude Code mit Obsidian verbunden. Tools zum Transkribieren und Zusammenfassen von Podcasts gebaut. Stunden und Stunden. Und vor dem Einschlafen nochmal aufgesprungen, weil da noch eine Idee war, die ich unbedingt angehen musste.
Immer wieder der gleiche Gedanke: Ich lerne. Ich experimentiere. Ich bleibe relevant.
Aber eigentlich ist es eine Sucht nach Belohnung. Nach dem Prompt, der alles löst. Katie Parrott von Every Inc. schreibt, dass unvorhersehbare KI-Antworten Dopamin ausschütten wie ein Spielautomat. Sie nennt es FOBO – Fear of Becoming Obsolete. Jedes nicht ausprobierte Tool fühlt sich für mich an wie eine Woche Rückstand.
KI als Flaschengeist. Ist immer da. Wartet. Bereit für einen Wunsch mehr. „Why close the laptop when the next prompt might solve the problem you've been stuck on for weeks?“
Seit 26 Jahren schreibe ich in dieses Internet. Hab mit 12 Jahren begonnen. Eine digitale Schülerzeitung. Dann ein persönliches Tagebuch. Eigenes HTML und CSS auf Tripod. Das erste eigene kleine CMS in PHP. So viele Redesigns. So viele erste Schritte. In einem Kinderzimmer. Röhrenmonitor und Medion-Computer. Ich mag das Internet. Für seine stillen Ecken. Für die vielen Menschen, die im Alltag nicht auffallen. Aber in Blogs ihre Leidenschaften teilen. Freue mich über jeden neuen Post im Feedreader, der mich diese schwer beschreibbare Form der Nähe spüren lässt. Zu Menschen, die ich oft noch nie getroffen habe. Denen ich aber seit Jahren digital folge. Und freue mich noch mehr über Menschen, denen ich begegnete und die ich bis heute begleiten darf.
Auf dich, kleiner Blog 🫶
Der Screenshot stammt aus dem Dezember 2005. Die Sehnsucht nach Sommer ist geblieben...
Hab das Jahr voller Mut begonnen. Wollte neugierig sein. Mich trauen. Laut sein und trotzdem zuhören. Und dann kam alles. Ein Neuanfang. Offenheit, Mitgefühl und Nähe. Da war so viel Liebe. So viel Verletzlichkeit in ruhigen Momenten. Während es draußen weiterhin laut um uns war. Viele erste Schritte. Erste Konturen und Strukturen. Beobachten und Stolpern. Zwei Menschen in meinem Leben, die so vieles so anders erleben lassen. Ein neuer Blick auf Altbekanntes.
Ein Jahr voller Bewegung. Voller erster Male. Hingabe ist keine Schwäche. Loslassen kein Aufgeben. Hab Grenzen gewahrt. Die eigenen und die fremden. Wieder ein bisschen mehr zu mir gefunden. Und wieder ein bisschen von mir verloren. Leider noch immer ganz schön müde. Wenn auch selbstbestimmter. Leider noch immer ganz schön überfordert. Wenn auch selbstbewusster darin, was ich aushalten kann. Und was nicht.
Ach... du schönes Hamburg
Meine Grenzen werden täglich getestet. Ein verurteilter Straftäter dreht weiter am Rad, macht Zölle zu Waffen und entmachtet Institutionen. Tech-Milliardäre knien vor ihm nieder, während sie Desinformation als Meinungsfreiheit verkaufen. KI wiederholt alte Muster. Diskriminierung wird automatisiert, Ungleichheit skaliert, Kontrolle zentralisiert. Hybride Kriegsführung und wachsende Wissenschaftsfeindlichkeit. Überall Extremismus und Schwarz-Weiß. Klimaschutz bleibt ein Lippenbekenntnis. Investitionen werden umgewidmet. Planungshorizont bis zur nächsten Wahl. Möchte weiterhin in keinem Land leben, wo eine rechtspopulistische Partei unentwegt Ängste schürt und Nazis zum Stadtbild gehören. Wo alle drei Tage eine Frau durch ihren (Ex-)Partner getötet wird. Häusliche Gewalt verharmlost als „Beziehungsdrama“. Frauenhäuser unterfinanziert. Care-Arbeit unsichtbar. Junge Menschen leiden. Therapieplätze fehlen. Hab keinen Bock auf konservative Rollenbilder. Fordere Femicide Watch, den Schutz der Demokratieförderung, die Prüfung eines AfD-Verbots, offene Standards im Netz und Männerlimit statt Frauenquote. Achja, und das Ende des Patriarchats. Wird Zeit.
So viele schöne Momente mit Menschen. Auf Spielplätzen, in Küchen oder auf Konzerten. Hand in Hand. Arm in Arm. Mit dem Rad durch die Straßen, mit dem Alpaka durch den Wald. Zweimal Dänemark. Einmal Albanien. Die Füße tief im Sand vergraben. Sonne im Gesicht. Herzstolpern. Gespräche bis in die Nacht, stilles Weinen im Theater, Drachenfliegen am Strand. Neugierige Kinderaugen. Schaukeln und Buddeln. Bin erblondet und spielte eine neue Autoimmunerkrankung frei. Hab die eigene Wohnung bunt gestrichen und eine fremde Wohnung renoviert. Kochabende und Kletterkurse. Muskelkater vom Grinsen. Augenringe vom Tanzen. Viel weniger Zeit mit mir alleine verbracht. Viel weniger geschrieben. Und trotzdem wenig vermisst.
Fenster auf. Durchzug.
Glaubt man Spotify, so liegt mein musikalisches Alter bei 21 Jahren. War lange nicht mehr auf so vielen Konzerten. RAUM27 spielten kleine Hymnen und laute Liebeslieder. Dendemann schleuderte mich in die Vergangenheit. Niklas Paschburg entführte mich an Küsten und in Wälder. Provinz ließ mich Walzer auf der Trabrennbahn tanzen. Und Fabian Römer brachte mich zum Grinsen und Weinen. Melodien, die mich durch den Tag tragen. Lausche der Wut von Sofia Isella und der Energie von Doechii. Meine Musik wird kritischer. Lauter. Apsilon versinkt im Grau. Paula Hartmann und Berq im Gegenteil von Liebe. Fatoni, Edgar Wasser, Juse Ju, K.I.Z und SSIO lenkten mich immer wieder ab. Insgesamt 301 Stunden mit Grinsen im Gesicht.
Auch der Fernseher blieb oft schwarz und mein Kinoabo endete. Better Man hat mir das Leben von Robbie Williams eindrucksvoll gezeigt. Pluribus ist die tollste Neuentdeckung und Dexter endlich wieder zurück. Adolescence schnürte mir die Kehle zu und die letzte Staffel Stranger Things ist ein düsteres Feuerwerk.
Verdammt gute Bücher gelesen. Ein Weg, mich mit Themen zu beschäftigen. Mitgefühl zu entwickeln. Haltung und Perspektivwechsel. Die schönste Version erzählt vom Druck, den Frauen ertragen müssen. Über sexualisierte Gewalt und die Unfähigkeit, sich zu wehren. Da, wo ich dich sehen kann schließt an und beschreibt die Hilflosigkeit nach Feminiziden. Lässt mich die Wut und Verzweiflung spüren. Endlosschleifentage begleitet Abschiede. Eine liebevolle Erzählung über Trauern und Neuanfangen. Und »Mama, bitte lern Deutsch« ist ein Tagebuch über versuchte Integration. Humorvoll, aber ohne Kitsch. Ehrlich, aber ohne Selbstmitleid. Will im nächsten Jahr mehr leichte Geschichten lesen. Und gleichzeitig frage ich mich, ob ich mir das überhaupt erlauben darf.
Sonne im Gesicht. Grinsen im Gesicht.
Ich bin zufrieden. Müde, aber zufrieden. Hab so viele kleine Schritte gemacht. Hab mich getraut. Mich fallen gelassen. Und Menschen aufgefangen. Blicke in glänzende Augen. Spüre eine Hand in meiner Hand. Spüre Vorfreude auf das nächste Jahr. Auf Ausflüge. Auf Momente ohne Plan. Auf Bewegung und Stillstand.
Hab das Jahr voller Mut begonnen. Wollte neugierig sein. Mich trauen. Laut sein und trotzdem zuhören. Und dann kam alles. Ein Neuanfang. Offenheit, Mitgefühl und Nähe. Da war so viel Liebe. So viel Verletzlichkeit in ruhigen Momenten. Während es draußen weiterhin laut um uns war. Viele erste Schritte. Erste Konturen und Strukturen. Beobachten und Stolpern. Zwei Menschen in meinem Leben, die so vieles so anders erleben lassen. Ein neuer Blick auf Altbekanntes.
Da sind Dinge, die ich nicht mehr ändern kann.
Aber da sind auch so viele neue Dinge hinzugekommen.
Drei Jahre Selbstständigkeit. Zwei Jahre Ausbildung. Ein zusätzliches Angebot. In meinen Projekten als Produktmensch merke ich immer wieder: Es geht nicht nur um Strategien und Roadmaps. Discovery und Delivery. Menschen arbeiten mit Menschen. Menschen arbeiten an sich. Kommen an Wendepunkte. Erleben Unsicherheiten. Oft fehlt der Raum zum Hinschauen und Erkunden. Als Komplize gebe ich diesen Raum. Höre zu und stelle Fragen. Neugierig, zugewandt und auf Augenhöhe. Keine Masterclass, kein Retreat und keine fertige Lösung. Sondern systemisch-psychologisches Coaching für Produktmenschen mit Verantwortung, im Umbruch oder am Anfang. Melde dich gerne, wenn du einen Komplizen suchst. Heute bin ich jedoch nicht mehr erreichbar. Werde meinen Geburtstag feiern. Und meine Selbstständigkeit. 🥳 Mit Kakao und Kaiserschmarrn.
Was mit ein paar Zeilen in den Communities von NEON und jetzt.de begann, wurde mein Ventil: Schreiben. Es hilft mir, zu verstehen, was in mir vorgeht. Was mich berührt. Dann sind meine Sätze wie ein Schatten – sie zeigen mir meine eigenen Grenzen auf und schenken mir ein Versteck.
Irgendwann gab es beide Orte nicht mehr und ich habe meine Beobachtungen auf Tumblr geteilt. Habe aus diesen Satzstücken ganze Geschichten gebaut. Jene nannte ich Einweggedanken. Gefühle in Schockstarre, die sich vielleicht morgen ganz anders anfühlen.
So sehr ich dieses Kapitel brauchte, so oft dachte ich über einen richtigen Abschluss nach. Ein Buch, das ich ein für alle mal ins Regal stellen kann.
Meine Lieblingsgeschichten und ein paar Satzfetzen, die am Ende übrig bleiben.
Danke liebe Nadine Pfeifer und lieber Johannes Pfeifer für das Design und Layout. Diese Seiten bedeuten mir so viel. Haben Dinge angestoßen, die mich nun täglich zum Strahlen bringen. ❤️