Populismus, Verschwörungstheorien, Polarisierung: alles Versuche, doch noch eine einfache Lösung zu finden. Jemandem die Schuld zu geben ist erleichternd. Kollektive Unruhe. Die alte Ordnung (Hierarchie, Führung, gemeinsame Überzeugungen) funktioniert laut Gerald Hüther nicht mehr. Eine neue gibt es noch nicht. Das Nervensystem sucht weiter. Und rauscht. Jede Zelle einzigartig. Unersetzlich. Und trotzdem nur lebensfähig im Ganzen. Wie unsere Gesellschaft.
Blog / Framente
Ach du schönes Hamburg 🚢
Seit 15 Jahren wohne ich in Hamburg. Ein Schwabe, den es nie in die Hauptstadt zog. Dafür in die Hansestadt. Helm auf, Vollgas, Elbtunnelblick. Noch immer kein großer Fan vom Regen-Grau und Wind, doch sehr dankbar für diese schöne Stadt. Kommt Besuch, führe ich diesen gerne durch die unterschiedlichen Viertel. Vorbei an bekannten Ecken zu meinen Lieblingsorten. Dabei trage ich immer eine kleine große Liste mit mir herum.
Zuletzt aktualisiert im Sommer 2026
Hamburg 101 – die Standards
Rauf auf die Michaeliskirche („Michel“) und runterschauen. Spazieren an den Landungsbrücken mit Blick auf den Hafen und seine Kräne. Gisbert auf den Ohren. Zu Fuß oder mit dem Rad durch den alten Elbtunnel und auf der anderen Seite mit einer Spezi sitzen und schauen.
Abstecher durch die Speicherstadt. Klinker-Fassaden. Durch die HafenCity rüber zur Elbphilharmonie – einmal auf die Plaza.
Mit dem Rad durch die Altstadt zum Jungfernstieg. Eis in die Hand und auf die Binnenalster schauen. Wer Zeit hat, genießt die Außenalster (7,4km langer Rundweg). Vorsicht vor Fahrrädern und Sportskanonen.
Vor dem Rathaus stehen und staunen. Kann man auch reingehen. Kleiner Abstecher zum Neuen Wall und breite Schränke vor teuren Läden angrinsen. Danach eine kleine Zeitreise ins Gängeviertel.
Zum Schluss durchatmen im Planten un Blomen. Da gibt es neben viel Grün auch Wasserspiele, Schaugewächshäuser, Minigolf und eine Rollschuhbahn. Wer es bunt und dreckig mag, schlendert nochmal über die Reeperbahn, wenn die Sonne untergeht. Gute Nacht.
„Alles kaputt, nirgendwo Minze, keine Scheißlasagne“. Jella und Yannick lieben sich. Eine schöne Erfahrung nach so vielen schlimmen Erfahrungen. Doch dann wird Liebe zur Gewalt. „Die schönste Version“ von Ruth-Maria Thomas zeigt, wie komplex und schmerzhaft Frauwerden in patriarchalen Strukturen ist. Wenn dein Selbstbild auf männlicher Anerkennung beruht. Beziehungen dir Halt geben sollten, aber alles ins Schwanken bringen. Du bleibst, obwohl gehen besser wäre. Und du dich wehrst. Mit Sätzen und Gesten und Gedanken. Psychische Gewalt in Beziehungen hat selten nur blaue Flecken. Sie ist eine Achterbahn. Wieder und wieder. Der Wunsch nach Versöhnung, Rettung oder Veränderung. Genau diesen Sog zeigt das Buch. Langsam, kaum merklich, bis das Selbstwertgefühl weg ist.
Ich verdanke meiner Therapie sehr viel. Hatte Glück bei der Suche. Und beim Gegenüber. Das könnte in Zukunft noch seltener werden. 142 Tage Wartezeit im Schnitt zwischen Erstgespräch und Therapiebeginn. Eine Ausbildung, die schlecht bezahlt, intensiv und teuer ist. Jetzt Honorarkürzungen. Die Psychotherapie ist gefährdet. Und England ist das negatives Lehrstück: Fließbandtherapie, sechs bis zwölf Stunden, Fragebögen statt Verstehen. Psyche als Apparat. Störung als Funktionsfehler. Therapie als Reparatur, damit die Arbeitskraft wieder läuft. Akutstation Psychiatrie zeigt den Alltag, wenn Wartezeit zur Krise wird. Zwischen Psychosen, Alkoholabhängigkeit und Suizidgedanken. Und was übrig bleibt, wenn das System längst am Limit läuft.
Wir sind nicht erschöpft auf Grund der Menge. Sondern weil wir die Beziehung zur Welt verlieren. Alles ist immer verfügbar. Und damit beliebig austauschbar. Hartmut Rosa unterscheidet bei Hotel Matze zwischen situativem Handeln und Vollziehen. Wer nur noch vollzieht – Kapsel in die Maschine, Prompt ins Fenster – hat am Wochenende nichts mehr auszudrücken. Wir schließen unsere Hüllen immer dichter. Hoodie, Kopfhörer, SUV, Zaun, Grenze. Und fühlen uns dabei unsicherer. Nicht sicherer. Resonanz ist unverfügbar. Sie lässt sich nicht erzwingen, nur zerstören. Erschöpfung ist strukturell. Heilung passiert in Beziehung, nicht in Optimierung.
Teddy ist Hobbyimker, Lagerarbeiter und überzeugt: Die Chefin des Pharmariesen Auxolith ist ein Alien aus der Andromeda-Galaxie. Also entführt er sie in seinen Keller. Es folgt ein psychologisches Duell. Kühl, absurd, böse komisch. Bugonia ist Yorgos Lanthimos' fünfte Zusammenarbeit mit Emma Stone. Man weiß nie ganz, wer hier verrückt ist und wer Recht hat. Darunter eine Prise Gesellschaftskritik: Pharmakonzerne, Bienensterben, Verschwörungsdenken. Wer sind hier eigentlich die bösen Aliens?