Rückblick. 2025.

Hab das Jahr voller Mut begonnen. Wollte neugierig sein. Mich trauen. Laut sein und trotzdem zuhören. Und dann kam alles. Ein Neuanfang. Offenheit, Mitgefühl und Nähe. Da war so viel Liebe. So viel Verletzlichkeit in ruhigen Momenten. Während es draußen weiterhin laut um uns war. Viele erste Schritte. Erste Konturen und Strukturen. Beobachten und Stolpern. Zwei Menschen in meinem Leben, die so vieles so anders erleben lassen. Ein neuer Blick auf Altbekanntes.

Ein Jahr voller Bewegung. Voller erster Male. Hingabe ist keine Schwäche. Loslassen kein Aufgeben. Hab Grenzen gewahrt. Die eigenen und die fremden. Wieder ein bisschen mehr zu mir gefunden. Und wieder ein bisschen von mir verloren. Leider noch immer ganz schön müde. Wenn auch selbstbestimmter. Leider noch immer ganz schön überfordert. Wenn auch selbstbewusster darin, was ich aushalten kann. Und was nicht.

Ein wunderschönes Haus in Eimsbüttel. Es ist Frühling.

Meine Grenzen werden täglich getestet. Ein verurteilter Straftäter dreht weiter am Rad, macht Zölle zu Waffen und entmachtet Institutionen. Tech-Milliardäre knien vor ihm nieder, während sie Desinformation als Meinungsfreiheit verkaufen. KI wiederholt alte Muster. Diskriminierung wird automatisiert, Ungleichheit skaliert, Kontrolle zentralisiert. Hybride Kriegsführung und wachsende Wissenschaftsfeindlichkeit. Überall Extremismus und Schwarz-Weiß. Klimaschutz bleibt ein Lippenbekenntnis. Investitionen werden umgewidmet. Planungshorizont bis zur nächsten Wahl. Möchte weiterhin in keinem Land leben, wo eine rechtspopulistische Partei unentwegt Ängste schürt und Nazis zum Stadtbild gehören. Wo alle drei Tage eine Frau durch ihren (Ex-)Partner getötet wird. Häusliche Gewalt verharmlost als „Beziehungsdrama“. Frauenhäuser unterfinanziert. Care-Arbeit unsichtbar. Junge Menschen leiden. Therapieplätze fehlen. Hab keinen Bock auf konservative Rollenbilder. Fordere Femicide Watch, den Schutz der Demokratieförderung, die Prüfung eines AfD-Verbots, offene Standards im Netz und Männerlimit statt Frauenquote. Achja, und das Ende des Patriarchats. Wird Zeit.

Ein alter Bunker am Strand von Dänemark. Blauer Himmel. Sonnenschein.

Drei Jahre Selbstständigkeit. Drei Jahre Produktmensch und Komplize. Mag die Vielfalt dieser Rollen. Die Freiheiten im Alltag. Habe meine Ausbildung zum systemisch-psychologischen Coach abgeschlossen und bin Mental Health Ersthelfer geworden. Wurde Teil des Neuen Amt Altones (NAA) und sitze unregelmäßig im Zuhör-Kiosk Emilienstraße – denn „wer andere versucht zu verstehen, versteht sich selber besser“. Veröffentlichte Artikel über Produktstrategie für neue Medienorganisationen und Modelle aus Psychoanalyse und systemischer Beratung im Produktmanagement. Habe meine Webseite komplett überarbeitet und eine Marke angemeldet. War auf der re:publica, dem German Creative Ecnomomy Summit, der Product at Heart und dem Waterkant Festival. Besuchte Meetups und Offsites. So viele Gespräche. Schön und erschöpfend. Sehne mich nach einer Auszeit. Und nach einem festen Platz außerhalb des Home-Office.

Die Küste Albaniens. Blauer Himmel. Sandwege zum Strand.

So viele schöne Momente mit Menschen. Auf Spielplätzen, in Küchen oder auf Konzerten. Hand in Hand. Arm in Arm. Mit dem Rad durch die Straßen, mit dem Alpaka durch den Wald. Zweimal Dänemark. Einmal Albanien. Die Füße tief im Sand vergraben. Sonne im Gesicht. Herzstolpern. Gespräche bis in die Nacht, stilles Weinen im Theater, Drachenfliegen am Strand. Neugierige Kinderaugen. Schaukeln und Buddeln. Bin erblondet und spielte eine neue Autoimmunerkrankung frei. Hab die eigene Wohnung bunt gestrichen und eine fremde Wohnung renoviert. Kochabende und Kletterkurse. Muskelkater vom Grinsen. Augenringe vom Tanzen. Viel weniger Zeit mit mir alleine verbracht. Viel weniger geschrieben. Und trotzdem wenig vermisst.

Dänemark. Fenster gekippt. Blick auf Ferienhäuser und den Deich. Urlaub.

Glaubt man Spotify, so liegt mein musikalisches Alter bei 21 Jahren. War lange nicht mehr auf so vielen Konzerten. RAUM27 spielten kleine Hymnen und laute Liebeslieder. Dendemann schleuderte mich in die Vergangenheit. Niklas Paschburg entführte mich an Küsten und in Wälder. Provinz ließ mich Walzer auf der Trabrennbahn tanzen. Und Fabian Römer brachte mich zum Grinsen und Weinen. Melodien, die mich durch den Tag tragen. Lausche der Wut von Sofia Isella und der Energie von Doechii. Meine Musik wird kritischer. Lauter. Apsilon versinkt im Grau. Paula Hartmann und Berq im Gegenteil von Liebe. Fatoni, Edgar Wasser, Juse Ju, K.I.Z und SSIO lenkten mich immer wieder ab. Insgesamt 301 Stunden mit Grinsen im Gesicht.

Weniger Musik gehört. Und noch weniger Podcasts. Freue mich über jede Folge Baywatch Berlin und Podcast Ufo. Die Geschichten von Search Engine beeindrucken mich. Lerne viel über Beziehungen im NDR-Podcast Die Paartherapie und über Psychologie beim Rätsel des Unbewussten. Die Lage der Nation ordnet mir weiterhin Politik und Weltgeschehen ein, während mich Jung & Naiv in spannende Gespräche abtauchen lässt.

Auch der Fernseher blieb oft schwarz und mein Kinoabo endete. Better Man hat mir das Leben von Robbie Williams eindrucksvoll gezeigt. Pluribus ist die tollste Neuentdeckung und Dexter endlich wieder zurück. Adolescence schnürte mir die Kehle zu und die letzte Staffel Stranger Things ist ein düsteres Feuerwerk.

Verdammt gute Bücher gelesen. Ein Weg, mich mit Themen zu beschäftigen. Mitgefühl zu entwickeln. Haltung und Perspektivwechsel. Die schönste Version erzählt vom Druck, den Frauen ertragen müssen. Über sexualisierte Gewalt und die Unfähigkeit, sich zu wehren. Da, wo ich dich sehen kann schließt an und beschreibt die Hilflosigkeit nach Feminiziden. Lässt mich die Wut und Verzweiflung spüren. Endlosschleifentage begleitet Abschiede. Eine liebevolle Erzählung über Trauern und Neuanfangen. Und »Mama, bitte lern Deutsch« ist ein Tagebuch über versuchte Integration. Humorvoll, aber ohne Kitsch. Ehrlich, aber ohne Selbstmitleid. Will im nächsten Jahr mehr leichte Geschichten lesen. Und gleichzeitig frage ich mich, ob ich mir das überhaupt erlauben darf.

Sonne und Meer. Ein bunter Sonnenschirm.

Ich bin zufrieden. Müde, aber zufrieden. Hab so viele kleine Schritte gemacht. Hab mich getraut. Mich fallen gelassen. Und Menschen aufgefangen. Blicke in glänzende Augen. Spüre eine Hand in meiner Hand. Spüre Vorfreude auf das nächste Jahr. Auf Ausflüge. Auf Momente ohne Plan. Auf Bewegung und Stillstand.

Da sind Dinge, die ich nicht mehr ändern kann.
Aber da sind auch so viele neue Dinge hinzugekommen.


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