Es ist Feiertag. Drau├čen rauscht der Wind und drinnen trocknen die Wanderschuhe. Es ist unser erster richtiger Urlaub in diesem Jahr. Zehn Tage R├╝gen. Verwuschelte Haare. Pommes auf die Hand. Endlich wieder Meer. ­čîŐ

In Hamburg stapeln sich w├Ąhrenddessen die Umzugskartons, denn nach 10 Jahren steht endlich eine Ver├Ąnderung an. Wir bleiben Hamburg und Eimsb├╝ttel treu ÔÇô fanden aber ein bisschen mehr Platz. Die Vorfreude steigt genau wie die Nervosit├Ąt. Aber bis dahin sind es noch ein paar Tage.


Die Ruhe in R├╝gen tut verdammt gut, waren die letzten Tage doch unfassbar aufregend. Zum ersten Mal durfte ich als Wahlhelfer unterst├╝tzen und in den Messehallen Hamburg ein Briefwahlbezirk ausz├Ąhlen. Es f├╝hlte sich ein bisschen wie Klausurenphase in der Schule an. Alle aufgeregt und darauf bedacht, alles richtig zu machen. Ja, es gibt einiges nachzubessern: Wer darf w├Ąhlen? Wozu alles auf Papier? Ist der Bundestag nicht viel zu gro├č? Warum w├Ąhlen Menschen die AfD oder dieBasis? Trotzdem bin ich froh in einer solchen Demokratie zu leben. Und ich bin auch froh, dass die gro├če Koalition ein Ablaufdatum hat. ­čÜŽ


F├╝r eine Autoimmunerkrankung wie Alopecia Areata gibt es kein greifbares Ablaufdatum, aber auch hier geschehen kleine Ver├Ąnderungen. Nach der Einsicht, dass dieser Warnschuss ernstgenommen werden muss, habe ich einige Dinge angesto├čen. So war ich die letzten Wochen regelm├Ą├čig in einer Praxis f├╝r Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und bekam einen anderen Blick auf meine Situation: Haare fallen aus, wenn die K├Ârpermitte leidet. Wenn der K├Ârper ersch├Âpft ist und nicht die richtigen Dinge erh├Ąlt. So ├Ąnderte sich meine Ern├Ąhrung (drei warme Mahlzeiten, kaum S├╝├čigkeiten daf├╝r frisches Obst, ged├╝nstetes Gem├╝se, viel Reis und Getreide anstatt Nudeln, wenig tierische Produkte, Defizite durch Nahrungserg├Ąnzung ausgleichen) und Yin Yoga zum Ausgleich nach anstrengenden Tagen. ├ťberhaupt: Bewegung und Natur tun mir verdammt gut!

Eine regelm├Ą├čige Akupunktur hilft zudem die Kopfhaut zu durchbluten. Und tats├Ąchlich bilden sich an manchen Stellen wieder neue Haare. Ich bin mitten im Prozess, verliere zum Beispiel gerade eine Augenbraue, aber ich versuche die Phase zu akzeptieren, die verwunderten Blicke zu ignorieren und offen mit dem Thema umzugehen. ­čĹĘÔÇŹ­čŽ▓


Offen mit unterschiedlichsten Phasen und Gef├╝hlen umzugehen, das genie├če ich bei guten Podcasts. Hazel Brugger spricht mit ihrem Mann Thomas Spitzer in ÔÇ×Nur VerheiratetÔÇť ├╝ber ihre Beziehung, die Arbeit und ihre Liebe. Sehr ehrlich und liebevoll.

Bei Patreon haben die Beiden bereits seit langer Zeit einen Podcast und teilen dort auch flei├čig Videos aus ihrem Leben. Damit sind sie sehr erfolgreich ÔÇô und k├Ânnen nebenbei die Formate umsetzen, auf die sie Lust haben. Ganz ohne gro├čen Sender im Hintergrund.

So stolperte ich auch ├╝ber ein Gespr├Ąch mit Richard David Precht aus dem September 2020. Die beiden sprechen ├╝ber nachhaltiges Gl├╝ck, das nicht ohne Melancholie und Humor entstehen kann. ├ťber die Kunst des Lebens sich beschr├Ąnken zu k├Ânnen. Und dar├╝ber, dass die Digitalisierung sich um das L├Âsen von Problemen dreht ÔÇô das Leben aber so nicht funktioniert.

Und wo wir bei Podcasts sind: Richard David Precht spricht mit Markus Lanz. Denkt man, es gibt bereits genug Podcasts, so zeigt auch dieser: Da ist noch verdammt viel Potential f├╝r kluge Gespr├Ąche. ­čÄÖ


M├╝sste ich Musik f├╝r eine einsame Insel ausw├Ąhlen, so w├Ąre Casper auf jeden Fall dabei. Seine Musik begleitet mich bereits viele Jahre ÔÇô irgendwas zwischen Melancholie, Aufbruch und Adrenalin. Im Februar 2022 kommt sein neues Album. Die erste Single ist bereits ver├Âffentlicht. G├Ąnsehaut.

Wie gut Melodien und Texte die eigene Wirklichkeit begleiten k├Ânnen. Oder Unterschlupf bieten ÔÇô ein kleines Rettungsboot. Und jedes Boot sieht anders aus. Olli Schulz kennt sich mit Musik (und Booten) aus. Er war f├╝r den NDR in Deutschland unterwegs, um Musikgeschm├Ącker und die Beziehung zu Musik zu dokumentieren: Sounds of Germany. Sehr sehenswert! ­čÄž


Nicht nur wegen der Bundestagswahl war Twitter in den letzten Monaten das Netzwerk, welches ich sehr intensiv nutze. Ja, ich habe mich schon oft ├╝ber die Schnelligkeit, den Spott und die Dynamiken aufgeregt. Aber Ausmisten und aktives Blockieren machte daraus einen ├╝berraschend-guten Stream. Ich f├╝hle mich wohl in meiner Blase, auch wenn sie mich manchmal sch├╝ttelt. Lache ├╝ber gute Beobachtungen und entdecke spannende Artikel.

Einzig die Masse an Tweets kann ├╝berfordern, weshalb ich zuk├╝nftig meine pers├Ânlichen Twitterperlen des Monats sammeln werde. Als kleine Zugabe.

Habt einen sch├Ânen Oktober ­čŹé Wir gehen jetzt ans Wasser.