Schreiben. Stolpern. Schluckauf.

Raus aus den Streams

Ich bin müde geworden. Wo ich mich früher™ noch mit strahlenden Augen durch RSS-Feeds oder den Pownce-Stream gegraben habe, fühlen sich Streams heute nur noch langweilig an. Egal auf welcher Plattform. Noch nie bin ich so vielen Menschen gefolgt, die so spannende Berufe haben und dennoch alle das Gleiche teilen: Die selben Artikel, die gleiche Kritik, ähnliche Empfehlungen und Bilder, die alle an den selben Orten aufgenommen wurden. Ich bin nicht anders. Mein Instagram-Stream zeigt Sonnenuntergänge. Auf LinkedIn teile ich Artikel, die mich strukturiert wirken lassen – auch wenn mein Alltag teilweise ganz schön planlos verläuft. Und auf Facebook finde ich mehr Veranstaltungen interessant als es Tage gibt, an denen ich die Wohnung verlassen werde.

Digitale Inhalte verschwimmen und zerlaufen und sind zu sehr angereichert mit Irrelevantem. Das Dilemma ist, dass man nur durch Quantität an der Oberfläche bleibt, und da ist Überflüssigkeit folglich vorprogrammiert.

Christoph rauscher

Vorbei die Zeit, in der ich lange Blogartikel lese und darüber Menschen kennenlerne. Mich selbst ein bisschen besser verstehe und das schöne Gefühl empfinde, nicht alleine zu sein. Heute lerne ich nur noch wenig dazu. Werde selten überrascht. Die meisten Einblicke sind geschönt. Alles wird professionalisiert. Und dadurch so unfassbar öde.

Die praktischen Vorteile sind allerdings nahezu verpufft. Keine neuen Freunde, keine neuen Einblicke auf ganz andere Bereiche der Welt. Nur anhaltend mehr vom gleichen. Zumindest in Relation zum Aufwand und den negativen Aspekten des Always-On-Lifestyles.

Marcel Wichmann

Jetzt könnte man denken: Das ist doch super 🙌 Endlich Zeit für sinnvolle Dinge. Doch leider verbringe ich weiterhin viel zu viel Zeit in diesen Streams. Lasse mich treiben. Völlig anteilnahmslos. Das macht mich langsam wütend. Wo sind die Orte, an denen man wieder überrascht wird? Wo lernt man Menschen kennen, die auch mal über ihre Ängste sprechen und ihre Gedanken teilen? Und dafür keinen eigenen Podcast produzieren und 90-Minuten-Monologe führen…

Bin offen für jeden Hinweis. Und bis dahin denke ich ernsthaft darüber nach, mich aus den ganzen Streams zurück zu ziehen. Und eine gehörige Portion Schlaf nachzuholen. Nachdem ich diesen Blogbeitrag in allen Streams geteilt habe. 😶