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Fragmente 🎄 Dezember 2020

Ich mag den Dezember. Nicht nur, weil er mit meinem Geburtstag beginnt. 🥳 Er fühlt sich für mich immer nach Abschluss an. Nach Aufräumen. Die Inbox auf Null. Die letzten Termine und Besorgungen. Bewältige meine Pocket-Liste und höre mich durch Podcasts. Draußen ist es dunkel und man macht es sich daheim gemütlich. Kekse backen. Tannenbaum kaufen. Vor allem in diesem Jahr, das ich zum ersten Mal nicht in Süddeutschland verbrachte. Sondern in Hamburg. In den eigenen vier Wänden.

Ein helles Wohnzimmer mit Weihnachtsdeko, darunter rote Papiergirlanden an der linken Wand und hängende Papierkugeln. Durch große Glastüren ist der schneebedeckte Balkon sichtbar.
Geburtstags-Stimmung in den eigenen Wänden

Es war ein anstrengendes Jahr. Und ich habe sehr viel über mich gelernt. Darüber schreibe ich aber separat. Heute soll es um schöne Dinge aus diesem Monat gehen – nachdem mein letzter Beitrag recht wütend war. 🙏


Wie im Oktober bereits ausführlich geschildert, habe ich in diesem Jahr viel über das Thema Geld und Investitionen gelernt. Habe bei Tomorrow ein klimaneutrales Konto angelegt und in die Bank investiert. Im zweiten Schritt wollte ich in weitere nachhaltige Firmen investieren – was gar nicht mal so einfach ist. Es gibt keine klaren Vorgaben und die Auswahl der Finanzinstrumente blieb (für mich) recht unübersichtlich. Also informierte ich mich im ersten Schritt über Fonds und ETFs – u.a. bei Stiftung Warentest und in zahlreichen Blogs.

Der aktuelle Stand: Ich bespare nun monatlich eine Auswahl von ETFs über Trade Republic, einem deutschen Startup, das ohne Depotgebühren und dafür mit sehr guter App daherkommt. Im kommenden Jahr möchte ich mich aber weiter mit Investments beschäftigen, die ökologisch und sozial verantwortliche Unternehmen unterstützen. Und bin für jeden Ratschlag und Tipp offen! 💰


Zu Weihnachten 1998 erhielt ich meine erste Spielekonsole: eine graue Sony PlayStation mit genau einem Spiel: Final Fantasy VII. Die kommenden Tage und Wochen verbrachte ich zwei Meter entfernt von einem Röhrenfernseher – sitzend, liegend, kniend. Kein anderes Spiel hat sich so in meine Erinnerung gebrannt. Es war ein interaktiver Film, der von Großkonzernen, Freundschaft und Tod handelte. Ich musste immer wieder Entscheidungen treffen, auch wenn ich nicht jede der Folgen zu diesem Zeitpunkt begriff.

Habe das Spiel in der Zwischenzeit immer wieder angespielt – aber nie erneut abgeschlossen. Dafür andere Spiele wie Journey, Heavy Rain oder Beyond: Two Souls aufgesaugt. Nicht jeder mag dieses Genre – ist es doch oft mehr Film, als Wettbewerb oder Herausforderung. Und während jeder versucht eine neue Konsole zu ergattern, um noch schönere und größere Welten zu entdecken, so ruht bei mir immer noch eine alte PlayStation 3 unter dem Fernseher. Nur das Final Fantasy VII Remake könnte mich wieder zu einem Konsolenkauf verleiten – in ein paar Jahren vielleicht. 👾


Ich beschäftige mich viel mit Medien. Beruflich und privat. So stieß ich vor sechs Jahren auf Krautreporter, die per Crowdfunding ihre unabhängige Redaktion aufbauten. Ich wurde Unterstützer – ging dann aber wie viele anderen mit der Zeit von Bord. Heute ist die Auswahl an Publikationen und Abomodellen immer größer, weshalb ich nach einem täglichen Begleiter suchte. Die großen Marken wie ZEIT oder SZ überforderten mich. Es war einfach zu viel. Ich suchte eine tägliche Einordnung der Geschehnisse und eingestreute Artikel, die interessante Themen in der Tiefe behandeln. So fand ich wieder zu Krautreporter, die sich stark verändert hatten: eine schlankere Plattform, dafür (gefühlt) mehr Fokus auf Inhalte. Und so absolvierte ich meinen Testmonat und blieb dabei. Ich mag den Stil und wie ich als Mitglied eingebunden werde. Außerdem haben sie auch kein Problem auf externe Medien zu verweisen, was leider zu selten passiert.

So sieht mein Medienmenü 2020 wie folgt aus:


Wenn ich in diesem Jahr gerne einen Menschen hätte kennenlernen dürfen, dann wäre es Matze Hielscher gewesen. So viele Stunden verbrachte man 2020 daheim – und sein Podcast Hotel Matze füllten einige davon. Er schafft es über seine ruhige Art in kürzester Zeit einen geschützten Raum aufzumachen, in dem sich seine Gäste öffnen. Nein, es sind keine kritischen journalistischen Gespräche. Dafür aber voller Neugierde und Gefühl. Die aktuelle Folge mit Fahri Yardim ist ein sehr gutes Beispiel. Bekannt aus der Serie Jerks erwartet man einen brutalen Humor und Narzissmus. Im Gespräch verstehe ich dann plötzlich, welche Konflikte und Widersprüche hinter der Fassade schlummern. Das Laut und Leise. Toxische Anteile, die Spannungen provozieren. Es geht um das Aushalten dieser Spannungen. Und um Männlichkeit. Verunsicherungen. So wie den Unterschied zwischen Erwachsen werden und Spießigkeit.

Folge ich solchen Gesprächen, so löst das enorm viel in mir aus. Ich stelle mir ähnliche Fragen. Identifiziere mich mit Aussagen. Distanziere mich von anderen. Das macht seine Gespräche so interessant. Als würde man am Küchentisch sitzen und zwei Freunden lauschen. Die beide im gleichen Moment voneinander lernen. Neben Freundschaften oder einer Therapie sorgen solche Podcasts dafür, sich selbst besser zu verstehen.

Weitere Lieblingsgäste im Hotel Matze waren Kübra Gümüşay, Clueso, Sibylle Berg, Ferdinand von Schirach und Tupoka Ogette. ✌️


Neben der Vorfreude auf die dritte Staffel Jerks, hat mich in diesem Monat eine Serie sehr begeistert: The Boys. Eine doch sehr brutale Auseinandersetzung mit Superhelden. Diese sorgen in Amerika für Recht und Ordnung – und verstoßen sie selbst dagegen, so sagt niemand etwas. Bis auf die Boys. Sie wollen die Machenschaften aufdecken. Sich für ihre Verbrechen rächen. Ich mag die Charaktere. Und den Zwiespalt.


Der Produzent und Rapper Dexter führte die letzten Jahre ebenfalls ein Leben im Zwiespalt. Tagsüber Kinderarzt und nachts Haare nice, Socken fly. Er produziert für Künstler wie Cro, Casper und Fatoni. Greift aber selbst auch immer wieder zum Mikrofon. Sein neues Album Young Boomer behandelt seine Entwicklung: Job, Erwachsenwerden, Nachwuchs erziehen. Und dabei den Raum finden, Dinge zu tun, die man mag.

Das Album begleitet mich durch den Tag. Was ja auch kein Wunder ist. Gefühlt alles was er anfasst, wird Gold. 👑


So. Das soll es gewesen sein. Ich beschließe den Dezember und hoffe, ihr nutzt die freien Tage. Kommt zur Ruhe. Verarbeitet die ganzen Eindrücke aus diesem verkehrten Jahr. Was es mit mir angestellt hat, werde ich demnächst versuchen zu formulieren.

Bis dahin... Bleibt gesund. Habt euch lieb. 👋

Fragmente 😷 November 2020

Erster Advent. Endspurt. Und ich kann schwer greifen, ob sich über die letzten Wochen nicht tatsächlich etwas Zuversicht in das ganze Chaos gemischt hat. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben gewählt – und sind alles andere als vereint. Zwei große Lager hacken aufeinander ein. Auf mich wirkt vieles immer extremer. Zwei Seiten, die jeweils recht haben wollen. Kaum Diskurs. Noch weniger Verständnis. Und ja, auch ich beziehe Stellung indem ich mich über den Wahlerfolg von Biden freue. Zu viel Hass, den Trump gesät hat. Falschaussagen und Desinformation. Das Leugnen von Klimakatastrophe und Corona-Pandemie. Die Zerstörung von diplomatischen Beziehungen. Ein Rechtsruck bis in den Supreme Court. Es reichte. Und auch wenn Biden nun Hoffnung macht, beschäftigen mich die knapp 74 Millionen Stimmen für Trumps Selbstsucht. Ich. Ich. Ich. 🤯


Und in Deutschland sieht es nicht anders aus. Tausende Menschen demonstrieren gegen die Corona-Maßnahmen – ohne sich an die Regeln zu halten. Keine Masken. Kein Abstand. Egal, wen sie am nächsten Tag wieder beim Einkaufen oder auf der Arbeit treffen. Ich. Ich. Ich will mir nichts sagen lassen. Querdenken. Im Bundestag oder der S-Bahn andere Menschen belästigen. Verängstigen. Auf Journalisten einprügeln. Hand in Hand mit Verschwörungstheoretikern, Reichsbürgern und Nazis. Es reicht. Nicht nur dem Verfassungsschutz und der Staatsanwaltschaft.

Genug Ansprachen im Konjunktiv. Antisemitische und rechtsextreme Fragen. Marschieren an einem 9. November – nicht gegen das System hinter der Reichspogromnacht, sondern gegen das System hinter der Maske. Holocaust-Vergleiche mit Sophie Scholl oder Anne Frank... Und um mich herum steigen die Zahlen der Infizierten und Toten. Krankenhauspersonal am Limit. Der Großteil der Bevölkerung schränkt sich ein, damit es irgendwann ein Ende hat. Aber ein paar Randgruppen denken wieder nur an sich. Und sorgen mit dafür, dass alles noch länger dauert.

Es reicht! Diskussionen über einzelne Maßnahmen: Gerne. Aber unter Beachtung der Schutzvorkehrungen. Und ohne Nazis und dem ganzen Verschwörungsquatsch. Niemand hat Spaß am Lockdown. Ich möchte auch wieder mit Freunden essen gehen. Möchte mal wieder tanzen. Aber ich darf nicht – unter anderem weil ihr euch weiter gegen die Regeln stellt, euch als Opfer seht und nach der großen Verschwörung sucht. Vielleicht seid ihr das viel größere Problem? Aber ich stelle nur Fragen... 😷


Puh. Das musste mal raus. Ja, ich merke auch, dass mir bestimmte Dinge fehlen. Menschen. Begegnungen und Umarmungen. Aber ich möchte gar nicht wissen, wie es Menschen geht, die alleine sind. Oder bald gehen müssen. Und im Fernsehen mitverfolgen, wie sich alles immer länger hinzieht. Den Fernseher ausschalten, das Licht löschen und die Decke über ihren Kopf ziehen. Irgendwo in der Ein-Zimmer-Wohnung. Weit weg von allen. Weit weg von Parolen. Und dem einfachen Satz: „Ich bin für dich da“.

Elisabeth Rank versucht ein ähnliches Gefühl zu greifen. 💔

Man steht vor dem unlösbaren Dilemma der Frage: Lässt man Nähe zu für den Moment, für Körpergefühl, Wohlbefinden, Dopamin, Oxytocin, für das Gefühl von Zugehörigkeit und das vegetative Nervensystem? Oder bleibt man in der Distanz, um das Leben zu verlängern, um jemanden nicht einem gefährlichen Virus auszusetzen und eine Kette an Dingen auszulösen, die schlimme Folgen haben für die Person und das System? Es gibt kein besser oder schlechter in diesem Fall. Die Vorstellung, dass viele Menschen seit einem halben Jahr noch mehr als sowieso schon auf sich selbst zurückgeworfen sind, dass ihnen jegliche Berührung abhanden gekommen ist, dass sie einsam leben und vielleicht sterben, bringt mein Herz zum Platzen. Elisabeth Rank

All diese Gedanken haben in meinen Augen oft mit unserem Zeitgefühl zu tun. Werde ich eingeschränkt in der Gestaltung meiner Zeit? Verschwende ich meine Zeit mit Dingen, die ich gar nicht tun möchte? Die letzten Wochen rasen – so jedenfalls meine Wahrnehmung. Die Zeit „rinnt“ durch die Hände. Man verliert sie in gewisser Weise. Habe dazu einen tollen Artikel gelesen: Time anxiety: is it too late? Er beschreibt ganz gut, wie wir ständig über unsere (verbleibende) Zeit nachdenken. Und dabei oft übersehen, wieviel Zeit dieses Denken verbraucht. ⏳

First, time exists and we can’t change that. Time will move forward, and so will we. Accepting these simple yet daunting truths is the first step in reducing time anxiety. @ness_labs

Auch ich muss mich immer wieder dazu zwingen, nicht jede Handlung zu bewerten. Den Sinn in jeder Tat zu suchen. Alles zu „optimieren“ – woher auch immer der Maßstab kommt, denn er kommt selten aus einem selbst.

Deshalb drei Serien für kalte Tage. Mit Kakao auf dem Sofa. Handy aus.

Liebe und Anarchie – Sofie beginnt in einem Verlag und soll dort neue Geschäftsmodelle entwickeln. Das kommt mir irgendwie bekannt vor... Sie stößt an Grenzen – im Unternehmen und bei sich selbst. Lustig, mit einer Prise Liebe und Klischees. Die acht Folgen gibt es auf Netflix. 💛

Das Damengambit – Als junge Waise lernt Beth das Schachspielen kennen. Und flieht so vor ihrer Vergangenheit. Ihrer Angst vor und Sehnsucht nach Verlust. Beeindruckendes Drama. Die Miniserie auf Netflix. ♟

After Life – Die Einsamkeit nach dem Tod seiner Frau treibt Tony in die Gleichgültigkeit. Er stößt jeden von sich. Wird zynisch. Gefühlsmix zwischen Drama und Komödie. Die zweite Staffel auf Netflix. ⚱️


Es gibt diese kurzen Momente, wenn die Fassade fällt. Wenn man hinter diese Rolle schaut, die jeder spielt. Und es sind genau diese Momente, die mich glücklich machen. Vielleicht, weil ich sie selten sind. In den letzten Monaten versuche ich mich mehr zuzulassen. Gefühlte Schwächen zu zeigen. Oder auch zu akzeptieren, dass Hilflosigkeit auch nur ein Anlass sein kann, um Menschen um Hilfe zu bitten. Und diese dann zu erhalten. Das fühlt sich dann sehr gut an.

Die Kunstfigur Kurt Krömer trifft in der Sendung Chez Krömer auf unterschiedlichste Menschen. Bei Tedros Teclebrhan verlässt sie aber relativ früh den Raum und schenkte mir ein paar Minuten mit Alexander Bojcan.


Vor uns liegt der Dezember. Die besinnliche Zeit. Und ich frage mich, ob sie in einem Jahr 2020 nicht laut sein muss. Laut gegen Desinformation. Laut gegen Rechts. Laut für einen inhaltlichen Diskurs und gegen Parolen.

Habt einen schönen ersten Advent und bleibt gesund ✌️

Fragmente 🍂 Oktober 2020

Der Akku leer, der Kopf voll. Dieses Gefühl dominiert die letzten Monate. Und daran sind gewiss nicht nur Medien und Streams schuld. Es passiert momentan so viel. In uns. In mir. Die Gesellschaft wird ein zweites Mal heruntergefahren, aber ich persönlich renne auf Anschlag.

Und so geht es vielen Freunden und Bekannten. Dieses Jahr wird dominiert durch Ungewissheit. Eilmeldungen und Zahlen überall. Corona hat Auswirkungen auf mein Leben, aber bei weitem nicht elementar. Ich bin gesund, habe meinen Job und Menschen um mich herum. Trotzdem bringt mich diese Zeit zum Nachdenken: Was ist mir wichtig? Was brauche ich? Wo sind meine Grenzen? Worauf kann ich verzichten?

Diese Fragen – sowie selbstgewählte oder diktierte Projekte, die mich davon ablenken sollen – halten die Maschine am Laufen. Hab teilweise viel zu kurze Nächte, wache um 5 Uhr auf und muss im Dunkeln feststellen, dass ich meinen halben Bart verloren habe. Warnhinweise, die ich nicht verschweigen möchte. Glaube, wir sollten viel ehrlicher über diese ganzen Bruchstellen und Schwächen sprechen. Deshalb teile ich nun monatlich Fragmente aus meinen Tagen. Stimmungsbilder und Einblicke. Aber auch Empfehlungen und Entdeckungen. Wie man das früher™ so in einem Blog machte. 🙃


Spreche ich mit Freunden, so suchen viele gerade „ihren Platz“ in dieser verrückten Zeit und dem Danach. Alles scheint sich neu zu ordnen. Arbeiten im Schlafzimmer. Führung aus der Ferne. Freundschaften übers Telefon. Auch meine Arbeit hat sich verändert, denn Produktmanagement in der Krise bedeutet noch mehr Zuversicht bei noch weniger Struktur. Investieren statt sparen. Spreche mit Menschen, deren erarbeitete Position und Sicherheit plötzlich wackelt. Sie suchen nach Gleichgesinnten – wollen nicht alleine durch diese Zeit. Auf öffentlichen Plattformen zeigt jeder, dass es weitergeht. Feiert kleine Erfolge. Aber oft fehlen geschützte Räume, wo Austausch entsteht – über Probleme und Scheitern gesprochen wird. Verständnis aufbringen. Hören und Dazugehören.

Das treibt mich gerade um. Und ich freue mich über Austausch. 🤗


Um meine ganzen Gedanken zu ordnen, habe ich mir ein neues Notizbuch besorgt. Nichts Digitales. Nur Stift und Block, um zu jeder Uhrzeit meine losen Gedanken festzuhalten. Das tut verdammt gut. Wenn es auch nur Worte ohne Zusammenhang sind. Sie spiegeln meinen aktuellen Zustand und helfen, den ein oder anderen Strang zu ordnen. Wache ich nachts auf, schreibe ich alle Gedankenfetzen auf. Lese ich ein Buch, notiere ich ausgewählte Sätze. Beobachte ich etwas Spannendes, landen Skizzen davon auf einer leeren Seite. ✍️


Früher habe ich regelmäßiger Notizbücher mit Beobachtungen gefüllt. Habe aus diesen Satzstücken ganze Geschichten gebaut. Ich nannte sie Einweggedanken. Und einzelne Texte haben es nun sogar in ein Buch geschafft 🙈 Lese ich heute durch die Texte, so erinnern sie mich an ein sehr emotionales Kapitel. Eine Trennung, ein Umzug, ein Neubeginn. Schreiben. Stolpern. Schluckauf. In einer Großstadt und auch im Kopf. 💙

Ein aufgeschlagenes Buch liegt auf einem Holztisch, wobei eine Seite mit dem Text "Andreas Spiegler: Diese seltsame Leere" sichtbar ist.
Mein Text in der Anthologie Projekt txt von Katharina Pelham

Neben dem Schreiben hilft mir Natur, um den Kopf frei zu bekommen. Wald. Bunte Blätter, die leise rascheln. Sonne im Gesicht. Hand in Hand. Deshalb ging es für ein paar Tage in den Harz – da fahren die Norddeutschen hin, wenn sie in die Berge gehen. Bin Dampflok gefahren, hab viel geschlafen und mir die Schuhe dreckig gemacht. So muss das. 🍂


Außerdem habe ich endlich wieder einen Roman gelesen. Sophia, der Tod und ich. Der Musiker Thees Uhlmann nahm mich mit auf einen Roadtrip, dessen Ende auf den ersten Seiten verraten wird: Tod. Teilweise sehr lustig, dann wieder ehrlich-schön. Dieses Gefühl hab ich vermisst. Möchte wieder mehr lesen. Abschweifen. Wer wissen möchte, welche Bücher ich gerade lese, findet Antworten auf meinem Readng-Profil. 📚


Seit Juli fahre ich mit einem E-Bike durch Hamburg und füttere unregelmäßig mit zwei Freunden einen Blog: lautlos.hamburg. Und wie jedes Projekt, hat auch dieses seine Höhen und Tiefen. Anfängliche Euphorie, viel Zuspruch und die ersten Empfehlungen. Danach eine gewisse Müdigkeit aka „Alltag“ – es braucht immer wieder Impulse. Und wenn es die Angst ist, dass man nicht mehr fahren darf. Denn kurz war mein VanMoof S3 auf dem Schirm der Polizei: Es fuhr zu schnell, wenn man in den Optionen spielte. Mittlerweile wurde aber alles technisch gelöst und das Rad aus der Ferne aktualisiert. Verrückte Technik. 🚴‍♂️


Ja, alles wird immer komplexer. Und deshalb konzentrieren sich Designer täglich darauf, Komplexität hinter leicht verständlichen und schönen Oberflächen zu verstecken. Was wäre aber, wenn wir den anderen Weg einschlagen und Menschen mehr ermächtigen? Ihnen erklären, was Technologie tut und wie sie funktioniert. Sie ist schließlich nicht nur Werkzeug, sondern vielmehr Zugang. Make me think! fordert genau diese Veränderung in der Produktentwicklung. 🙌


Zum Schluss etwas unbezahlte Werbung aus voller Überzeugung: Heute ist Weltspartag. Als Kind bin ich mit Spardose und großer Vorfreude zu meiner Bank geradelt. Es gab Süßigkeiten und Plastik aus China. Irgendwann wechselte man zu einer Onlinebank. Da gab es dann eine kostenlose Kreditkarte für Onlineshopping und eine schicke App. Aber was macht eine Bank überhaupt mit meinem Geld? Diese Frage stellte ich mir erst, als ich auf Tomorrow stieß – also dieses Jahr. Die Antwort: Große Banken finanzieren zum Beispiel die Rüstungsindustrie. Tomorrow ändert dies und nutzt Kundeneinlagen für nachhaltige Projekte. Außerdem werden Transaktionsgebühren, die beim Zahlen mit der Karte fließen, in Regenwald-Projekte gesteckt. Das Konto ist (mit kleinen Einschränkungen) kostenlos und die App super. Was spricht also dagegen?! 🌲


Ich wünsche euch einen schönen Start in den November. Hoffe, ihr bleibt gesund. Und freue mich über jedes Signal aus der Isolation 👋 #staythefuckhome

Vom Umziehen und Vergessen.

Schnee auf unserem Balkon. Seit Tagen treibt einen die Kälte durch Hamburg. Vom warmen Bett, in die Bahn, zur Arbeit und wieder zurück. Draußen Winter. Drinnen nimmt alles Gestalt an. Die gemeinsame Wohnung. Unsere Kisten sind verschwunden. Lieblingsbücher an der Wand. Unterschiedlichste Teller in den Schränken. Bilder von uns beiden und unseren Freunden. Durchatmen bei OK KID.


Mit dem abgeschlossenen Umzug begann direkt der nächste Umzug. Von Tumblr zu Wordpress. Seit 2001 stelle ich Texte und Gedanken ins Internet. Am Anfang klassisch in HTML. Danach auf Wordpress gewechselt. Irgendwann kam Tumblr und alle alten Inhalte verschwanden im Nirgendwo. Leider. Mochte die Kreativität. Habe mich Nächte durch den Stream geklickt, dabei Bücher und Filme entdeckt. Knapp 9 Jahre landeten dort meine Blogbeiträge, doch irgendwann hörten immer mehr Nutzer auf. Werbung überschwemmte meinen Stream. Und ich befürchte, dass es Tumblr nicht mehr lange geben wird - jetzt wo Gründer David Karp gegangen ist. Deshalb bin ich wieder zurück auf meinen eigenen Webspace. Zu Wordpress. Alles noch im Aufbau, aber das wird. Viele Beiträge sind mitgekommen und einige sind dort geblieben. Das nächste Kapitel beginnt 😊

Mit dem Blog-Umzug habe ich auch wieder mehr programmiert (bzw. am Code rumgebastelt). Doch wo man früher noch direkt an der Seite bastelte, sind es heute Frameworks, die über alles drüber gezogen werden. Frank Chimero hatte genau die selbe Beobachtung: Everything Easy is Hard Again. Methoden ändern sich, also muss man umlernen. Dinge vergessen. Vielleicht auch wieder von vorne beginnen. Doch wer kann genau sagen, ob der neue Ansatz so viel besser ist. Ob das neue Framework wirklich notwendig ist. Oder ob man zwanghaft erneuert, um Langeweile zu verhindern. Sich von der Masse distanzieren zu können.

Und es fällt schwer heute Dinge zu verstehen. Früher konnte ich mir den Code anschauen und nachbauen. Heute ist alles unter zahlreichen Schichten versteckt. Es wird unlesbar und somit schwer zu imitieren.

Illegibility comes from complexity without clarity. I believe that the legibility of the source is one of the most important properties of the web.
Dabei lernt man doch durch Beobachtung. Durch mehrmaliges Wiederholen. Falsch machen und irgendwann begreifen, wie es richtig geht. Ich jedoch komme mir teilweise ganz schön verloren vor. Zwischen Tutorials & Grundsatzdiskussionen. Möchte befreundete Webentwickler nicht nerven. Und bleibe doch beim Default. Früher war es leichter...

Außerdem:

  • Ich war in der Elbphilharmonie. 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker. Wunderschöne Musik in einem tollen Gebäude. Überall war der Klang so gut, als würde ich direkt davor sitzen. 🎻
  • Black Mirror Staffel 4 hat mich gelangweilt. Die Themen wiederholen sich. Teilweise zu brutal. Zu wenige Überraschungen. Herausgestochen hat "Hang the DJ" - dort bestimmt das System, wer mit wem zusammenkommt und wie lange eine Beziehung anhält. Weil man es nie anders gelernt hat. 💙
  • Genau so schwer tat ich mir mit Fargo Staffel 3. Anfänglich wirkte die Geschichte langsam. Doch wurde dann immer besser. Gute Charaktere und Abhängigkeiten untereinander. 🚓

Wind im Haar. Alles erleuchtet. Und in Bewegung.

Urlaub. 5 Tage Föhr. Wind in den Haaren. Überraschenderweise Sonne im Gesicht. Ihre Hand in meiner Hand. Durchatmen. Fast eine andere Welt. Voller Stille. Nur Sand, der knistert. Der Drachen durfte wieder fliegen. Friesentorte probiert. Einen verloren gegangenen Hund wieder entdeckt. Dankbar.

Grüne Hügellandschaft mit Blick auf ein ruhiges Meer unter dramatischem, bewölktem Himmel mit Lichtbrechungen. Die Szenerie wirkt melancholisch und atmosphärisch mit gedämpften Farbtönen.

Nach einem zurückgezogenen Album und einer verschobenen Tour war endlich alles erleuchtet. Casper spielte seine Show in der Sporthalle - eine so triste Location für Konzerte. Dennoch Gänsehaut. Dennoch dieses breite Strahlen im Gesicht. Hoffentlich nicht die letzte Tour, auch wenn seine Lieder so klingen.

Konzertbühne mit intensiver Beleuchtung in Orange- und Rottönen, mehrere Scheinwerfer strahlen von oben herab, Publikum im Vordergrund als Silhouetten erkennbar.

Ich werde momentan an Klassiker herangeführt. Einer davon ist Mord im Orientexpress aus dem Jahr 1974. Hercule Poirot als genialer Detektiv, dem kein Detail entgeht. Sympathisch verschoben versucht er die kleinen Psychospiele der Fahrgäste aufzudecken. In der Neuverfilmung von und mit Kenneth Branagh erhält der Charakter noch mehr Tiefe. Der Schnitt, die Musik und das ganze Drumherum wurde aufpoliert. Hat Spaß gemacht, auch wenn ich nach ein paar Tagen darüber nachdenken doch den Originaltitel mehr mag.


Netzwende. Mit diesem Thema beschäftige such der VOCER Innovation Day beim SPIEGEL. Wie informiert man eine digitale Gesellschaft? Und gibt es so etwas wie konstruktiven Journalismus wirklich? Neben inspirierenden Lightning Talks (z.B. von Léa Steinacker, die über Diversity und unbewusste Vorurteile in Verlagen sprach - dabei den Finger gekonnt in die Wunde steckte) gab es unterschiedlichste Workshops. So lockte die Lage der Nation mit einer Live-Aufzeichnung, Journalisten stellten Storytelling-Ideen für Sprachassistenten zur Debatte und natürlich fragte man sich erneut, wie man mit Journalismus zukünftig Geld macht. Am besten gefiel mit der Talk von Adam Thomas, der Daten-Journalismus und die Rollen der Plattformen sprach. Drumherum ein toller Gastgeber, Eis und eine Party, die XING gesponsert hat. Gute Veranstaltung - viel gelernt… Ich sollte im Dunkeln keine Stufen hochspringen. Tut weh.


Einen hab ich noch. Gerard mit neuer Single. Azurblau

Ein bisschen Wehmut. Grusel. Kaffee und Sexismus.

Hui. Das Jahr rast und bewegt sich schnurstracks auf meinen 30. Geburtstag zu. Ein komisches Gefühl. Ertappe mich immer wieder dabei, wie ich auf die letzten Jahre zurückschaue. Meine aktuelle Situation “bewerten” möchte. Und eigentlich nur mit den wichtigen Leuten anstoßen mag. Auf ein grau-buntes Hin und Her. Voller schöner und bewegender Aussetzer. Ich mag, wo ich bin. Fühle mich gerade sehr wohl. Angekommen. Mal nicht gehetzt von dem Treiben da draußen. Neben mir liegt dennoch der gepackte Rucksack. Urlaub. Wind im Haar. Lesen. Spazieren. Genießen und durchatmen.


Bin kein großer Fan von Horror oder Grusel. Aber mit Stranger Things hat mich seit langer Zeit wieder eine Serie komplett in ihren Bann gezogen. Gerade hat Staffel 2 begonnen und ich kann sie nur jedem ans Herz legen. Mag die Jungs, wie sie füreinander einstehen. Mag den Übergang in die andere Welt. Mag Eflie, wie sie versucht die zwischenmenschlichen Beziehungen zu verstehen. 


Tomasz Kurianowicz hat einen tollen Artikel über den Wunsch geschrieben, als Mann bei der aktuell wieder aufflammenden Sexismus-Debatte (#metoo) mitreden zu können. Er beschreibt - für mich sehr gut nachvollziehbar - seinen inneren Kampf. Wie schwer es ist eine Meinung zu bilden, wenn einem doch gesagt wird, dass man etwas nicht nachempfinden kann. Würde selbst gern besser verstehen, wie man die Situation verbessern kann. Das Problem angehen. Wie kann ich Empathie für dieses Problem aufbauen? Ich möchte in keine Schublade gesteckt werden. “Ihr Männer…” - doch stecke ich in dieser seit meiner Geburt. Hm…


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Wieviele Stunden ich wohl schon in Cafés verbracht habe, obwohl ich keinen Kaffee trinke. Auf der Schanze hat ein neuer Apple-Store Koffein-Dealer aufgemacht. Törnqvist. Alle schwarz gekleidet. Jede Tasse kommt mit Geburtsurkunde. Ich frage mich, wann Metzgereien hipp werden. Und Peitschenstecken auf Kiefernholz servieren.


Früher war ich ein großer Fan von delicious. Gibt’s nicht mehr. Dann kam Zootool. Auch weg. Also zurück zu Bookmarks. Aber das stellte mich auch nie zufrieden, weil mir die Inspiration fehlte. Ich wollte sehen, was andere zu bestimmten Themen gut finden. Netzwerke wie Twitter sind dafür zu laut. Aber seit einer Weile nutze ich Refind. Eine Plattform, die es mir erlaubt Links zu speichern. Kontakten zu folgen. Und Refind hilft mir dabei, die wichtigen Dinge mitzubekommen. Alles wird nach Relevanz sortiert. ?


Dieser Beitrag wurde ihnen präsentiert von einem müden Andi, der durch Johannes dazu angestoßen wurde sich wieder zu melden.