Jeder Satz nur ein weiterer Versuch dich zu erreichen. Zu weit entfernt. Wir. Voneinander.
Blog / Framente
Barcelona ☀️
Hab das Grinsen weiterhin im Gepäck - die Wanderschuhe aber in die Ecke gestellt. So eine Auszeit verrinnt schneller als man es möchte. Hake liegengebliebene Aufgaben ab. Endlich blüht es wieder auf dem Balkon. Gespräche zwischen Elbe und Rhein. Hab mir ein ordentliches Mikrofon fürs Aufzeichnen gekauft. Und endlich geschrieben. Gedanken geordnet. Und meinen Hunger gefunden wieder Dinge erschaffen zu wollen. Rumkruschteln. Große Kisten zusammenklappen und kleine Verstecke ausheben. Hände dreckig. Blätter vollgekritzelt.
Ich war in Barcelona. Mit vier Worten, zwei Büchern und keiner richtigen Vorstellung von dem, was mich erwarten wird. Ein kleines Zimmer zwischen Bodegas und prunkvollen Fassaden. Habe lange nicht mehr so eine schöne Stadt gesehen. Den Bauch voller Tapas staunte ich über die Baukunst von Antoni Gaudí. Durchforstete Buchläden nach Comics, durfte Cheesecake- und Baklava-Eis probieren, am Strand die Füße plantschen lassen und abends in Menschenmassen tauchen gehen. Ich wurde nicht beklaut - auch die meisten teuren Sehenswürdigkeiten (und davon gibt es viele) lies ich aus. Dafür fast 90 Kilometer zu Fuß. Querfeldein. Auf dem Markt die buntesten Fische entdeckt - auch wie sie dann von innen aussehen. Tauben, die sich über mir entleerten und Touristen, die auf mich einschlugen. Beides aus Versehen, so hoffe ich jedenfalls. Stand auf einem Bunker mit Blick über tausende Dächer. Immer ein komisches Gefühl, stellt man sich die vielen parallel verlaufenden Leben vor. Menschen, die lachen und weinen. Und man selbst ist nur ein kleiner Teil, der sich oft zu wichtig nimmt. Mag sehr gerne wieder kommen. Nochmal der Sagrada Familia beim Wachsen zuschauen. Nochmal heimlich aus Restaurants schleichen, weil man die Karte nicht versteht und die Tapas an der nächsten Ecke sowieso besser schmecken. Hier ein paar schöne Flecken:
- Sagrada Familia - das unvollendete Meisterwerk von Gaudí
- Jardins de Joan Brossa - wunderschöner Park mit Blick auf Barcelona
- Parc de la Ciutadella - ebensfalls toller Park direkt am Zoo
- La Tasqueta de Blai - Tapas. Mjam.
- Gelaaati! di Marco - Eis. So viel Eis.
- Cathedral de Barcelona - ich mag Kirchen und ihre Schwere
- La Central del Raval - wunderschöne Buchhandlung
Um nur ein paar Orte zu erwähnen. Wie in den Bergen gilt auch hier: Sonnencreme sollte man mitnehmen und regelmäßig nutzen.
Es ist schön zu sehen, wenn Menschen kreativ sind. Einen Weg finden andere zum Lachen, Nachdenken oder Weinen zu bringen. Durch Texte, Musik, Gesten oder investierte Zeit. Fabian ist jemand, der es immer wieder schafft. Mit kleinen Texten, Gedichten, Postkarten, Hörbüchern, … Seit einigen Tagen hat er gemeinsam mit Freunden ein Crowdfunding-Projekt gestartet: #Incommunicado als Hörbuch. Dabei handelt es sich um einen Roman von Politiker Michel Reimon. Thematisch geht es um das Urheberrecht - den Ursprung, die Entwicklung, seine Grenzen und wie es heute aussehen könnte. Fabian begann einen Podcast einzusprechen, in dem er die Geschichte erzählte. Sie wurde nämlich unter Creative Commons Lizenz freigegeben. So ein Unterfangen braucht aber Zeit, Energie und eine gute Ausstattung, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Deswegen schlief das Projekt ein und soll nun wieder erweckt werden. Dies braucht Geld - Unterstützer erhalten das Hörbuch als Sofortdownload, persönliche Aufnahmen oder auch einen Studiobesuch. Was ich toll finde, ist der Plan nach abgeschlossener Aufzeichnung das gesamte Hörbuch als Podcast schrittweise zu veröffentlichen. Also der Gemeinheit zur Verfügung zu stellen. So unterstützt man ein Vorhaben, das allen zugutekommt. Bam! Worauf warten? Unterstützen!
Strahlen im Gesicht 🙃
Ich hab ein Strahlen im Gesicht. Wurde angesteckt von allem um mich herum. Zu viel Sonne, zu viel gutes Essen und wunderbare Menschen. In den letzten Wochen habe ich mich sehr viel bewegt. Durch das Land aber auch im Kopf. Habe alte Straßen verlassen und gehe neue Wege. Noch Trampelpfade, aber sie fühlen sich gut an. Ein Kitzeln an den Fußsohlen. Eine neue Herausforderung. Im Juli geht es los - bis dahin sammle ich Energie. Und ein paar weitere Lachfalten.
Es fühlt sich alles so bekannt an. Die Straßenzüge wandeln sich zwar ständig, aber die Wege sind die gleichen. Wieder ein paar Tage in Stuttgart - mit neuen Freunden an alt-bekannten Orten. Haben im Hüftengold zwischen lauter jungen Familien gefrühstückt und sie ohne Kinder abends in der Schwarz Weiß Bar wiedergetroffen. Am Tresen neben Verbrechern und Drogenschmugglern. Haben uns in Umkleiden versteckt und mit großen Augen die Geschichte des Automobils entdeckt. Wie Kleinkinder, die abends über Beziehungen und das Leben als Single philosophieren. Zwischen Erinnerungen an die Stadt mit dem Stern. Und der Erkenntnis, das manche Dinge im Kopf doch schöner sind als sie vielleicht waren.
Ging es um Gedichtinterpretation standen meine Deutschlehrerin und ich auf Kriegsfuß. Zu unbequem meine Meinung oder zu kompliziert mein Wunsch nach Zusammenhängen. Ich kann bis heute kein Gedicht von Göthe oder Schiller aufsagen. Aber ich kenne jetzt den besten Bäcker in Weimar. Habe das bis jetzt leckerste Eis des Jahres in Erfurt gegessen. Und war der Blumenbote beim Fünfjährigen ganz toller Menschen. Sie haben mich eingeladen auf diesen Ausflug. In die Ferne und eine Ecke, wo ich zuvor nie war. Leider. Wunderschöne Straßenzüge und alles grünte. Haben in Schlossgärten gestanden und manchmal keine Worte für diese Schönheit gefunden. Dafür aber auch auf der Kirmes gelernt, dass wir nie den gesamten Dosenturm abwerfen werden.
Jetzt bin ich gerade in den Bergen. Die matschigen Wanderschuhe stehen auf dem Balkon und der Sonnenbrand lässt die Stimme meines Vaters ertönen. „Hast du dich auch eingecremt?“ - habe ich. Einmal. Die letzten Tage verbrachte ich mit Kässpätzle und Wurstsalat am Bodensee. Habe in Hagnau Menschen aus der Heimat getroffen. Breites Schwäbisch trifft auf einen Flüchtling, der nach Hamburg getürmt ist. Dieser muss sich eingestehen, dass ich manchmal einfach andere Interessen habe. Kein Fußball. Kein Musikverein. Dennoch wohlgefühlt. In Meersburg angekommen - mit vielen kleinen Erinnerungen. War schonmal dort. Mit langen Haaren. Ach du Vergangenheit. Kommst immer wieder zu Besuch. Unerwartet, aber oft mit Kuchen.
Schaue auf das Bergpanorama. Beinahe Stille. Ein paar Vögel diskutieren noch eifrig über ihren Tag. Ich mach die Augen zu und grinse weiter. Gerade ist alles gut. Ja.
Autopilot
Die ersten Sonnenstrahlen kratzen am Fensterrahmen. Ich spüre deinen Atem. Deine warme Haut. Merke wie auch du langsam wach wirst und mich beim Grübeln entdeckst. Ertappt schließe ich plötzlich meine Augen und kippe langsam wieder ins Schwarze. Suche Zuflucht in aufgewärmten Träumen. Ausgefranzte Gedankenfetzen mit Szenen der letzten Wochen. Gespräche. Spaziergänge. Küsse. Deine Hand in meiner. Fühlt sich gut an. Fühlt sich seit langer Zeit wieder ehrlich an. Du streichelst zärtlich meine Wange und ich stoppe den Film im Kopf. Schaue dir in die Augen, die weit geöffnet meinen Blick erwidern. Kontern. Ich kontere deine Bewegung und lehne mich in sie.
Herzklopfen. Bei einem von uns schneller. „Heute wird ein schöner Tag“ sagst du überzeugt. Deinen Optimismus bewundere ich schon immer. Doch heute realisiere ich erstmalig, wie er mich auch schmerzt. Ich zucke zusammen, was dir natürlich nicht unbemerkt bleibt. Du lässt dir das nicht anmerken, was mich noch mehr schmerzt. Ich suche Konfrontationen. Den ständigen Austausch. Das aneinander Reiben. Es hilft mir dabei zu erkennen, was ich brauche. Wohin ich mit einer Person gehen will. Wie weit ich gehen will. Im Moment möchte ich am liebsten zurückgehen. Zu dem Tag, an dem das alles so schwierig wurde. An dem ich verlernte habe mich fallen zu lassen. Seitdem mit Sturzhelm und Knieschoner am Treiben. Manchmal euphorisch außer Atem. Zu oft leise und unauffällig. Ängstlich vor dem großen Sprung. Auch dich halten Dinge am Boden - und doch sehe ich dich neidisch mit deinem kindisches Grinsen neben mir liegen.
Mit meinen kleinen Bewegungen reiße ich Kluften zwischen uns. Unsere Körper versinken Millimeter für Millimeter. Und obwohl sich dieses Gefühl zu zweit eine Zeit lang gut anfühlt, sind meine Gedanken wieder ganz woanders. Ich trage deine Geheimnisse bei mir. Du hast sie mir verraten und ich nehme sie auseinander. Bekomme Schicht für Schicht das Gefühl gerade den selben Fehler zu machen. Den selben Fehler, den die anderen zuvor gemacht haben. Das selbe Verhalten, das uns zusammen gebracht hat. An einen Tisch auf der Schanze. Müdigkeit und Enttäuschung über sich wiederholende Sätze. Immer die gleichen Abläufe. Haben uns geschworen alleine zu bleiben. Bei Bier und Toast. Michael Jackson im Hintergrund. Alles verschwommen. Regen auf meiner Haut. Ich grinse dich an. Du nimmst einen großen Schluck und Michael Jackson kippt. Wie wir beide am selben Abend.
Gleich wirst du mich fragen. Nach den Schatten, die an der Zimmerdecke lauern. Du wirst mich aus dieser Kopfschleife reißen. Und ich… Ich übergebe an den Autopiloten. Er wird diese Sätze formen. Mich erklären. Mein Verhalten feinsäuberlich beschreiben. Und währenddessen sehe ich deine Tränen. Sehe sie aufs Kissen fallen. Alles nassgrau. Ich hasse mich in diesen Minuten. Sehe mein Spiegelbild in deinen Augen. Sehe es im Fenster der Bahn. Emotionslos. In mir alles ein Trümmerfeld. In dir alles ein Trümmerfeld. Dein Strahlen habe ich dir genommen. Hab nicht das Recht es zu tragen. Der Autopilot hat aber alles im Griff. Sein Blick sucht den Horizont - während er sorgsam darauf achtet, dass keiner von uns fällt. Ich stelle ihn mir mit grauen Haaren vor. Kleine Falten auf seiner Stirn, jedes Mal wenn ich unerlaubt zu stammeln beginne. Deshalb schweige ich.
Stehen beide wieder am Anfang. Um uns herum Koffer voller Lebensabschnitte. Laute Durchsagen und meine Hände tief in den Hosentaschen. Ohrenbetäubender Lärm. In mir alles taub. Entschuldige mich wortlos. Spüre ein letztes Mal deine Lippen an meinem Hals. Schockstarre. Die Sonne längst untergegangen. Meine Haut abgekühlt. Und der Tag war alles andere als schön. Ich hoffe nur dein Autopilot macht das wieder gut, was fehlender Mut und ein stolperndes Herz angerichtet haben.
Während du verschwindest und dein Duft der letzte Beweis bleibt, gibt mein Autopilot das Ruder an mich. Bin jedoch zu müde und lasse mich treiben. Schon wieder…
Wache ich morgens auf, liegst du oft neben mir. Die Sonne und ein Grinsen im Gesicht. Und drehe ich mich um, dann bist du weg. Deshalb bleibe ich liegen. Schaue dich an. Warte.
Ist da sonst noch wer?
Die Schuhe dreckig. Meine Beine verkratzt. Kleine Schnitte eingesammelt auf Abkürzungen. Dachte ein Glitzern erkannt zu haben. Aus der Ferne nur ein heller Punkt. Bin abgebogen. Querfeldein. Schatten und Sonne im ständigen Wechsel. Angetrieben durch eine kleine Melodie. Leise doch bestimmt. Gerade zu in unbekanntes Terrain.
Tunnelblick. Die Kanten verschwommen. Der Horizont nach innen gewölbt. Alles findet sein Ende inmitten von Licht. Mit jedem Schritt ein Gedanken abgeschüttelt. Deine Hand fest in meiner. Leichte Schmerzen. Sie bleiben nichtig im Vergleich zum Brennen im Brustkorb. Was am Schluss auf mich wartet, kann nur ein Ende zeigen. Nur ein Ausstieg, den man sich nicht einfach so traut. Und so renne ich. Mal aufrecht. Dann wieder stolpernd.
Jeder Schritt lässt mich leichter werden. Jeder Meter die Farben blasser. Die Melodie verschwindet. Und mit ihr verschwindest du. Hast langsam losgelassen. Zu viele Wünsche meinerseits. Zu viele Ängste deinerseits. Ein sich wiederholendes Muster fegt nach und nach die Hoffnung hinaus. Lässt alles so sauber und ordentlich erscheinen. Gewollt gekonnt. Doch ungewollt gescheitert. Der Tunnel enger. Die Augen weiter. Tränenbedeckt. Schwarzgrau.
Immer wieder erstrahlen Dinge vor dem eigenen Auge - wie eine Blume. Und dann kommt ein Luftzug. Ein Windstoß. Der alles aus dem Gleichgewicht bringt. Und das scheinbar Perfekte fliegt in alle Richtungen. Man versucht es einzufangen. Die ganzen kleinen Teile wieder an sich zu binden. Doch vergeblich greifen müde Hände in alle Richtungen.
Nach Sturm folgt das große Aufräumen. Lege Gedankenburgen und Traumschlösser wieder zusammen. Gefaltet wandern sie in den Schrank. Tür verschlossen. Umgedreht. Setze mich in die Mitte meines Zimmers. Da ist keine Melodie. Das einzige Glitzern erkenne ich im Badfenster der Nachbarn. Meine Hände gefaltet in meinem Schoß. Weiß mittlerweile wer ich bin. Wo ich bin. Aber ist da sonst noch wer?