Schreiben. Stolpern. Schluckauf.

Schlagwort: liebe (Seite 1 von 1)

Silver Linings

Ich mag Menschen mit Macken. Die irgendwie aus der Reihe fallen, weil sie ehrlich zu sich sind. Ehrlich gegenüber anderen Menschen. Und auch ehrlich gegenüber ihrer eigenen Wechselhaftigkeit. Menschen, die an große Gefühle und kleine Gesten glauben. Laut über ihre Ängste, ihre Stärken oder ihre Träume sprechen. Ich fühle mich zu ihnen hingezogen, egal wie chaotisch und stressig die Auseinandersetzungen sein können.

Ähnlich ist es bei Pat, der als Mittdreißiger wieder bei seinen Eltern einzieht. Er hat einen Aufenthalt in einer Nervenanstalt hinter sich gebracht, Hoffnungen verworfen und möchte nun sein Leben auf die Reihe bekommen. Eines Tages lernt er Tiffany kennen, die ebenfalls einige Kratzer und Macken mit sich trägt. Ihr Mann ist verstorben, weshalb sie ordentlich ins Straucheln gekommen ist. Sie schläft mit jedem aus ihrem Umfeld. Pat schläft mit niemandem. Er will seine Exfreundin zurück und Tiffany bietet ihre Hilfe an, wenn er im Gegenzug mit ihr bei einem Tanzwettbewerb teilnimmt. Und so gehen die beiden ein Stück zusammen.

Silver Linings ist – genau wie mein Lieblingsfilm Garden State – eine wunderschöne Erzählung über schmerzende Kanten. Sie zeigt Konflikte und Gefühlskämpfe, die jeder in einer ähnlichen Form bestritten hat. Ängste, die jeder mit sich führt. Und ein Wunsch nach Verständnis und Nähe, der in uns schlummert. Immer wieder aufgeweckt wird und bei Laune gehalten werden möchte. Vielleicht an manchen Stellen etwas kitschig, an anderen etwas verträumt. Trotzdem sehenswert.

Naokos Lächeln

Also grübeln Sie nicht allzu ernsthaft über alles nach. Wir sind alle höchst unvollkommene Menschen (und damit meine ich alle – normalen und nicht ganz so normalen – Menschen), die in einer höchst unvollkommenen Welt leben.

Naokos Lächeln von Haruki Murakami ist nur eine Liebesgeschichte. Und doch so viel mehr. Der Wunsch nach Erfüllung und Seelenverwandtschaft.  Toru Watanabe ist unauffällig. Durchschnitt. Er hat seinen besten Freund verloren und treibt seitdem durch Tokio. Erobert Frauen nur der Eroberung wegen. Ein paar Zärtlichkeiten im Austausch, um danach wieder in seinem grauen Alltag zu verschwinden. Er wirkt gelähmt, schafft es aber dennoch immer wieder, bei ganz bestimmten Mädchen ein Gefühl der Leidenschaft zu wecken. Dann verliebt sich. In die alte Liebe seines verstorbenen Freundes. Naoko.

Ich mag Liebesgeschichten. Sehr sogar. Sie entführen mich in eine Traumwelt. In der irgendwann alles Sinn zu machen scheint. Nicht aber diese Geschichte. Sehr oft konfrontierte sie mich mit der Wirklichkeit. Mit Verzweiflung. Man kann Dinge nicht planen. Andere Menschen nicht steuern. Und auch die eigenen Gefühle nur schwer nachvollziehen. Toru Watanabe verliebt sich. Verliert sich. Und ich genoss jede Seite.

Verlieben.

Sitze in der Bahn. Die Kaputze wärmt von außen. Die Musik von innen. Maeckes. Celina. Verliebt darin geliebt zu werden. Ich mag etwas über diese Phase schreiben. Verlieben. Der Moment, in dem sich langsam dein Mittelpunkt verschiebt. Nach draußen. Du selbst verlierst an Bedeutung. Verlierst dich in einer Person, die dir das schenkt, was du zuvor nicht kanntest. Blicke. Berührungen. Gedanken. Bei jedem anders. Unterschiedlich. Tauchst jede deiner Poren in lilabuntes Glück. 

Ich glaube, man verliebt sich nur ganz selten. Vielleicht zweimal im Leben. Alles andere sind Streiche, die dir dein Verstand spielt. Weil er wieder lieben möchte. Weil ihm etwas fehlt oder er ablenken möchte. Von sich selbst. Und irgendwann merkt man, dass dieses scheinbar große Gefühl zerbricht. Die Farben um einen herum wieder kräftiger werden. Man zu sich findet. Und weitergehen möchte. Alleine. Leben. Bis eines Tages alles anders kommt. Dein Herz stolpert. In die Arme einer anderen Person. Oder den wärmenden Schoß deiner Selbst. 

Ein paar Gedanken. Momente in Buchstabenform. Einweggedanken. Heute so. Morgen wieder ganz anders.

Renn, wenn du kannst

Renn, wenn du kannst. Lauf in eine Richtung. Entscheide dich. Auch wenn es schwer ist. So will es die Gesellschaft. Alles soll in geordneten Bahnen laufen. Aber das tut es nicht… Ben sitzt im Rollstuhl. Verbringt seine Zeit mit dem Fernglas auf dem Balkon. Sieht Träumen hinterher. Doch lebt sie nicht. Bis Christian kommt. Sein neuer Zivi, der ihn für ein halbes Jahr begleitet. Mit ihm kommt Annika. Die Liebe und der Mut, neue Dinge zu riskieren. Und alte Dinge aufzugeben.

Harte Schale. Weicher Kern. Und ein sehr schöner Film.

In einer besseren Welt

In einer besseren Welt. Der mit dem Oscar für den besten ausländischen Film prämierte Streifen zeigt auf beeindruckende Weise, wie unterschiedlich unsere Leben doch verlaufen. Und dennoch empfinden wir alle Gefühle wie Einsamkeit, Liebe oder Angst. Innerhalb zwei Stunden taucht man in den Alltag von zwei Familien ein, deren Wege sich plötzlich treffen. So freundet sich ein nach außen selbstbewusster und wohlhabender Junge mit dem typischen “Außenseiter” an. Beide Jungen gehen unterschiedlich mit ihren Problemen um, beginnen nun aber gemeinsam diese Schwierigkeiten zu lösen. Der Film lebt von ernsten und aktuellen Themen wie Scheidung, Tod, Mobbing und den Problemen in der dritten Welt. Sehr eindrucksvoll gespielt und mit überwältigenden Aufnahmen untermalt. Leider ist die Geschichte etwas vorhersehbar, trotzdem hat er meiner Meinung nach den Oscar mehr als verdient. (Wertung: 8.5/10)

Und er hat mir wieder einmal gezeigt, wie gut es uns eigentlich geht. Auch nach den schlimmen Ereignissen in Japan sollte man begreifen, dass man in diesem Land so viele Chancen hat. Auch wenn sich das Leben einmal verändert und man das Gefühl hat, alles um einen herum bricht zusammen. Es gibt so viele Kleinigkeiten, die einem wieder Kraft geben können. Ich wünsch euch allen eine schöne Woche 🙂