Blog / Framente

Rückblick. 2014.

Dieses Jahr war irgendwie anders. Weniger gerannt und mehr angekommen. Sehr viel nachgedacht, doch einst aufgehört. Zu oft die selben Fragen mit verbitterten Antworten. Habe Dinge akzeptiert, die mich und andere ausmachen. Dinge, die ich heute wertschätzen kann. Jedenfalls in den meisten Momenten. Trümmer mussten verschwinden, weil sie mich verletzt haben. Menschen mussten verschwinden, weil ich sie verletzt habe. Ohne es mir einzugestehen. Habe mich selbst angelogen. Eine dritte Chance zu jeder Zeit in der Hinterhand. Heute trägt man die Narben hinter lustigen Sprüchen. Bin deutlich öfter gefallen, öfter aufgestanden, öfter umgekehrt. Habe Momente erlebt, auf die ich gerne verzichtet hätte. Sie deswegen so sehr achte. Worte gesagt, Sätze vorgelesen und Lippen berührt. Habe Bücher verschlungen und sie als Geschenk vor deiner Tür abgelegt. Der Hunger hat sich gelegt. Die Hektik ist nur noch selten zu Besuch. Hab mein Tempo gefunden, das so anders ist als zuvor. Kann dir wieder in die Augen blicken. Mit einem Grinsen im Gesicht. Kann über Vergangenes reden und von Zukünftigem träumen. Und auch wenn ich manchmal einsamer als zuvor bin, fühle ich mich aufgehobener als die letzten Male.

Dieses Jahr war irgendwie anders. In seinen Farben und Melodien. Mehr leise als laut. Die Augenringe noch etwas tiefer, den Blick wieder nach oben gerichtet. Betrachte Sterne nur noch bei Mitternacht während ich tagsüber von dir träume. Hast mich zum Tanzen gebracht. Unbekannter Schritt zu lautlosem Takt. Alles etwas anders. Anders gedacht als erhofft. Doch ich mag das. Mag das, was da ist. Auch an den Tagen, an denen da nichts ist als Schweigen. Nicht mehr als ein Versprechen zwischen Zweien. Stolpere durch ein Meer an Satzanfängen. Die Enden nicht absehbar. Die Nebensätze nur angedeutet. Freue mich auf das nächste Wort. Wie bereits damals. Nur irgendwie anders.

Projekt Kano

Kano Computer Kit mit orangefarbener Tastatur, Komponenten und Verpackung in Braun-Orange-Design. Das Set enthält alle notwendigen Teile zum Zusammenbau eines funktionsfähigen Computers für alle Altersgruppen weltweit.

Seit Monaten verfolge ich die Entwicklungen des Raspberry Pi, einem kleinen Rechner aus England mit dem Ziel, das Interesse am Programmieren und Basteln mit einem geringen Anschaffungspreis zu wecken. Es handelt sich hierbei um eine kleine Platine mit allen notwendigen Anschlüssen für externe Hardware. Als Mediencenter oder kleiner Heimserver erfreut er sich großer Beliebtheit. Persönlich war ich immer etwas skeptisch das Gerät zu kaufen, denn schließlich liegt genug Elektronik in meiner Wohnung. Doch seit einer Woche kann man bei Kickstarter das Projekt Kano unterstützen. Und das tat ich.

Projekt Kano richtet sich vorwiegend an Kinder und junge Erwachsene. Es soll den Bau eines Computers und die Umsetzung von Ideen so einfach wie das Spielen mit Lego machen. Die mitgelieferte Anleitung hilft beim Zusammenführen von Platine, Gehäuse, Lautsprecher, Betriebssystem auf SD-Karte und Tastatur-Trackpad-Kombination. Kabel für einen direkten Anschluss an einen Monitor sind vorhanden. Das Betriebssystem (Kano OS) soll dann dem Nutzer spielend die Funktionsweise eines Rechners und erste Schritte in die Programmierung ermöglichen. Hierfür löst man Missionen wie die Umsetzung von Snake oder das Bauen von Melodien aus logischen Operationen. Gleichzeitig hat man natürlich einen kabellosen Server auf Basis des Raspberry Pi, welcher auch andere Betriebssysteme booten könnte.

Warum ich das Projekt unterstütze? Weil ich die simple und zugängliche Idee klasse finde. Kinder sollten so früh wie möglich mit der Logik eines Computers vertraut gemacht werden und nicht nur Konsumenten von von fertigen Inhalten werden. Natürlich hab ich einen leistungsstarken Rechner und Programmieren kann ich auch ein bisschen, aber vielleicht komme ich mal in die Situation es jemand Jüngerem erklären zu wollen. Oder ich möchte einfach nur ohne Ablenkung einen kleinen Server bauen und mal wieder das Bastelgefühl aus der Kindheit wiederbeleben =) Bis Mitte Dezember könnt ihr spenden und erhaltet für $119 das komplette Set nach Hause geschickt - jedoch leider erst Mitte 2014.

Warum bietet Amazon kein Bezahlsystem für den Journalismus an?

Journalismus im Onlinezeitalter bezahlen. Eine Frage, die gefühlt seit Jahren diskutiert wird. Wie soll es gelingen, hochwertige Reportagen und Inhalte einfach zugänglich zu machen - den Autor sowie Distributor aber angemessen zu entlohnen. Folge 203 des Podcasts CRE beschäftigt sich unter anderem mit dieser Frage. 

Ich selbst stelle mir gerade die Frage, weshalb Amazon kein System anbietet. So hat das Unternehmen einerseits eine Größe/Relevanz, die es ihm erlauben würde zahlreiche Verlage und Online-Magazine an einen Tisch zu bringen. Sie haben mit ihrem Portal eine Plattform, die heute schon erste Anlaufstelle für Einkäufe ist. Egal ob Bücher, Musik oder Kühlschränke. Ich nehme an fast jeder hat einen Account. Verknüpft mit einer Bezahlmethode. Und zudem bieten sie den Kindle an - ein Lesegerät und gleichzeitig einen einfachen Zugang zum Amazon Ökosystem…

Amazon könnte also kostenlos ein Paywall-Framework für Unternehmen und Privatpersonen bereitstellen, das eine Bezahlung mit einem Klick erlaubt. Ein Flatrate-System wäre ebenfalls denkbar (für Amazon-Prime-Nutzer, etc.). Der Nutzer braucht kein weiteres Benutzerkonto anlegen. Der Autor erhält einen festen Anteil des von ihm veranschlagten Betrages. Nach dem Kauf ist zudem der Artikel direkt auf meinem Kindle verfügbar, welches ebenfalls als Archiv dienen kann und jederzeit mit passenden Magazinen oder Büchern verknüpft werden kann. Amazons Lesegerät würde so einen großen Mehrwert erhalten und auf gewisse Weise Medienbrüche verhindern.

Und warum bietet ihr dann nicht gleich eine Methode an, dass mir kostenlos ein gekauftes Print-Magazin digital auf dem Kindle zur Verfügung stellt? Wenn es mir gefällt, kann ich es direkt über Amazon abonnieren. Warum nicht, Amazon?

398.218

Ein kleiner Kreis, der sich gleichmäßig dreht. Ganz ohne Hektik. Grau. Kühl. Deine Augen folgen ihm. Möchten ihn anschubsen und ihn schneller werden lassen. Draußen ist es dunkel. Du sitzt auf kalten Stufen. Hinter dir die alte Holztür. Verschlossen. Du kommst dort nicht mehr hinein. Wo du vor einer halben Stunde voller Vorfreude die Stufen hoch gesprungen bist, hat die Nacht jeden Zentimeter wieder zurück erobert. Deine Hose durchnässt vom Herbst. Deine Bluse durchnässt von Tränen. Schwarzer Kajal wirkt wie ein alter Vorhang. Hängt in Fetzen an deiner Wange. Wurdest weggeschickt. Ein letztes Mal. Aus gemeinsamem Lachen wurde ein einspuriger Dialog. Du hast zugehört. Hast jedes Wort in dir aufgesaugt. Bis es nichts mehr zu sagen gab. Bis er nichts mehr zu werfen hatte. Halbvolle Gläser auf dem Fenstersims. Hast rausgeschaut. Den Regen gehört doch nichts gesehen. Bist hineingelaufen. Ungewollt.

Jetzt frierst du. Zitterst unkontrolliert am ganzen Körper. Um dich herum nur mehr Fremdes. Am anderen Ende der Stadt. Keine Mitbewohner, die dich in den Arm nehmen. Keine Decke, unter der du dich verkriechen könntest. Nichts außer diese schreckliche Dunkelheit. Und ein Kreis, der sich immer noch dreht. Schreie und Verzweiflung fluten deinen Kopf. Dein Herz. Deinen gesamten Körper, wo sie in viel zu großen Wellen schlagen. Sehnst dich nach der einen Melodie. Laute Töne. Grelle Bilder. Der Glaube an so etwas wie Flucht. Großstädte lassen einen treiben. Alles wirkt zum Erobern bereit. Doch mit der Zeit wird dir klar, dass alles nur Fassaden sind. Große Mauern, die nicht erklommen werden können. Die eine Flucht verhindern und dich dazu zwingen umzudrehen. Einen neuen Weg zu suchen, der dich dann doch irgendwann wieder einholt. Und so bleibt dir manchmal nichts anderes übrig, als stehen zu bleiben. Dich zu setzen. Weil du nicht mehr kannst. Weil du es nicht mehr willst. Greifst in deine Tasche und suchst diese eine Melodie. Greifst nach allem Bekannten, um die Reste aus den Augen zu spülen. Die Reste der Nacht. Der Lichter. Der Tränen.

Der Kreis verschwindet. Alles schwarz. Deine Augen. Sie weiten sich. Dein Herz. Es weitet sich. Wartest auf den Schlag, der dann endlich erfolgt. Ein grelles Flackern in deinem Gesicht und schließlich diese Melodie aus den Kopfhörern. Blickst in deinen Schoß und siehst so bekannte Bilder. Momente, die du in den letzten Wochen so oft betrachtet hast. Auf dem Heimweg. In der Uni. Auf dem Balkon. Abends. Wenn deine Mitbewohner feiern waren, du aber andere Dinge tun wolltest. Keiner hat bemerkt, was dir verloren ging. Keiner hat danach gefragt. Und so war dieses eine Lied alles für dich. Diese 2 Minuten und 59 Sekunden wohlige Wärme.

Die Stufen. Sie gehören dir. Aber du kauerst dich zusammen. Machst dich ganz klein, um nicht weiter zu stören. Nicht nochmal im Mittelpunkt stehen. Zorn auslösen. Nicht jetzt. Spürst die raue Mauer in deinem Rücken. Zugedeckt von dieser einen Melodie und wenigen Worten. Kennst sie auswendig. Jedes Komma hat kleine Druckstellen hinterlassen. Jede Pause gibt dir die Möglichkeit Luft zu schnappen. Kalte Luft, welche die Lücken in dir schließt. Die Vorwürfe ummantelt. Erstarren lässt. Bis der Moment innehält. Nicht freiwillig. Und nicht für lange Zeit. Es wirkt, als ob das Lied um sich schlägt. Ausbricht aus deinen weißen Kopfhörern und dem schwarzen Käfig in deiner Hand. Sich aufrichtet und ohne zu warten die Tür hinter dir eintritt. Stufen überspringt. Wohnungen durchsucht. Findet. Vernichtet.

Ein kleiner Kreis, der sich gleichmäßig dreht. Die Melodie ist verstummt. Der Regen geblieben. 398.218 Menschen haben sie gehört. In unterschiedlichsten Momenten. Aber alle aus dem selben Grund. Du steckst das Handy in die Tasche. Stehst auf. Und verschwindest in der Stadt.

Fuck You. Pay Me.

Mike Monteiro hat ein tolles Buch geschrieben. Er kämpft für die ehrliche Bezahlung von Design-Dienstleistungen. Und er appellierte auf der Webstock-Konferenz diesen Jahres an Produktgestalter. Egal ob online oder offline. Beratung oder Umsetzung. Sobald man an der Erstellung eines Produktes beteiligt ist, sollte man sich fragen ob dieses einen Sinn erfüllt, welchen man selbst für sinnvoll erachtet. Design setzt an vielen Stellen an. Vom Prozess über die Architektur bis hin zur visuellen Gestaltung sollte am Ende ein Mehrwert erkennbar sein. Für den Nutzer und die Umwelt. Design soll Probleme lösen, die wirklich lösenswert sind. Und hierfür bedarf es einer ständigen Bewertung der eigenen Arbeit und einer ordentlichen Portion Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und dem persönlichen Umfeld.