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Fragmente ⛵️ Juni 2022

Irgendwo zwischen Kleingartenanlage und Alster. Mit Apfelkuchen und Kakao auf dem Balkon. Tennisbälle wechseln die Seiten. Fahrräder auf dem Kies. Und im Garten wird gegrillt. Der Juni war sonnig schön. Blühte in allen Farben. Auch wenn Corona endgültig in unsere Wohnung einzog und mich (zum Glück) nur für wenige Tage ausbremste.

Ich baue fleißig an diesem Ding namens Leben. Schmiede Pläne und verwerfe Grundsätze. Versinke für Stunden im Kaninchenbau, nur um dann mit viel zu vielen Gedanken schlafen zu gehen. Alles wird gut. 🥱


Zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie am Flughafen. Komisches Gefühl. Im Flieger nach Wien erinnere ich mich an meine Zeit in der Beratung. Wieder mit Handgepäck, nur diesmal ohne PowerPoint-Slides. Dafür mit Svenja an meiner Hand durch bekannte Gassen. An der Donau entlang. Zwischen Kunst und Regenbogenparade. Auf der Suche nach glutenfreiem Kaiserschmarrn (mit Erfolg!) und dem Gefühl, wieder auf Entdeckungstour zu gehen. Probierte den besten Döner laut YouTube (sehr lecker) und Austern auf dem Naschmarkt (eher so okay). Tankte Sonne im Volksgarten, während prunkvolle Gebäude ihre Vergangenheit zur Schau stellen und Svenja ihren Kopf auf meine Schulter legt. Glücklich. 🥰


Außerdem endlich wieder im Kino gewesen. Neben dem Savoy ist die ASTOR Film Lounge jedes Mal ein kleines Erlebnis. Diesmal hoch in der Luft, wo Tom Cruise in Top Gun: Maverick nach dreißig Jahren wieder das Böse bekämpfte. Irgendwas zwischen Persiflage und Werbung fürs Militär. Hat aber trotzdem Spaß gemacht. Fast so sehr wie True Detective (Staffel 1), die mir unzählige Male empfohlen wurde. Nun endlich geschaut und für toll befunden. Klasse Atmosphäre, wahnsinnig gut gespielt und beeindruckende Optik & Musik. Schön, wenn man Highlights zeitversetzt genießen kann.

Ein modernes Kino mit roten Samtbestuhlung und roter Beleuchtung. Die Leinwand ist von warmweißen Lichtern umrahmt, während ein Zuschauer in der ersten Reihe sitzt. Die Decke ist mit einer Punktlicht-Installation ausgestattet.
Abschalten.

Kann mich noch ganz gut an meinen ersten Besuch in der Elbphilharmonie erinnern. Die ewig lange Rolltreppe, geschwungenes Glas und der Blick über den Hafen. Irgendwann dann auch mein erstes Konzert im Großen Saal. Beim Tag der offenen Tür durfte man hinter die Kulisse schauen: Technik, Kantine und Proberaum. Beeindruckend, wie viel hinter einer großen Bühne passiert. Und wieviele Menschen es braucht, damit am Ende ein Mensch das Publikum mit seiner Musik fesseln kann.

Blick von der Elbphilharmonie mit weißen kreisförmigen Elementen auf eine weitläufige Stadtlandschaft unter blauem Himmel mit Wolken.
Blick vom Dach der Elbphilharmonie

Im letzten Monat musste ich meine Gedanken zur Ökonomie der Aufmerksamkeit und unserem Kapitalismus ordnen. Ein Thema, das mich Monat für Monat begleitet und ganz eng mit der Klimakrise zusammenspielt. Bei Krautreporter gab es einen eindrucksvollen Blick auf den ersten Moment dieser Krise und ihre Auswirkungen auf... alles.

Wenn wir die Klimakrise betrachten, gehen wir oft stillschweigend, vielleicht auch hoffend davon aus, dass wir „nur“ der Klimakrise Herr werden müssen. Inflation, Kriege und Hunger (Pandemien auch nicht zu vergessen!), begleiten sie aber, werden sogar verstärkt durch die Klimakrise. Rico Grimm, Krautreporter

Mit jedem Artikel und jeder Perspektive wird immer klarer, dass alles zusammengehört. Wir nicht nur eine Komponente austauschen können – und dann läuft das Ding wieder. Lösungsansätze werden nicht über entweder-oder-Debatten gefunden. Vielmehr aus dem Dialog unterschiedlichster Positionen.

Understanding the scale of a billion seconds can help us reveal the interrelationships between time, money, power and energy. The Everything Manifesto

Es geht um Brückenbauen. Denn die Lösungen von heute werden nicht ausreichen. Eine App und ein bisschen KI und Blockchain wird die Krisen nicht aufhalten. Wir brauchen Koalitionen zwischen Politik und Gesellschaft. Und Geschichten, die mitnehmen. Mut machen. So fasst es Maja Göpel auf der re:publica zusammen.

Dass es zum Glück vielen Menschen und Unternehmen gibt, die versuchen andere Wege zu gehen, liest man nicht nur ein der brand eins (#Schleichwerbung) sondern auch im Podcast von Terra X, wo Harald Lesch in den „Maschinenraum Deutschlands“ blickt. So spricht er mit Nadine Ogiolda über extreme Naturereignisse und was man dagegen tun kann. Ich mag seine Neugier und innere Unruhe, auf Lösungen blicken zu wollen – und nicht nur das Problem mannigfaltig zu beschreiben.

Mit dieser Neugier möchte ich auch die nächsten Monate noch mehr über Zusammenhänge nachdenken und verstehen. Und mir klarer werden, was das für Business-Design und Produktmanagement bedeutet.

Habt einen schönen Juli und genießt die Zeit miteinander 🤗

Twitter · Mai 2022

Im Mai 2022 endete die Nebensaison. Fragmente landen nun im Blog und im Newsletter, die Medienwelt ermüdet, dafür gibts Eis und Dopesick. Konzerte, Menschenmassen, der Wunsch nach Ruhe — und die OMR22 wartete. 12 Tweets, 1 Bild. (KI-generiert)

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Fragmente 🧘‍♂️ Mai 2022

Durch Hamburgs Gassen spazieren. Menschen verlassen strahlend Blumenläden und Eisdielen. Die Sonne blendet und ich kneife die Augen zu. Zeit mit Freunden. Essengehen und Spielplätze unsicher machen. Apfelkuchen. Lesen auf dem Balkon. Und endlich wieder Konzerte.

Wie wichtig diese Momente sind. Mit mir und gemeinsam mit Anderen. Gegenseitig füreinander. Und Erwartungen warten lassen. 🖤


Ich mag Menschen. Mag ihnen zuhören und mit ihnen diskutieren. Lachen. Nachdenken. Schweigen. Doch ich bin nicht gut in neuen Umgebungen mit unzähligen fremden Gesichtern. Mag keinen Smalltalk und die immer gleichen Fragen. Netzwerken oder so. Freue mich deshalb umso mehr, wenn bei Konferenzen und Veranstaltungen dieser kleine geschützte Raum entsteht. Auf der Dachterrasse oder am Seitenausgang.

Nach vielen Monaten, in denen Videokonferenzen und Spaziergänge mit einzelnen Menschen der Alltag waren, hat der Mai mich wieder mehr in die beschriebene Zwickmühle geschubst. Hab in kleiner Runde beim New Leaders Forum über Haltung in der Medienbranche diskutiert. Und festgestellt, dass ich ein großer Freund von konstruktivem Journalismus bin. Mag Geschichten über Menschen, die Dinge anders gemacht haben. Es gibt genug Schreckensnachrichten und erhobene Zeigefinger.

Beim Abschluss des Journalism Innovators Program der Hamburg Media School ging es ebenfalls um Experimente. Sechs Monate haben die Teilnehmenden verschiedene Bedürfnisse über Medienformate versucht zu adressieren. Dabei ging es viel um Perspektivenwechsel. Sei es bei Verschwörungstheorien oder arabisch-deutschen Freundschaften. Hab gelernt, wie komplex andere Medienhäuser sind. Wie sehr Journalismus auf das Format blickt und dabei das Geschäftsmodell aus den Augen verliert. Und wie (unbewusst) geschlossen manche Branchen und Blasen sind.

Und auf der OMR22 war ich hauptsächlich überfordert. Zu viele Menschen. Zu wenig Masken. Von Halle zu Halle treiben – und irgendwie das Gefühl bekommen, ich kann es alles gar nicht verarbeiten. Mir fehlte es an Substanz. Ein bisschen wie beim Web Summit. Alles eine große Party. Und ich wunderte mich, wie eng Inhalt und Werbung auf diesem Festival verwoben waren. Zwei Tage, die sich wie der TikTok-Stream anfühlten. Mit schönen Überraschungen wie einer Fahrt auf den Hamburger Fernsehturm oder zufälligen Begegnungen mit alten Kolleginnen. Hab großen Respekt vor der Organisation – aber für mich entschieden: ich bin lieber auf kleinen Veranstaltungen. Mit klarem Themenfokus. (Freue mich über Tipps!)

Der Juni wird jedenfalls ruhiger. Das hab ich mir selbst versprochen. 🙃


Ruhe wünscht sich bestimmt auch Fynn Kliemann. Seitdem Jan Böhmermann und das ZDF Magazin etwas tiefer gegraben haben, blicke ich nochmal anders auf Influencer. Vor allem dann, wenn sie lautstark für das Gute kämpfen („Sinnfluencer“). Hab über meinen schmerzhaften Vergleich mit Fynn Kliemann bereits geschrieben. Über den Druck, den seine Projekte bei mir ausgelöst haben. Sehe jeden Tag neue Gesichter in den Streams, die mir das Gefühl geben, dass ich zu wenig mache. Dass da noch mehr Veränderung geht. Noch mehr Haltung. Doch schaut man hinter die Fassade, ist alles nicht so glänzend wie man vermuten könnte. „Das war doch klar!“ spottet die eine Stimme in mir. „Aber du magst es trotzdem glauben!“ sagt die Andere. Vielleicht ist es der Wunsch nach Orientierung in komplexen Momenten. Ich würde mich gerne irgendwo orientieren. Wie ein Spickzettel, der Entscheidungen einfacher macht. Leider gibt es den nicht. Denn am Ende geht es da draußen um Aufmerksamkeit. Um teilbare Ansichten. Und somit Reichweite und Geld. Die Plattformen aber auch ihre Content Creator scheinen in einer Spirale zu stecken.

But the hype around the creator economy, of course, focuses only on the potential financial rewards. When a hobby turns into a business, fuzzier, more personal success metrics often give way to cold, hard numbers.  Kai Brach / Dense Discovery

Investoren stecken Geld in immer schneller wachsende Unternehmen. Diese müssen noch schneller zulegen. Noch mehr Menschen ansprechen. Also greifen sie nach Zeit. Wie die grauen Männer. Es ist eine Addicition Economy. Alles wird zum Spiel. Kleine Handlungen werden belohnt. Wir fühlen uns gut. Nächste Runde. Nächste Stunde.

Wie schön wäre es, wenn die Zeit wieder als das Gesehen wird, was sie ist. Ein wertvolles Gut. Keine Kennzahl in Investorenberichten. Qualität statt Quantität liest sich gut – ist aber gar nicht so einfach. Laut, bunt und schnell gewinnt in dieser Zeit. Der Markt bekommt Angst, wenn er nicht wächst.

Die Machthabenden wollen Geld – it’s always been like that. Märkte und Handel an sich sind nicht das Problem; es sind die daraus resultierenden, kaum regulierten Praktiken: Künstliche Verknappung, erzwungenes Wachstum und finanziell motivierte politische Entscheidungen sind der Kapitalismus, der uns von innen heraus aushöhlt. Christoph Rauscher

Vielleicht eine der beeindruckendsten Dokumentationen zu diesem Thema ist Oeconomia. Sie beschreibt, woher Geld kommt. Warum wir immer mehr davon drucken. Und wie gut uns allen Ruhe tun würde. Nicht nur Fynn. 🧘‍♂️


Aha zum Schluss: Hast du dich schon mal gefragt, warum die Stückchen bei fairer Schokolade so unterschiedlich sind? Und warum sie gar nicht quadratisch-praktisch sein wollen? Sie sollen die Ungleichheit innerhalb der Schokoladenindustrie aufzeigen. Wusste ich nicht. Weiß ich jetzt.

Ich wünsche euch einen schönen Juni 🍫