Blog / Framente

Im Bett mit Casper 👻

Huhu. Da bin ich wieder. Ein vollgepackter Monat liegt hinter mir. Der erste Monat im neuen Job. Voller Euphorie. Ideen im Kopf und User Stories an den Wänden. Ich mag die vielen Berührungspunkte mit der Redaktion, Konzeption und Entwicklung. Manchmal sind es noch zu viele Dinge, die man verarbeiten muss. Aber das wird kommen mit der Zeit. Genau so wie die Zeit spontanes Herzstolpern wieder lindern wird. Dabei helfen Freunde. Buchstaben. Eis. Und andere schöne Dinge. Zum Beispiel die zweite Staffel von Halt and Catch Fire. Sie erzählt die ersten Gehversuche von Onlinespielen, Communities und Spielekonsolen. Verrückte Nerds, die in den frühen achtziger Jahren alles verändern wollen - dabei aber auch ihr komplettes privates Umfeld in Machtkämpfe reißt. In kürzester Zeit durchgeschaut. Schwerer fällt es mir da momentan mit der zweiten Staffel von Mr. Robot. Die Welt wurde gehackt. Banksysteme sind offline, Menschen haben ihr gesamtes Geld verloren und alles steht auf dem Kopf. Während ich die erste Staffel super fand, beginnen die neuen Folgen sehr düster. Es dreht sich alles um die psychischen Probleme von Elliot. Existiert sein Vater nur in der Vorstellung? Wem kann man noch trauen? Weshalb sind so viele Sprünge zwischen den Ereignissen. Immer noch aufregend, aber der Fokus liegt nun viel mehr auf Kopfchaos. Mindfuck.  Ich kaufe Bücher auf Empfehlung. Oder weil sie ein schönes Cover haben. Oder kurze verquere Sätze. In einer der schönsten Buchhandlungen Hamburgs wurde mir die Erzählungen von Karen Köhler ans Herz gelegt. Wir haben Raketen geangelt. Es geht um Momente, in denen alles aus den Angeln gehoben wird. In denen man stolpert. Und fallen muss. Viele der kurzen Ausflüge gefielen mir sehr. Manche wirkten mir zu gleich. Aber insgesamt ein schönes Buch, das gebrochene Seelen dabei begleitet, wie sie wieder heilen. Ganz langsam. Außerdem angehört: Der goldene Handschuh von Heinz Strunk. Ganz neumodisch auf Spotify. Bedrückende Erzählung vom Fall Fritz Honka. Kneipengeschichten vom Hamburger Berg. Derbe. Direkt. Mir teilweise zu abartig. Nicht die beste Entscheidung, wenn man danach schlafen will. Vielleicht liegt es aber auch an meiner Matratze, dass ich momentan so mies schlafe. Dachte ich mir. Und da man jetzt diese auch im Internet kauft und die Meinungen auseinander gehen, habe ich einfach das “Original” bestellt. Eine Casper. Wie der Musiker. Verrückt. Bin sehr gespannt. Wie werde ich eigentlich alte Matratzen los? Kann ich daraus etwas Tolles bauen? Fynn Kliemann?

VI

Alles muss so. Hat seine Richtigkeit. Seinen Grund. Es zeichnete sich ab und du hast es mit Farbe gefüllt. Die Konturen gestärkt und den letzten Strich gezogen. Jetzt liegt es da - ein Skizzenmeer. Jede Welle zog einen von uns beiden weiter hinaus. Kribbeln an den Händen. Den Füßen. Am Rücken. Manchmal orientierungslos. Manchmal einfach nur losgelöst. Vom Ufer und seinen scharfkantigen Tatsachen. Steine verschwinden nicht einfach so. Müssen weggetragen werden. Stück für Stück. Deshalb reizt das Meer. Reizt alles Neue, das einen leicht fühlen lässt. 

Liege wieder am Ufer. Die Haare noch nass. Salzige Lippen. Hände wieder leer, dafür das Gefühl noch da. Wird irgendwann weniger. Wird irgendwann anders. Zum Aufstehen zu schwach, aber spüre Wärme auf meiner Haut. Sie war immer da. Hat manchmal still beobachtet - und manchmal gewarnt. Heute ist sie einfach nur da.  Steht hoch oben. Erhaben. Zweifellos.

Ich will doch nur ans Meer. Hatte ich dir gesagt. Daraus wurde mehr. Meterhohe Versprechen gefolgt von erwartungsvoller Stille. Jetzt ist da nur noch Stille. Und irgendwann kommt wieder die Flut. Doch dann ist jeder von uns woanders. Ganz oben oder ganz unten. Aber wieder am Schwimmen. Füße fern ab vom Grund. Denn alles muss so.

I

Bekomme die Augen kaum auf. Nicht geschlafen und es auch nicht versucht. Alles graurot verschwommen. Mag mich nicht drehen. Nicht aufsetzen. Erst recht nicht aufstehen. Lieber alles sacken lassen, was die letzten Stunden in mir aufgewühlt haben. Gedanken, Ängste, Wut. Ineinander verschoben lassen sie mich taumeln. Das Gefühl zu Stolpern. Beim Einschlafen begonnen, noch nicht aufgehört. Bekomme alles zurück. Vor den Latz geknallt. Probleme gerade noch da gewesen - jetzt ausgelöscht. Mit Allem daran hängenden. Schnitt. Leinen los. Davon.

Will dass man mich versteht. Rufe sie an. Dann ihn. Dann eine Nachricht an sie. Liebe Worte. Die selben wie immer. Verständnislosigkeit. Kann mich selbst nicht erklären. Alles gleicht dem Vortag. Einzig ich selbst spüre alles doppelt. Wie ein Kater, nur ohne Feiern. Tanzen. Rauch im Haar. Diesmal alles ganz geordnet. Zu starr um einzuknicken. Falle im Ganzen. Aufschlag mit dem Gesicht voraus. Spüre es. Spüre mich. Spüre die Blicke der anderen. Gehöre hier nicht hin. Nicht in diesen Spalt zwischen Lieben und Lassen.

Immer noch ich.

Der nächste Schritt.

Seit ein paar Tagen ist Perspective Daily online und möchte mit konstruktivem Journalismus einen neuen Weg gehen. Ich finde diesen Ansatz klasse, da er auch offen die Objektivität von Medien in Frage stellt. Nach welchen Kriterien wird entscheiden, welches Thema relevant ist? Wer entscheidet darüber, dass eine Quelle oder ein Gesprächspartner die Wahrheit sagt? Was ist überhaupt die Wahrheit bzw. wo hört Objektivität auf? Diese Fragen wird jeder anders beantworten - das sollte man sich bewusst machen. Und so sollten sachliche Fakten weiterhin im Mittelpunkt einer Betrachtung stehen, aber wir benötigen unterschiedliche Meinungen. Differenzierte Sichtweisen, die einem dabei helfen wiederum eine eigene Meinung bilden zu können. Hierfür braucht es Experten und Persönlichkeiten, die sich nicht zu schade sind auch schwierige Standpunkte zu vertreten. Keine Auseinandersetzung fürchten. Auch XING hat dieses Problem erkennt und vor über einem halben Jahr das Format Klartext gestartet. Ein Diskussions-Angebot, das sich Themen rund um die Wirtschaft annimmt. Diese Debatten werden immer wieder durch neue Meinungen ergänzt - jedes Mitglied kann ebenfalls an der Diskussion teilnehmen. Und so wird dem Leser geholfen auch vielfältige Themen zu verstehen. Seinen eigenen Standpunkt entwicklen zu können. 

Warum schreibe ich über konstruktiven Journalismus und XING Klartext? Weil ich seit langer Zeit diesen Ansatz verfolge und nun die Möglichkeit habe XING Klartext mitzugestalten. Seit dem ersten Juli arbeite ich im Produktmanagement bei XING. Nach knapp fünf Jahren Beratung und Projektgeschäft habe ich mich dazu entschieden meine ganze Energie für ein neues Vorhaben zu nutzen. Mich reizt Journalismus und ich diskutiere von Herzen gerne. Schreibe seit Jahren meine Geschichten und möchte nun dabei helfen, dass noch mehr Menschen sich für Themen aus aller Welt interessieren. Sich darüber unterhalten und offen für unterschiedliche Sichtweisen werden. Deshalb habe ich diesen Job angetreten. Und er bedeutet für mich gleichzeitig auch eine Verschiebung der Verantwortlichkeiten. Vom UX-Design hin zum Produktmanagement. Darüber werde ich sicher auch in Zukunft erzählen. Ich freue mich riesig und bin gespannt, was die nächsten Monate bringen. Genau so wie ich dankbar bin über das was war. Fast 8 Jahre IBM. Ein Umzug nach Hamburg. Ein neues IBM Design Studio. Und ein Team, das mir sehr ans Herz gewachsen ist. Danke ? 

Neben einem neuen Job werde ich auch Anfang September in Berlin auf der Z2X-Konferenz sein. ZEIT ONLINE feiert Geburtstag und lädt junge Menschen dazu ein über Grenzen hinaus zu denken. Zu diskutieren und Ideen zu spinnen: “Zwei Tage und eine Nacht zusammen denken, planen, streiten, abheben.“ Eine Mischung aus Fachkonferenz und Barcamp. Die Anmeldung ist noch offen und ich würde mich freuen auch ein paar bekannte Gesichter zu sehen.

Zurück aus Prag

Zurück aus Prag. Der letzte Kurztrip meiner Auszeit. Eine wunderschöne Stadt mit einzigartigen Gebäuden. Lief wieder nur staunend durch die Gassen - wenn ich nicht gerade am Essen war (Trdelník!). Freundliche Menschen und (im Gegensatz zu Barcelona) etwas günstiger. Neben Touristenmagneten wie der Karlsbrücke oder der Prager Burg kann man sehr viel Zeit mit ziellosen Spaziergängen oder Lesepausen im Park verbringen. Deshalb habe ich diesmal ein paar Artikel zusammengestellt, die mich in letzter Zeit beeindruckt haben: Kuscheln ist etwas Schönes. Es schenkt Geborgenheit und Zufriedenheit. Doch was tun, wenn niemand zum Umarmen da ist? Die New York Times hat mit einer professionellen “Cuddlerin” gesprochen. Sie spricht über Preise und die mitschwingende Ausgelassenheit. Während ich auf der einen Seite sehr irritiert war, finde ich das Konzept dennoch schön. So gibt es ja auch Kuschelparties, bei denen Menschen einfach nur Hände halten. Sich in die Augen schauen. Und einfach nur irgendwie Distanz abbauen wollen. Startup-Gründer Tariq Krim lebte im Internet. Er hat Jahre lang die Vorteile verteidigt und u.a. auch Plattformen entwickelt um viele Inhalte zusammengefasst konsumieren zu können (Netvibes). Doch mittlerweile sehnt er sich nach Entschleunigung. Auf ZEIT ONLINE beschreibt er seine Beobachtung, dass Eigentum verschwindet. Wir haben alles digital. Und nach wenigen Stunden ist die Aufmerksamkeit und Wertschätzung weiter gewandert. Systeme empfehlen Inhalte und täglich wird mehr Content generiert, als wir verdauen können.

Es geht um Zufallsfunde und Ratschläge unter Freunden. Es geht um all die kleinen Dinge, die Technik in Zukunft unmöglich machen will. Drei Dinge, die mir Angst machen, wenn ich an die Zukunft denke

Ich hatte bereits öfters darüber geschrieben, dass ich auch den Überblick verliere. Und gleichzeitig bedauere, dass man nur noch Informationshappen zu sich nimmt. Ich lese weniger Blogs, kommentiere kaum und suche ebenfalls nach einer Möglichkeit, wieder mehr Spaß am Entdecken von Inhalten zu haben. Ideen? Natürlich sprechen gerade alle über den Brexit. Und so wird es in den kommenden Wochen sicher ausführliche Betrachtungen geben - bis dahin möchte ich einen guten Artikel der FAZ teilen. Er fordert eine neue Rebellion. Junge Menschen sollen sich wehren. Politik gestalten. Denn schaut man sich die Statistiken an, so wollten die jungen Menschen in der EU bleiben. Sie haben keine Pensionspläne im Rücken und hatten auch nie den Aufschwung oder fetten Jahre erlebt.

Sie sind die neue Generation „Nein Danke“, eine Generation, in der sich die Furcht um die Zukunft mit einer eigenartigen Sorge um die Reinheit der Heimat zu einem Cocktail aus Verzagen und Abgrenzen mischt. Warum wir eine neue Rebellion brauchen

Stattdessen müssen sie jetzt mit einer Entscheidung leben, die (in meinen Augen) zur Sicherung der Vergangenheit dienen soll. Das ist aber nicht einfach so möglich, indem man sich abkapselt…